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Qualvoller Pinguintod im Tiergarten Nürnberg – Tierschützer fordern Rücktritt des Direktors Encke

Pressemitteilung   •   Jun 20, 2016 07:30 CEST

Tiergarten-Direktor Dag Encke mit Zigarette im Rauchverbotsbereich der Delfinlagune (WDSF-Foto)

Am vergangenen Freitag veröffentlichte nordbayern.de einen Bericht eines tragischen Vorfalls, dass im Nürnberger Tiergarten ein Pinguin qualvoll an einer achtlos weggeworfenen Zigarettenkippe gestorben ist. Die Tierschutz-Organisation WDSF veröffentlichte jetzt Fotos auf seiner Homepage, die den Tiergarten-Direktor Dag Encke im Rauchverbotsbereich der Delfinlagune mit Zigarette zeigen und fordert seinen umgehenden Rücktritt.

Der Zoopädagoge Christian Dienemann weist in nordbayern.de darauf hin, dass die Leute nicht daran denken würden, dass Nikotin ein Nervengift ist und Müll die Tiere krank mache oder sie umbringe. Der Tod des Pinguins war allerdings nicht die einzige bedrohliche Situation für die Tiere im Tiergarten, heißt es in dem Bericht.


Einem Tiger musste per Blasrohr ein Brechmittel injiziert werden, weil er ein Kuscheltier gefressen hatte, das ihm jemand zugeworfen hatte. Auch außerhalb der Zoomauern sei das Verhalten der Menschen ein Problem. Immer wieder würden Plastik oder sonstige Abfälle auf den Wiesen des Tiergartens landen und so ins Futter gelangen, wenn das Gras abgemäht und an die Tiere verfüttert wird. Dies sei eine Katastrophe für die Tiere.

Die Organisation ProWal hatte bereits vor drei Jahren das Müllproblem im Tiergarten aufgegriffen und dokumentiert. ProWal hatte angeboten, den Unrat zum Schutz der Tiere zu entsorgen. „Der Leiter des Tiergartens, Dr. Dag Encke, konnte über Morloks Anschuldigungen nur noch müde lächeln“, hieß es damals in einem Bericht der Augsburger Zeitung.

Andreas Morlok von ProWal gegenüber nordbayern erneut vor zwei Jahren: „Das gesamte Zoogelände erscheint uns wie eine Müllhalde, denn in fast allen Tiergehegen befand sich Müll, den manche Tiere fraßen.“ Tiergartendirektor Dag Encke dazu: „Das ist nicht wahr. Da kann jeder in den Tiergarten kommen und selbst sehen, wie es dort aussieht.“

Das WDSF beklagt, dass sogar Encke selbst in Rauchverbotszonen des Zoos rauchen würde. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF: „Wie auf einem Hinweisschild mit den Verhaltensregeln für die Delfinlagune eindeutig zu sehen ist, besteht dort ein Rauchverbot. Encke befand sich während unserer Fotoaufnahmen rauchend im Bereich der Delfinlagune unmittelbar hinter dem Verbots- bzw. Verhaltens-Maßnahmeschild.“



Das WDSF und ProWal kritisieren auch das Konzert in der Delfinlagune am vergangenen Freitag. Ortmüller: „Das Martina Eisenreich Quartett verwendete drei Lautsprecheranlagen mit umfangreicher Elektrik, um die Besuchertribüne auf der gegenüberliegenden Seite des Beckens von einer Plattform aus direkt am Beckenrand musikalisch zu erreichen. Ebenso wurde ein Schlagzeug mit einer Bass-Drum eingesetzt. Während der Vorstellung hielten sich Delfine unmittelbar vor der Bühne in dem Becken mit einem Tierpfleger auf, der sich auch noch an den empfindlichen Brustflossen eines Delfins durch das Becken ziehen ließ. Wenn eines der elektrischen Geräte, die unmittelbar am Beckenrand standen, in das Wasser gefallen wäre, hätte es für Mensch und Tier übel ausgehen können.“

Solche Show-Vorstellungen fänden regelmäßig in den katastrophalen Vergnügungsparks mit Delfinarien im Ausland statt und dies habe mit einem Bildungsauftrag des Tiergartens, der sich gerne als „wissenschaftlich geführt“ bezeichnet, absolut nichts mehr zu tun, meinen WDSF und ProWal. Es wurde zusammen mit der Rücktrittsforderung des Tiergartendirektors Fachaufsichtsbeschwerde bei der Regierung von Mittelfranken eingelegt.

Das WDSF kooperiert international mit Wissenschaftlern, Politikern, anderen Organisationen und Wal- u. Delfinschützern. Das WDSF ist keine Mitglieder/Spenden-Organisation und unabhängig von anderen Institutionen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen die WDSF-Aktionen. Aufgrund des notariellen Gesellschaftsvertrages beziehen weder die WDSF-Geschäftsführung noch andere Personen Gehälter oder Zuwendungen. Der Verwaltungsaufwand ist daher äußerst gering. Das WDSF arbeitet in seinem Kuratorium ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern, Fachleuten, Wissenschaftlern und (Meeres-)Biologen zusammen.

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