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3 Fragen an Dr. Christoph Gatzen

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3 Fragen an Dr. Christoph Gatzen

Gibt es eine „One-Size-Fits-All“-Lösung für Klimaneutralität im Gebäudebestand?

Nein. Es gibt in Deutschland ca. 18 Mio. Wohngebäude mit knapp 40 Mio. Wohneinheiten und knapp vier Milliarden Quadratmeter Wohnraum. Dabei sind die Versorgungsaufgaben in den Gebäuden so unterschiedlich wie ihre Bewohner. Es gibt große/kleine, alte/neue, gut und schlecht gedämmte Häuser für Ein-, Zwei- oder mehrere Familien in Städten und auf dem Land, mit und ohne Gasnetzanschluss, im Eigentum oder vermietet und sie werden bewohnt von Menschen mit hohem oder niedrigem Einkommen. Diese unterschiedlichen Versorgungsaufgaben können und sollten auch mit unterschiedlichen Wärmelösungen adressiert werden.

Wie kann Wasserstoff dabei helfen, die Wärmewende voranzubringen?

Die Ziele des Klimagesetzes aus dem Juni dieses Jahres sind ambitioniert – Klimaneutralität bis 2045. Da muss auch der Wärmesektor schnell seinen Beitrag leisten. Hierbei können wir nicht nur auf „Elektrifizierung“ setzen, sondern wir benötigen alle verfügbaren Möglichkeiten, um überhaupt eine Chance zu haben, unsere Ziele zu erreichen, also: grüne Elektronen, grüne Moleküle und verbesserte Energieeffizienz. Von heute in Deutschland verbauten rund 18 Mio. Heizungen laufen ca. 50% auf Erdgasbasis, 30% auf Heizölbasis und gut 5% auf Strombasis. Die restlichen 15% sind gas- oder kohlebefeuerte Fernwärme, Holzpellets oder Kohleheizungen. Das heißt: heute basiert unser Heizsystem im Gebäudebestand zu gut 90% auf fossilen Molekülen und nur zu 5% auf grünen Elektronen, die in ca. 1 Mio. Wärmepumpen zum Einsatz kommen, d.h. 17 Mio. Heizungen von den 18 Mio. Heizungen sind heute keine Wärmepumpen!

Sprechen wir nicht genug über die Herausforderungen für das Handwerk bei der Dekarbonisierung im Wärmemarkt?

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist ebenso wie die Elektrifizierung und die Nutzung der grünen Gase Wasserstoff, Biomethan oder Synthetisches Methan (SNG) ein wichtiger Baustein der Wärmewende. Die historischen Sanierungsraten liegen bei ca. 1%/a. Sie sollen nach dem zentralen Zielszenario des BMWI langfristig auf ca. 2.5 bis 3.5%/a (Vollsanierungsäquivalente) ansteigen. Ich sehe hierbei den Handwerkermangel als eine zentrale Herausforderung und bin sehr skeptisch, dass wir die gesetzten Zielsanierungsraten wirklich erreichen können. Es müssen ja nicht nur Häuser von Fensterbauern und Dachdeckern saniert werden, es müssen ja auch Wärmepumpen von Elektrikern angeschlossen und Stromnetze von Ingenieuren geplant und Erdbaufachkräften ausgebaut werden. Ich habe aktuell selbst bei Sanierungsraten von unter 1% nicht den Eindruck, dass sich das Fachhandwerk in Deutschland langweilt… Hinzu kommen Nachwuchsprobleme im Handwerk sowie auch weitere ganz praktische Restriktionen wie das Alter der Bauherren (ältere Menschen sind sehr zögerlich, ihr Haus noch umzubauen) oder auch die Frage der Kosten-/Nutzenaufteilung zwischen Mieter und Vermieter. In Summe glaube ich, dass wir die weitere Elektrifizierung und Sanierung brauchen, dass wir es aber ohne zusätzliche Beiträge durch grüne Moleküle nicht hinbekommen werden. Dafür benötigen wir auch weiterhin in vielen Regionen unsere Gasverteilnetzinfrastrukturen. Die Gaswelt wird bunter – es wird dann unterschiedliche Mischungen von klimaneutralen Gasen aus mittelfristig noch konventionellem Erdgas und wachsender Bedeutung von Wasserstoff, SNG und Biomethan geben.

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Pressekontakte

Selina Stolzenbach

Selina Stolzenbach

Pressekontakt Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 030 4606015-86

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