Pressemitteilung —
c’t-Magazin: Crafting Apps im Test
Vibe-Coding klont Adobe-Software
Hannover, 16. Oktober 2026 – Mithilfe künstlicher Intelligenz gelangen einem Entwickler in nur zehn Tagen kostenlose Nachbauten bekannter Adobe-Programme. Europas führendes IT- und Technikmagazin c’t hat diese sogenannten Crafting Apps getestet. Für professionelle Arbeitsabläufe sind die Alternativen zu Photoshop & Co. noch kein Ersatz. Sie zeigen aber, wie stark KI die Softwareentwicklung beschleunigt.
Mit Unterstützung der KI-Umgebung Claude von Anthropic wurden in kurzer Zeit quelloffene Alternativen zu Adobes Kreativprogrammen entwickelt. Mittlerweile umfasst das ArtCraft-Projekt dreizehn Anwendungen, darunter Nachbauten von Photoshop, Lightroom und InDesign. Die Programme stehen kostenlos zum Download bereit. „Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie stark KI die Anfangsphase von Softwareprojekten beschleunigen kann“, erklärt c’t-Redakteur André Kramer. Mittels Vibe-Coding analysierte die KI Bedienoberflächen und Funktionen der Originalprogramme und schrieb den Code in der Programmiersprache Rust neu.
Im Test zeigten sich jedoch erhebliche Schwächen. PhotoCraft öffnet zwar Photoshop-Dokumente, stellt aber nicht alle Effekte korrekt dar. Besonders problematisch: Die Raw-Verarbeitung versagt. KI-Werkzeuge wie Adobes Generatives Füllen fehlen vollständig, ebenso Photoshop-Plug-ins von Drittanbietern. „Das Projekt selbst bezeichnet seinen Bildeditor als frühe Alpha und warnt davor, ihn als Photoshop-Ersatz zu betrachten“, so Kramer. Auch LightCraft enttäuschte bei der Raw-Entwicklung. Das Programm zeigt bei schwierigen Lichtverhältnissen oder Bildrauschen massive Schwächen, teilweise nur eingebettete Vorschaubilder.
Rechtlich bewegt sich ArtCraft in einer Grauzone. „ArtCraft darf durchaus Programme entwickeln, die ähnliche Aufgaben erfüllen wie Photoshop oder PowerPoint“, erläutert Kramer. Das Urheberrecht schütze die konkrete Ausgestaltung eines Programms, nicht aber dessen Ideen oder Verfahren.
Die Crafting Apps verdeutlichen einen größeren Trend: KI-Werkzeuge setzen etablierte Softwareanbieter unter Druck. Wenn KI-Agenten Aufgaben übernehmen, sinkt der Bedarf an Arbeitsplatzlizenzen. Die Branche spricht von SaaSpokalypse – einem Kofferwort aus Software as a Service und Apokalypse. Anbieter wie Salesforce reagieren, indem sie ihre Systeme für KI-Agenten öffnen und ergebnisorientierte Preismodelle statt Abrechnung pro Nutzer entwickeln.
„Für professionelle Arbeitsabläufe mit bestehenden Projektdateien, etwa in Agenturen, sind die getesteten Versionen allerdings kein verlässlicher Ersatz für die Originale“, warnt Kramer. Wer die Programme ausprobiere, solle nicht mit produktiven Daten arbeiten. Der Abstand zwischen professioneller, kostenpflichtiger Anwendung und Eigenentwicklung sei zwar dramatisch gesunken. „Ob daraus irgendwann reife Programme werden, darf man durchaus anzweifeln.“
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