Pressemitteilung —
Präventiv Dürrefolgen mindern >>> Beitrag der biodynamischen Landwirtschaft zum Umgang mit Trockenheit
Goetheanum, Dornach, Schweiz, 27. August 2026
Dürre setzt Landwirtschaft weltweit unter Druck. Durch Hitzewellen und ausbleibende Niederschläge trocknen die Böden aus, Kulturen sind gefährdet. Biodynamische Landwirtschaft kann zwar die Rahmenbedingungen nicht kurzfristig ändern, doch hat sie Erfahrungen mit Schattenbildung sowie Aufbau von Humus zum Speichern von Wasser und von Resilienz von Pflanzen und Tieren.
«Aus Erfahrung und wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Agrarökologie, ökologischer Landbau und biodynamische Landwirtschaft dazu beitragen können, die Auswirkungen extremer Wetterereignisse abzumildern.» So Martin Quantin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, Schweiz. Der Agraringenieur nennt als eine Grundmaßnahme die Diversifizierung landwirtschaftlicher Systeme. Damit meint er die Kombination beispielsweise von Ackerbau, Tierhaltung, Obstbau und Gemüsebau sowie naturnahen Elementen wie Hecken, Wiesen, Teichen und Feldgehölzen. Martin Quantin veranschaulicht dies anhand von Bäumen: «Bäume spenden empfindlichen Kulturen und Nutztieren Schatten und mindern die austrocknende Wirkung des Windes. Baumwurzeln erschließen unterschiedliche Bodenschichten und verbessern so die Wasserspeicherung und die Stabilität des Bodens.»
Mit dem Boden weist er auf einen zweiten Faktor hin. «Durch Förderung von Humusbildung entstehen stabile Bodenaggregate, die Erosion entgegenwirken, sowie ein poröses Gefüge, das Wasser effizient speichern und im Boden verteilen kann. Zudem unterstützt biologisch aktiver Humus Böden mit einer reichen Mikroorganismenwelt.» Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass biodynamische Bewirtschaftung Widerstandskraft und Vitalität der Böden stärke – insbesondere in schwierigen Jahren – und damit die Grundlage für widerstandsfähige Kulturen schaffe.
Ein Beispiel ist der biodynamische Katzhof im luzernischen Richenthal, Schweiz. Hier gilt: Wasser speichern, Vielfalt und lebendige Böden fördern sowie Regenwasser in Speicherbecken leiten. Diese werden während Trockenperioden für Gemüsebau und Baumkulturen genutzt. Betriebsleiter Markus Schwegler hat damit gute Erfahrungen gemacht, hält aber auch fest: «Das beste Wassermanagement hilft nichts, wenn das Wasser fehlt. Wir brauchen Regen.»
Die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum bereitet derzeit das Projekt ‹Biodynamics meets Agroforestry› vor. Bis 2030 wird evaluiert, welchen Beitrag eine baumbasierte biodynamische Landwirtschaft in der kleinbäuerlichen Subsistenzwirtschaft zu Klimaresilienz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Ernährungssicherheit, Einkommen und Lebensqualität womöglich leistet. Das Projekt umfasst zunächst Partnerinstitutionen in Ägypten und Kenia. Die Co-Leitung des Projekts liegt bei der Doktorandin Fatma Abosamra (Betreuung Ägypten) und Gaudenz Hurter (Betreuung Kenia sowie weiterer Partner in Afrika und Europa).
Martin Quantin betont: «Die Verantwortung für diesen Wandel kann nicht allein den Landwirtinnen und Landwirten übertragen werden. Forschung, Bildung, Politik, Wirtschaft, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Gesamtgesellschaft stehen genauso in der Pflicht, eine resiliente Agrarökologie zu entwickeln, die auch unter unsicheren Bedingungen die Produktion gesunder Lebensmittel ermöglicht.»
(3247 Zeichen/Sebastian Jüngel)
Übersicht Studien Martin Quantin: Klimaresiliente Landwirtschaft – wie sind klimaresiliente Agrarökosysteme möglich? Web
Zum Katzhof, Kanton Luzern, Schweiz Patrick Schellenberg: Mit Innovation gegen die grosse Trockenheit Web
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