Pressemitteilung —
Hephata: Ausbildungs- und Integrationsprojekt stärkt die Pflege
Die Hephata Soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) und die Hephata-Akademie für soziale Berufe haben eine bislang einzigartige Kooperation gegen den Fachkräftemangel in der Pflege gestartet: 57 Auszubildende aus Marokko absolvieren aktuell die generalistische Pflege- und Pflegehilfe-Ausbildung in Schwalmstadt und der Region.
Die theoretische Ausbildung findet zum weitaus größten Teil an der Hephata-Akademie für soziale Berufe statt. Trägerin der praktischen Ausbildung ist die hsde und zu einem kleinen Teil auch das Diakonie-Zentrum Frielendorf, ebenfalls eine Tochtergesellschaft der Hephata Diakonie. Die hsde betreibt fünf Seniorenzentren sowie zwei ambulante Pflegedienste in den Landkreisen Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg. Insgesamt arbeiten hier 104 Pflege-Auszubildende.
Umfassendes Integrationskonzept
„Die Integration und Ausbildung internationaler Auszubildender kann ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sein, wenn Integration konsequent mitgedacht und gelebt wird“, sagt Oliver Pappert, Geschäftsführer der hsde. Begleitet wird die Ausbildung deshalb von einem umfassenden Integrationskonzept, das die beiden Kooperationspartner auf die Beine gestellt haben. „Die jungen Menschen sind nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland gekommen. Sie sollen hier ankommen, ihr eigenes Leben aufbauen und eine berufliche Zukunft entwickeln können. Dazu gehört, Unterschiede zwischen den Kulturen kennenzulernen, zu verstehen und gemeinsam gute Wege im Alltag zu finden.“
Kooperationspartner vor Ort
Grundlage des Projekts ist die enge Zusammenarbeit zwischen der hsde, der Hephata-Akademie für soziale Berufe und einer Sprachenschule in Fès, einer Großstadt im Nordosten Marokkos. Der Kontakt nach Fès kam über eine Fachkräfte-Agentur zustande. Oliver Pappert führte vor Ort selbst die Bewerbungsgespräche: Von 40 Bewerber*innen erhielten im ersten Jahrgang zehn Frauen und zehn Männer im Alter zwischen 19 und 32 Jahren einen Ausbildungsplatz. Davon sind heute noch 16 dabei, die ersten werden im September ihre Ausbildung abschließen und dann auch bei der hsde bleiben. „Alle Auszubildenden verfügen über das marokkanische Abitur, viele hatten zuvor bereits Praktika im Gesundheitswesen absolviert, einige auch eine Ausbildung begonnen oder ein Studium aufgenommen. In der Sprachenschule hatten sie die deutsche Sprache bereits auf dem Niveau B2 erlernt“, sagt Oliver Pappert. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen fanden im Oktober 2024 und 2025 zusätzliche Bewerbungsgespräche statt, nach denen weitere 41 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag erhielten.
Soziale Begleitung
In Schwalmstadt und der Region werden die Auszubildenden vom Team der hsde eng begleitet: mit sprachlicher Förderung, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Hilfen im Umgang mit Behörden und dem deutschen Gesundheitssystem sowie praktischer Unterstützung im Alltag, etwa bei der Einrichtung der Wohnung oder der Nutzung digitaler Plattformen. Oliver Pappert und sein Team holen die neuen Auszubildenden am Flughafen ab und stehen bei Problemen fast rund um die Uhr zur Verfügung.
„Wenn Integration auf allen Ebenen gelingen soll, bedarf es nicht nur einer fachlichen, sondern auch einer menschlichen Unterstützung. Ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Kultur, weit weg von Familie und Freunden, da ist das Heimweh in den ersten Monaten fast schon vorprogrammiert“, so Oliver Pappert. Deswegen seien verlässliche Ansprechpartner*innen extrem wichtig. „Es ist ein Erfolg, wenn sich neben der beruflichen Perspektive auch die persönliche entwickelt. Einer unserer Auszubildenden spielt Fußball in Wasenberg und ist mittlerweile ein fester Teil des Teams. Das ist toll zu sehen!“, so Pappert.
Herausforderungen gemeistert
Das sieht auch Monica Girardi, Abteilungsleiterin der Pflegeschule an der Hephata-Akademie für soziale Berufe, so: „Erst galt es, sprachliche Hürden zu überwinden und sich mit den Besonderheiten der Pflegeausbildung sowie den beruflichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Deutschland vertraut zu machen. Dank ihres hohen Engagements und ihrer Lernbereitschaft, haben die Auszubildenden diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert und sich gut in Schule und Praxis integriert.“ Besonders beeindruckt ist Monica Girardi von der sprachlichen Entwicklung der Auszubildenden: „Die Deutschkenntnisse waren bereits bei der Ankunft auf einem guten Niveau. Die Fortschritte, die wir seitdem im Unterricht und in den Praxiseinsätzen erleben, sind bemerkenswert. Die Auszubildenden meistern die hohen sprachlichen und fachlichen Anforderungen der generalistischen Pflegeausbildung mit großem Engagement.“
Auszeichnung mit Gütesiegel
Das zeigt sich auch in der Auszeichnung der Seniorenwohnanlage Wiesenhof der hsde in Neustadt mit zwei Integrationssternen. Dabei handelt es sich um das Gütesiegel „Interkulturelle Vielfalt LEBEN“, das der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Universitätsstadt Marburg gemeinsam vergeben. Das Siegel zeichnet Betriebe für ihr Engagement in der Integration und interkulturellen Vielfalt am Arbeitsplatz aus.
Die hsde und die Hephata-Akademie wollen das Projekt weiter ausbauen. Oliver Pappert: „Die erfolgreiche Fachkräftegewinnung ist mehr als die Besetzung offener Stellen. Sie gelingt dort, wo Ausbildung, Integration und persönliche Begleitung Hand in Hand gehen – und wo junge Menschen die Chance erhalten, in ihrer neuen Umgebung anzukommen und eine berufliche Zukunft aufzubauen.“
BU: Houda El Bouyadi (20, links) und Ilias Hajji (20) sind Auszubildende der generalistischen Pflegeausbildung im Projekt der Hephata-Akademie für soziale Berufe und der hsde. Sie begleiten Bewohnerin Helga Nienkemper (85) auf einem Spaziergang im Garten des hsde-Seniorenzentrums Treysa in der Breslauer Straße. (Foto: Hephata Diakonie / Melanie Schmitt).
BU I: Freuen sich über den Erfolg des Projektes: Rania Elmoudi, Einrichtungsleiter Martin Fladung, Fatima Ezzahra Hamdach, Othmane Besnane, Praxisanleiterin Janet Wittich-Birkelbach, Vorsitzender des Heimbeirates Wolfgang Stein, Houda El Bouyadi, Ilias Hajji, Pflegedienst-Leitung Lena Nierlich und Geschäftsführer Oliver Pappert (von links). (Foto: Hephata Diakonie / Melanie Schmitt).
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Hephata engagiert sich als diakonisches Unternehmen seit 1901 in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins für Menschen, die Unterstützung brauchen, gleich welchen Alters, Glaubens oder welcher Nationalität. Wir sind Mitglied im Diakonischen Werk. Hinter unserem Unternehmensnamen steht ein biblisches Hoffnungsbild: während Jesus einen Mann heilt, der taub und stumm ist, spricht er das Wort „Hephata“. (Markus 7, 32-37)
In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.
Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.
Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.
Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.