Pressemitteilung -
c’t Magazin: Smartphone-Sucht bekämpfen
So entkommen Sie der digitalen Falle
Hannover, 2. April 2026 – Soziale Medien nutzen gezielt Suchtmechanismen, um Nutzer möglichst lange am Bildschirm zu halten. Europas größtes IT- und Technikmagazin c’t berichtet in Ausgabe 08/2026 über das Ausmaß des Problems und zeigt wirksame Gegenmaßnahmen: Abstand zum Gerät hilft besser als Zeitlimits, spezielle Apps zwingen zum Innehalten, und weniger Benachrichtigungen reduzieren nachweislich Stress.
Die Zahlen sind alarmierend: Ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen nutzt soziale Medien in der Grenzzone zur Sucht, 4,7 Prozent gelten als krankhaft abhängig. Das zeigt eine Studie der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. An einem normalen Wochentag verbringen die Befragten zweieinhalb Stunden in sozialen Netzwerken. Unter den Erwachsenen zeigen 15 Prozent typische Suchtanzeichen, ermittelte die Hochschule Macromedia.
Besonders gefährdet sind Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. In diesem Alter reagiert das Belohnungszentrum im Gehirn besonders stark, während das Kontrollzentrumfür Impulskontrolle erst mit Mitte zwanzig ausgereift ist. „Wie ein Auto mit viel PS und schwachen Bremsen”, beschreibt c’t-Redakteur Holger Bleich diese Schwachstelle, die Plattformbetreiber gezielt ausnutzen.
Die Tricks sind perfide: Endlos-Scrolling lädt automatisch neue Inhalte nach, Videos starten von selbst, Likes erscheinen unregelmäßig, und Push-Nachrichtenlocken Nutzer zurück. „Diese Mechanismen funktionieren wie Spielautomaten"”, erklärt Bleich. Unvorhersehbare Belohnungen lösen im Gehirn Glücksgefühleaus und halten die Nutzer bei der Stange.
Doch es gibt wirksame Gegenmittel. „Abstand zum Smartphone hilft oft besser als Zeitlimits”, rät c't-Redakteur Christian Wölbert. Studien belegen: Schon die bloße Anwesenheit des Geräts im Raum senkt die Konzentrationsfähigkeit. Wölbert empfiehlt, das Handy außer Sicht- und Reichweite zu legen. „Wer Nutzungsdauer und Häufigkeit spürbar senkt, widersteht auch in kritischen Momenten eher.”
Apps wie One Sec fordern vor dem Öffnen gesperrter Anwendungen zu einer Atemübungauf. „Das zwingt zum Innehalten und Nachdenken”, so Wölbert. AppBlocksperrt Apps und verlangt eine Bedenkzeit oder PIN-Eingabe. Beide Apps kosten zwischen 15 und 30 Euro im Jahr.
Auch Benachrichtigungen reduzieren hilft: Eine US-Studie zeigte, dass drei feste Zeitpunkte täglich für Push-Nachrichten den Stress deutlich senken. Unter Android und iOS lassen sich Ruhemodi einstellen, die das Display dimmen und nur wichtige Kontakte durchlassen. „Wer das Handy mit ins Schlafzimmer nimmt, schläft schlechter und ist morgens sofort wieder online”, warnt Wölbert.
Die EU-Kommission untersucht seit Februar 2024, ob TikTok durch sein Design gezielt Sucht erzeugt. Ein vorläufiger Bericht bestätigt: Es bestehen Risiken. TikTok droht eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes. Für Herbst 2026 plant die EU-Kommission ein neues Gesetz, das endloses Scrollen und Autoplay verbieten könnte.
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