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Moor-PV: Ökologische Folgen bisher kaum erforscht
Potenziale und naturschutzfachliche Wirkungen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Moorböden. BfN-Schriften 784
Moor-Photovoltaik soll Klimaschutz, Stromerzeugung und wirtschaftliche Nutzung verbinden. Eine neue BfN-Studie hat ermittelt, wie viel Moorfläche dafür bundesweit naturschutzfachlich überhaupt infrage kommt. Das Ergebnis: deutlich weniger als bisher angenommen. Die Publikation zeigt außerdem: Zu den ökologischen Folgen von Moor-PV ist bislang kaum etwas bekannt. Die Autorinnen und Autoren fordern rechtliche Nachschärfungen und mehr Forschung.
Rund 95 Prozent alle Moorflächen in Deutschland sind trockengelegt und verursachen etwa sieben Prozent aller deutschen Treibhausgasmissionen. Durch Wiedervernässung sollen diese Emissionen gestoppt werden. Das Problem: 70 Prozent der Flächen sind landwirtschaftlich genutzt. Eine Wiedervernässung bedeutet für die Betriebe meist das Ende der bisherigen Nutzung.
Moor-Photovoltaik (Moor-PV) soll dieses Dilemma lösen: Solarstrom auf wiedervernässten Flächen könnte Landwirtschaftsbetrieben ein Einkommen sichern und zugleich den Klimaschutz voranbringen. Seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2023 wird diese Kombination gezielt gefördert.
Die Technologie ist jedoch neu, Praxiserfahrungen fehlen weitgehend. Genau hier setzte das Forschungsvorhaben „Potenziale und naturschutzfachliche Wirkungen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Moorböden“ im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz an, dessen Ergebnisse nun publiziert wurden.
Wie viel Moorfläche ist in Deutschland naturschutzfachlich für Moor-PV überhaupt geeignet? Was ist über die ökologischen Auswirkungen solcher Anlagen bekannt? Und wie lässt sich eine naturverträgliche Ausgestaltung rechtlich und planerisch umsetzen? Diese und weitere Fragen wurden auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche untersucht. Ergänzend analysierten Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universität Greifswald die planungs- und naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen für Moor-PV.
Knapp 30 Prozent der Moorflächen sind geeignet
Die Analysen zeigen: Nur 28,6 Prozent der Moorbodenflächen kommen potenziell für Moor-PV infrage. Von den bundesweit 18.098 Quadratkilometern organischer Böden sind gut 60 Prozent aus fachrechtlichen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen, weitere 10 Prozent nur eingeschränkt prüfbar. Das Stromerzeugungspotenzial für Moor-PV fällt demnach deutlich niedriger aus als bisher angenommen: Die Studie beziffert es auf 129 bis 311 Gigawatt Peak.
Zu den ökologischen Folgen von Moor-PV ist allerdings kaum etwas bekannt. Die Literaturrecherche identifizierte 132 relevante Arbeiten weltweit, davon befassen sich nur 30 direkt mit Anlagen auf Moorböden. Die für belastbare Aussagen notwendigen Vergleiche zwischen dem Zustand vor und nach dem Anlagenbau fehlen fast durchgängig.
Auch der Rechtsrahmen weist Lücken auf. Aktuell gibt es kein gesetzliches Verbot, PV-Anlagen auf entwässerten Moorböden ohne Wiedervernässung zu errichten. Die Rahmenbedingungen für Wiedervernässung und Mehrfachnutzung sind unklar und für die rechtliche Steuerung der Vorhaben müssten Raumordnungs-, Bau- und Naturschutzrecht enger verzahnt werden.
Moor-PV nur mit Wiedervernässung
Die Autorinnen und Autoren plädieren für ein gesetzliches Verbot, PV-Anlagen auf trockengelegten Moorböden ohne begleitende Wiedervernässung zu errichten – idealerweise im Bundesnaturschutzgesetz. Solche Anlagen sollten außerdem von der EEG-Privilegierung ausgenommen werden. Auf Ebene der Raumordnung empfehlen sie, Vorrang- und Vorbehaltsgebiete stärker zu nutzen, um Moor-PV gezielt zu steuern und Nutzungskonflikte zu vermeiden. Für den sozioökonomischen Ausgleich schlagen sie unter anderem Bürgerbeteiligungsmodelle und eine bessere Honorierung von Ökosystemleistungen vor.
Für die Praxis heißt das: Moor-PV kann ein Baustein sein, um Wiedervernässung wirtschaftlich attraktiver zu machen – aber nur auf einem kleineren Flächenanteil als bisher angenommen, und nur mit klareren rechtlichen Leitplanken als heute vorhanden.
Besonders gravierend ist die dünne Forschungslage zu den ökologischen Auswirkungen: Wie die Anlagen Arten, Lebensräume und komplexe ökologische Wechselwirkungen beeinflussen, ist weitgehend unerforscht. Die Studie fordert deshalb langfristige, mindestens zehnjährige Begleitforschung, um belastbare Aussagen für künftige Genehmigungsverfahren zu ermöglichen.
Quelle: Mehl, D., Iwanowski, J., Zeimet, T., Degen, B., Mehl, C., Breznikar, A., Schlacke, S., Linde, E., Plattner, D. & Erdmann, G. (2026): Potenziale und naturschutzfachliche Wirkungen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Moorböden. BfN-Schriften 784. Bundesamt für Naturschutz, Bonn. 508 S.