Skip to main content

Menschen bleiben Menschen II

Blog-Eintrag   •   Okt 27, 2015 10:41 CET

Effizienter, intelligenter, flexibler sollen Produktion und Dienstleistungen in Zukunft werden. Doch wo bleibt der Mensch? Diese Frage haben wir versucht, im ersten Teil unseres Artikels “Menschen bleiben Menschen” zu beantworten. Denn: Wenn es ums Thema Arbeit der Zukunft geht, sollte es in erster Linie um Menschen gehen. Auf dieser Grundlage hatten wir bereits fünf Zukunftsvisionen formuliert – unsere Wünsche und Prognosen, basierend auf einer langjährigen Erfahrung als Kommunikationsunternehmen und Erfinder eines typischen Produkts für die Arbeit der Zukunft.

In diesem Artikel führen wir unsere “Wish-Liste” weiter und ergänzen sie um fünf weitere Visionen. Ausgegangen sind wir, wie beim letzten Mal, von der Frage, wie die Arbeit der Zukunft unbedingt nicht aussehen soll, nämlich von diesem brillanten argentinischen Kurzfilm von Santiago Bou Grasso und Patricio Plaza:


Hier unsere weitere fünf Visionen auf dem Weg nach einer besseren Arbeitswelt:

Vision 6:
Problemlösungskompetenz statt Faktenwissen

Gute Bildung wird auch in Zukunft sehr wichtig sein, allerdings keine, die auf reinem Faktenwissen beruht. Gute Bildung wird zukünftig viel mehr aus analytischen Fähigkeiten und Kreativität statt aus Wissen bestehen. Gefragt wird zum Beispiel eine hohe Problemlösungskompetenz sein, mit der man für viele Branchen gut gewappnet ist. Datenbasierte Entscheidungsfindung (Computational Thinking) wird auch eine extrem wichtige Rolle im Portfolio spielen. Große Mengen an Daten zu erfassen, verstehen zu können und daraus schlussendlich Entscheidungen abzuleiten ist schon heute wichtig, Tendenz steigend. Der kompetente Umgang mit riesigen Datenmengen erfordert einige Übung, daher ist es im Interesse von Arbeitnehmern, schon heute komplexe Daten möglichst zu systematisieren und den Umgang damit zu trainieren.


Vision 7:
Sinn statt Gehalt

Heute werden in Unternehmen Stellen geschaffen und dann passende Stelleninhaber gesucht. Morgen werden hingegen Leute gesucht werden, die zum Unternehmen passen, und um sie herum Tätigkeitsprofile nach ihren Fähigkeiten gebaut. Die Vorzeichen für diese Entwicklung sind schon lange da: Viele von uns Berufstätigen wollen nicht mehr “Stelleninhaber” sein, sondern suchen mehr – Sinn, Einflussnahme und Spaß bei der Arbeit. Unternehmen werden bald nicht mehr anders können, als sich besser auf die Befindlichkeiten der Nachwuchskräfte einzustellen. Und zwar dringend: Denn fast 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben laut einer Studie der Managementberatung Towers Watson Schwierigkeiten, sogenannte High Potentials zu gewinnen, also besonders für Führungsaufgaben geeignete Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel kämpfen demnach mit Schwierigkeiten, sie auch zu halten. Der Wettbewerb für die besten Arbeitskräfte ist bereits schon lange eröffnet. Gewinnen wird man aber in Zukunft nicht – wie bisher – mit Geld.


Vision 8:

Wohlfühlen statt Siezen

Distanziertes Siezen unter Kollegen war gestern. Die Arbeitsatmosphäre der Zukunft wird viel familiärer sein – wie in einer WG, in der jeder so sein darf, wie er ist. Die boomende Start-up-Szene hat bereits eine neue Seite der Unternehmensführung als Quelle kreativer Ideen entdeckt – das Feel-Good-Management. Schon heute beschäftigen einige Unternehmen sonnig gelaunte Wohlfühlmanager, ein neuer HR-Job. Sie nehmen Wünsche, Sorgen und Rückmeldungen auf, organisieren gezielte Gesprächsrunden zwischen Mitarbeitern, tägliches Joggen oder sogar Lunchlotterien und Zombienächte auf Wunsch. Die Idee dahinter: Arbeit soll sich nicht wie Arbeit anfühlen, denn nur dann werden richtig gute Idee geboren. Mit Wohlfühl-Aktionen wird man in Zukunft die begehrten Fachkräfte ködern und halten. Denn: wenn man sich geschätzt fühlt, arbeitet man effizienter. Wohlfühlen, Respekt und Spaß sind ausschlaggebende Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg - eine Win-Win-Idee, die die zukünftigen Unternehmen besser nutzen werden als die heutigen (hoffentlich).


Vision 9:
Netzwerke statt Hierarchien

Organisationen werden sich in Zukunft nicht mehr entlang von Organigrammen strukturieren. Stattdessen werden alle mit allen zusammen und auf einem Level arbeiten – für ein Ziel und ohne starre Hierarchien. Noch mehr: Zukünftig werden auch Unternehmen verstärkt miteinander kooperieren. Verschiedene Arbeitsprozesse werden zwischen Unternehmen geteilt, um Ressourcen zu sparen. Dadurch werden Arbeitsplätze ohne klare organisatorische Zugehörigkeit sowie Produkte und Dienstleistungen ohne eindeutigen Anbieter entstehen. Hinter Marken und Logos werden sich also oft mehrere Unternehmen und komplexe Strukturen verstecken, die viel mehr als ein Netzwerk statt als eine klassische, lineare Hierarchie funktionieren.


Vision 10:
Grün statt farblos

In Zukunft werden Unternehmen in einem grünen Arbeitsumfeld existieren müssen, in der soziale Verantwortung groß geschrieben wird. Sie werden zunehmend erkennen, dass sich gesellschaftliches Engagement lohnt: Energieeffizienz, Klima- und Ressourcenschutz, Nachhaltigkeit, innovative Weiterbildungsmodelle für Mitarbeiter und Verbesserung bei deren Sozial- und Gesundheitsvorsorge bedeuten neben Imagegewinn und der Bindung von Mitarbeitern auch ökonomische Vorteile. Die Corporate Social Responsibility (CSR) wird für komplett neue Geschäftsmodelle sorgen – eine Neuorientierung der Kerngeschäfte auf Nachhaltigkeit, die sowohl im Inland, als auch im Ausland deutlich über gesetzliche Vorgaben hinausgehen. Für die Mitarbeiter stehen eine gesunde Work-Life-Balance und ethische Werte im Mittelpunkt; die Höhe der Vergütung wird eher zweitranig. 

In diesem Sinne: Liebe Zukunft, bitte komm schneller!

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Kommentar