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Wird Griechenland Delfin-Shows und Delfin-Importe nach Intervention deutscher Tierschützer mit EU-Abgeordneten stoppen? Eklat bei Zoobesuch in Athen

Pressemitteilung   •   Mai 11, 2018 07:00 CEST

Spontan-Demo vor dem griechischen Parlament in Athen (v.r.: Jürgen Ortmüller (WDSF), Andreas Morlok (ProWal), Stefan B. Eck (EU-Parlament) mit Tierschützern

Die beiden deutschen Tierschutzorganisationen ProWal aus Radolfzell und das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hatten am vergangenen Sonntag zusammen mit dem Panhellenischen Tierschutz- und Umweltverband und dem EU-Abgeordneten Stefan B. Eck eine Demonstration mit rund 80 Tierfreunden vor dem Attica Zoo mit seinem Delfinarium in Athen veranstaltet.

Zum Eklat kam es bereits ein Tag zuvor, als der ProWal-Geschäftsführer, Andreas Morlok, der zuvor kritisch über das Delfinarium im Attica Zoo mit Bild- und Videomaterial berichtet hatte, bei einem Besuch aus dem Zoo verwiesen wurde. Der EU-Abgeordnete Stefan B. Eck durfte mit seiner Assistentin Sandra Gabriel und dem WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller die Delfin-Show inspizieren.

Der Athener Zoodirektor Jean-Jacques Lesueur und der Delfintrainer Robert Gojceta beantworteten der Abordnung bereitwillig Fragen zu ihrer Definhaltung. Laut ProWal sei das vom Zoo angebotene und angebliche „Bildungsprogramm mit Delfinen“ in den kleinen Betonbecken nichts anderes als eine getarnte Show, bei der das zahlende Publikum unterhalten werden soll. Solch eine Show, bei der Tiere in öffentlichen Anlagen verwendet werden, sei jedoch laut griechischem Gesetz (4039/2012, Art. 12) strikt verboten, so ProWal. Der Zoodirektor behauptete jedoch, dass dieses Gesetz nur für Zirkusse gilt, jedoch nicht für seinen Zoo.

Lesueur wolle das Delfinarium sofort schließen, wenn er eine Möglichkeit sehen würde, die sieben Delfine in seinem Zoo in eine betreute Meeresbucht abzugeben, sagte er dem WDSF-Geschäftsführer. Auf eine Nachzucht wolle Lesueur auf jeden Fall verzichten. Da die sieben Delfine in dem Zoodelfinarium aus unterschiedlichen Herkunftsländer stammten, sei jedoch ein sofortiger Transfer nicht möglich, zumal Delfine in ihren ursprünglichen Meeresbereichen ihrer Herkunft wieder ausgewildert werden müssten und es dort derzeit keine entsprechenden Sanktuarien gebe, so Lesueur.

ProWal und WDSF fordern von der Delfinarienindustrie bereits seit mehr als zehn Jahren, betreute Meeresbuchten für die Rückführung der Delfine bei Delfinarienschließungen zu schaffen, zumal nach etwa 60 Schließungen in West-Europa in den letzten Jahren die restlichen 30 Delfinarien übervoll mit Delfinen seien und die Zuchtbemühungen immer noch fortgesetzt würden.

Der EU-Abgeordnete Stefan B. Eck hatte am Montag, den 07. Mai 2018, im Rahmen der Delfinschutzinitiative von WDSF und ProWal ein Gespräch mit dem Landwirtschaftsminister Evangelos Apostolou und appellierte, dass Griechenland seine bereits vorhandenen Gesetze einhalten müsse.

Apostolou beauftragte im Beisein von Stefan Eck den als tierfreundlich einzustufenden griechischen Parlamentarier Giorgos Dimaras (Umweltausschuss), der an dem Treffen teilnahm, mit dem Entwurf eines Gesetzesvorschlags hinsichtlich einer neuen Regelung für Delfinarien in Griechenland. Der Gesetzentwurf soll direkt nach der Sommerpause im Parlament beraten werden, berichtet Stefan Eck nach Informationen aus gut informierten Kreisen.

Eck hatte gleichentags ein weiteres Treffen zusammen mit Giorgus Dimaras und anderen Parlamentsmitgliedern des griechischen Umweltausschuss, bei dem alle Aspekte nochmals eingehend vertieft wurden.

WDSF und ProWal hoffen, dass ihre Forderung Delfin-Shows zu verbieten und ein Importverbot von Delfinen nach Griechenland zu erlassen bei dem Gesetzesentwurf Berücksichtigung finden. Sie geben ebenso wie Eck zu bedenken, dass ein Boykott Griechenlands als Urlaubsdestination durch enttäuschte europäische Tierfreunde zu enormen Einnahmeverlusten in der für das Krisenland so wichtigen Tourismusbranche führen könnte.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: „Unsere Aktion in Griechenland zusammen mit den politischen Aktivitäten von Stefan Eck vom EU-Parlament war bisher ein sehr guter Erfolg der beispielhaft für andere europäische Länder sein kann und das werden wir forcieren. Die sensiblen Delfine gehören definitiv nicht in Gefangenschaft. Ein Importverbot von Delfinen wäre das mittelfristige Aus der Gefangenschaftshaltung in Griechenland.“

Das WDSF kooperiert international mit Wissenschaftlern, Politikern, anderen Organisationen und Wal- u. Delfinschützern. Das WDSF ist keine Mitglieder/Spenden-Organisation und unabhängig von anderen Institutionen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen die WDSF-Aktionen. Aufgrund des notariellen Gesellschaftsvertrages beziehen weder die WDSF-Geschäftsführung noch andere Personen Gehälter oder Zuwendungen. Der Verwaltungsaufwand ist daher äußerst gering. Das WDSF arbeitet in seinem Kuratorium ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern, Fachleuten, Wissenschaftlern und (Meeres-)Biologen zusammen.

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