Pressemitteilung -
Ist Wohnraum für junge Menschen in Europa bezahlbar?
Ein neuer Bericht im Auftrag der EU-Kommission zeigt: Junge Menschen in Europa haben weiterhin große Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Gleichzeitig stellt der Bericht Lösungsansätze aus verschiedenen Ländern vor.
Viele junge Europäer*innen stehen vor großen Herausforderungen: Steigende Mieten und Immobilienpreise, ein Mangel an bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnraum sowie begrenzte finanzielle Mittel führen oft zu prekären Wohnverhältnissen – im Extremfall sogar zur Obdachlosigkeit.
Der neue YouthWiki-Bericht „Youth access to affordable and quality housing – a comparative analysis of national policies“ der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) gibt einen Überblick über die Situation in 34 europäischen Ländern. Im Fokus stehen politische Maßnahmen, die den Zugang zu bezahlbarem und qualitativ hochwertigem Wohnraum für junge Menschen fördern.
Zentrale Erkenntnisse:
1. Für fast ein Viertel der jungen Menschen in der EU gehört bezahlbarer Wohnraum zu den größten Sorgen. Besonders ausgeprägt ist die Sorge in Tschechien: Dort betrifft sie fast die Hälfte der jungen Menschen (47 %). Ähnlich ist die Situation in Deutschland, den Niederlanden und Slowenien, wo jeweils rund 30 % betroffen sind. Den niedrigsten Anteil verzeichnet Italien mit 8 %, gefolgt von Bulgarien und Frankreich.
2. Mehr als ein Drittel der jungen Menschen ist der Meinung, dass die EU mehr investieren sollte, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern und die Lebenshaltungskosten zu senken.
3. Die am weitesten verbreitete Maßnahme zur Prävention von Jugendobdachlosigkeit ist die Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden, Betreuungseinrichtungen und Wohnungsanbietern – darauf verweisen 17 Länder. Eine enge Abstimmung dieser Akteure ermöglicht koordinierte Hilfsangebote und eine bessere Unterstützung junger Menschen in prekären Lebenslagen.
4. In vielen europäischen Ländern gibt es keine Maßnahmen zur Unterstützung junger Menschen bei der Wohnungssuche. In elf Ländern werden Wohnkostenzuschüsse eingesetzt, um die Kosten für Mietwohnungen auf dem privaten Wohnungsmarkt zu senken und insbesondere einkommensschwächeren Gruppen den Zugang zu Wohnraum zu erleichtern. In fünf Ländern gibt es darüber hinaus Modelle der öffentlich unterstützten privaten Vermietung: Öffentliche Stellen vermitteln dabei – häufig leerstehende – private Wohnungen und bieten diese zu vergünstigten Mieten an.
5. Etwa die Hälfte der europäischen Länder hat Maßnahmen ergriffen, um jungen Menschen den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern.
Der Bericht der EACEA veranschaulicht – auf der Grundlage der vom YouthWiki-Netzwerk bereitgestellten Daten – die wichtigsten Formen der Wohnraumförderung für junge Menschen in Europa. Er bietet eine fundierte Grundlage für politische Entscheidungsträger*innen, Wissenschaftler*innen und Jugendorganisationen. Mit seinen Schlussfolgerungen leistet der Bericht einen Beitrag zur zukünftigen Ausgestaltung der Wohnungspolitik für junge Menschen und formuliert konkrete Ansatzpunkte für deren Weiterentwicklung.
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