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Hokkaidō: Eine Reise in Japans ungezähmten Norden

Hokkaidō, die nördlichste der japanischen Hauptinseln, war für mich immer ein Rätsel. Klar, Sapporo hat diesen kosmopolitischen Vibe, der sich gut in den Rest Japans einfügt. Aber sobald man die Hauptstadt verlässt, taucht man sofort in die spektakuläre Natur der Insel ein. Genau das war mein Ziel für diese Reise: raus aus der Stadt und rein in die wilde Seite von Hokkaidō.

Mein Eindruck? Ganz ehrlich: Hokkaidō ist einfach anders. Vergiss die Tempel und Schreine, die sonst das Bild von Japan prägen. Hokkaidō war über viele Jahrzehnte hinweg ein Grenzland. Die Geschichte dreht sich nicht um Kaiser oder Shogune, sondern um Pioniere, die sich in einer rauen Landschaft ein Leben aufgebaut haben. Das erinnert eher an den amerikanischen Westen als an Tokio oder Kyōto. Was mich aber wirklich gepackt hat, ist die tiefe Verbindung zwischen den Menschen hier und der unberührten Natur. Eine Beziehung, die die indigene Ainu-Kultur über Jahrhunderte gepflegt hat. Für die Ainu sind Seen, Berge und Wälder nicht einfach nur schön, sie sind heilig. Und je mehr ich erkundete, desto mehr verstand ich das.

Meine Route führte mich vor allem an der Ostküste der Insel entlang, einer Gegend, in der die Natur das Sagen hat. Die kleinen Regionalzüge sind zwar charmant, aber die beste Möglichkeit, Ost-Hokkaidō zu entdecken, ist mit dem Auto. Ein Wagen in Japan zu mieten ist einfacher und günstiger, als man denkt. Und ganz ehrlich, nichts kommt an das Gefühl heran, durch diese weiten Landschaften zu fahren, ohne ein einziges anderes Auto zu sehen.

Nach der Landung am Flughafen Memanbetsu und dem Abholen meines Mietwagens ging es direkt zur Shiretoko-Halbinsel. Der Großteil der Halbinsel ist UNESCO-Weltnaturerbe und bleibt daher weitgehend unberührt. Viele Touren erfordern einen Guide. Am ersten Abend schloss ich mich einer Night Safari an, die mich zum ersten Mal in die Halbinsel führte. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete, als ich in den kleinen Van stieg, aber war schnell beeindruckt, wie viele Tiere unser Guide mit seiner Taschenlampe entdecken konnte.

Während wir durch die Dunkelheit fuhren, hielten wir Ausschau nach Braunbären, Ezo-Hirschen, Rotfüchsen und sogar Eulen, die still in den Bäumen saßen. Glücklicherweise sahen wir einen Bären nur aus sicherer Entfernung, hoch oben von einer Brücke. Alle anderen Tiere konnten wir ganz nah beobachten, was für mich der perfekte Einstieg in die Tierwelt von Shiretoko war. Und dann die Landschaft: Der Mond tauchte die Shiretoko-Bergkette in silbernes Licht, ihre Silhouetten zeichneten sich klar gegen den Nachthimmel ab. Unberührt, wild und voller Leben – eine Seite von Hokkaidō, die die meisten Reisenden nie zu Gesicht bekommen.Mein Hotel für die Nacht war das KIKI Shiretoko Natural Resort, das Komfort mit einem Interieur verbindet, das der Natur der Region Tribut zollt. Neben dem Onsen hat mich vor allem das riesige Buffet begeistert, alles aus lokalen Zutaten.

Am nächsten Morgen wollte ich weiter erkunden und fuhr zu einem der bekanntesten Orte Shiretokos: den Shiretoko-Goko-Seen. Fünf Seen, umgeben von Urwald, die man entweder allein oder mit Guide erkunden kann. Es gibt einen 3 km langen Rundweg am Boden oder einen 800 m langen erhöhten Holzsteg, der auch dann sicher ist, wenn Bären in der Nähe sind. Unterwegs lohnt es sich, nach Spuren von Wildtieren Ausschau zu halten. Dazu gehören Kratzspuren von Bären oder Löcher, die Spechte in die Bäume gehackt haben. Solche Zeichen erinnern ständig daran, dass die wahren Bewohner Shiretokos nie weit entfernt sind.

Am Nachmittag ging es weiter zum Akan-See, einem Ort, an dem die Ainu-Kultur noch lebendig ist. Über hundert Ainu leben hier und teilen ihre Traditionen in Museen und Handwerksläden im Lake Akan Ainu Kotan. Kotan bedeutet Dorf oder Siedlung in der Ainu Sprache. Ein Spaziergang durch das Kotan fühlte sich an wie eine Reise in eine andere Welt. Ich sah traditionelle Rituale, Alltagsgegenstände und beeindruckende Kunstwerke von Handwerkern, deren Familien seit Generationen hier leben. Um die Natur der Gegend besser zu verstehen, kann ich die geführte Waldtour nur empfehlen. Der Guide erklärte nicht nur Flora und Fauna bis ins kleinste Detail, sondern half mir auch zu verstehen, warum dieses Land als heilig gilt.

Ein Highlight? Die Schlammvulkane. Diese seltsamen Formationen blubbern mit heißem Schlamm, der durch unterirdisches Thermalwasser erhitzt wird, manchmal bis zu 100 °C. Und wer weiter nach Norden fährt, findet den aktiven Vulkan Mount Io, der noch dampft und nach Schwefel riecht. Diese Naturwunder sind nicht nur geologische Kuriositäten, sondern Teil von Ainu-Legenden, die seit Jahrhunderten erzählt werden.

Für meine Übernachtung wählte ich das Tsuruga Akan Yuku no Sato, ein traditionelles japanisches Onsen-Resort. Die heißen Quellen und Spa-Angebote waren wenig überraschend das Highlight. Nach einem Tag voller Entdeckungen gibt es nichts Besseres, um zu entspannen.

Schließlich ging es weiter zum Kushiro-Shitsugen-Nationalpark, dem größten Feuchtgebiet Japans. Dieses riesige, wilde Gebiet ist ein Rückzugsort für viele Tierarten. Dazu gehört auch der ikonische Mandschurenkranich, ein gefährdeter Vogel, der heute als Symbol für Hokkaidō gilt. Die beste Art, die Gegend zu erkunden? Mit dem Kanu. Zu Fuß ist das Moor schwer zugänglich, aber beim Paddeln auf den gewundenen Flüssen hat man die Natur hautnah vor sich. Es war ruhig, friedlich und fühlte sich an, als wäre ich in eine verborgene Welt eingetaucht.

Nach Tagen im wilden Osten Hokkaidōs beendete ich meine Reise in Sapporo, was natürlich einen ganz anderer Vibe bietet. Zurück in der Großstadt war es angenehm, durch die Tanukikoji Shopping Street zu schlendern, eine der ältesten Einkaufsstraßen Hokkaidōs. Die Straße ist fast 900 Meter lang und beherbergt rund 200 Geschäfte. Perfekt, um lokale Handwerkskunst zu entdecken, Souvenirs zu kaufen oder einfach die lebendige Atmosphäre unter dem überdachten Gang zu genießen.

Von dort ging es weiter in die sogenannte Chikaho, eine riesige unterirdische Fußgängerzone, die den Bahnhof Sapporo mit der Innenstadt verbindet und sich bis ins Nachtleben-Viertel Susukino erstreckt. Es ist weit mehr als nur ein Durchgang. Die Chikaho ist ein echter Treffpunkt mit Kunstinstallationen, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und vielen Sitzgelegenheiten. Angesichts der Schneemengen im Winter macht es absolut Sinn, dass die Stadtplaner dieses unterirdische Netzwerk gebaut haben. Ebenfalls im Zentrum liegt der riesige Odori-Park, der sich durch die Stadt zieht und für saisonale Events wie das Sommer-Bierfest und das Winter-Schneefestival bekannt ist.

Zum Abschluss wollte ich etwas wirklich Besonderes ausprobieren und das Restaurant Nouvelle Pousse Okurayama war genau das Richtige. Es liegt im historischen Okurayama-Skisprungstadion, wo Weltklasse-Athleten antreten. Nouvelle Pousse kombiniert französische Kochtechniken mit der feinen japanischen Küche. Jedes Gericht feiert die saisonalen Schätze Hokkaidōs, von frischem Fisch bis zu hochwertigem Rindfleisch, und bringt die natürlichen Aromen perfekt zur Geltung. Dazu kommt die spektakuläre Aussicht auf die beleuchtete Skyline von Sapporo, die mir Zeit zum Nachdenken über meine Reise gab. Egal ob mit dem Auto, das nur etwa 20 Minuten vom Zentrum entfernt ist, oder bequem mit U-Bahn und Bus – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Meine letzte Nacht verbrachte ich im neu eröffneten InterContinental Sapporo. Das Hotel, das im Oktober 2025 eröffnet wurde, verbindet Hokkaidōs natürliche Schönheit mit urbanem Komfort, ein perfektes Finale für eine unvergessliche Reise. Egal, ob man Natur und Outdoor-Aktivitäten liebt, Wellness in Form von Onsen sucht oder kulinarische Highlights genießen möchte, Hokkaidō wird jeden glücklich machen. Die Insel hat eine völlig andere Atmosphäre als der Rest Japans, und ich kann es kaum erwarten, zurückzukehren.

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