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Basketball-Spieler

Pressemitteilung -

MIT Technology Review: Physik des Alltags

Forscher entschlüsseln Quietschen von Schuhen

Hannover, 27. Februar 2026 – Warum quietschen Basketballschuhe auf dem Parkett? Ein internationales Forschungsteam hat dieses Alltagsrätsel mit Spezialkamera und Mikrofon gelöst. Die Erkenntnisse könnten beim Entwickeln neuer Materialien helfen und zeigen überraschende Parallelen zu Erdbeben, berichtet MIT Technology Review online.

„Das Projekt begann mit einer einfachen Frage: Warum quietschen Basketballschuhe?", zitiert TR-Redakteurin Andrea Hoferichter Adel Djellouli aus dem Forscherteam von der Harvard University. Um Antworten zu finden, erstellte das Team einen Versuchsaufbau: Ein handelsüblicher Basketball-Sneaker wurde immer wieder im 45-Grad-Winkel auf eine Glasfläche geschoben. Das Ergebnis war ein hochfrequenter Ton bei etwa 4800 Hertz – vergleichbar mit einem sehr hohen Pfeifton.

Die Wissenschaftler filmten das Ganze durch das Glas hindurch mit einer Spezialkamera, die bis zu eine Million Bilder pro Sekunde aufzeichnet. Gleichzeitig nahm ein Mikrofon das Quietschen auf. So konnten die Forschenden genau sehen, wo Schuhsohle und Glas sich berührten. Helle Punkte im Bild zeigten die Kontaktstellen.

Die Auswertung zeigte, wann und wo genau die Verbindung zwischen Schuhprofil und Glas abriss und sich wieder schloss. Überraschend war das Tempo: Der Kontakt löst sich und schließt sich wieder mit mehr als 1.200 Kilometern pro Stunde – schneller als der Schall. Weil Bild und Ton die gleiche Frequenz hatten, sind die Forschenden sicher: Das schnelle Lösen und Schließen des Kontakts erzeugt das Quietschen.

In einem zweiten Versuch arbeitete das Team mit Gummiblöcken in verschiedenen Höhen. Glatte Blöcke erzeugten auf dem Glas nur unregelmäßige Geräusche – ein Rauschen ohne klaren Ton. Blöcke mit Rillen wie bei einem Schuhprofil hingegen erzeugten gleichmäßige Impulse. Das Ergebnis war ein klarer Ton. Die Rillenstruktur wirke wie ein Verstärker, der bestimmte Frequenzen bündelt, erklären die Forschenden.

Die Höhe des Gummiblocks bestimmte, wie hoch oder tief der Ton war: Höhere Blöcke erzeugten tiefere Töne. Mit diesem Wissen fertigten die Forschenden Blöcke für bestimmte Töne und quietschten damit an einer senkrechten Glasscheibe die Star-Wars-Titelmelodie.

„Die Erkenntnisse könnten beim Entwickeln neuer Materialien mit bestimmten Haft- und Gleiteigenschaften helfen”, erklärt Hoferichter. Auch für die Erdbebenforschung sind die Ergebnisse interessant. Bei Erdbeben verschieben sich Erdplatten gegeneinander, verhaken sich und lösen sich plötzlich wieder – ähnlich wie beim Quietschen. „Wir konnten zeigen, dass das Quietschen eines Sneakers sich genauso schnell ausbreiten kann wie der Bruch einer Erdspalte”, zitiert Hoferichter Samuel Rubinstein, Professor für Physik an der Hebrew University of Jerusalem. „Die Physik dahinter ist verblüffend ähnlich.”

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Die MIT Technology Review ist die deutsche Lizenzausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift, die seit 130 Jahren am weltberühmten Massachusetts Institute of Technology in Boston erscheint. Als unabhängiges wissenschaftsjournalistisches Medium hat es sich die Marke zur Aufgabe gemacht, wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Trends einem breiten Publikum zu vermitteln. MIT Technology Review gehört seit Januar 2024 zu yeebase media GmbH, einer Tochtergesellschaft von heise medien. Online-Artikel sind unter t3n zu lesen.

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