Pressemitteilung —
Gründen ohne Bankkredit – wie junge Handwerker mit Gebrauchtem durchstarten
Wer heute einen Handwerksbetrieb gründet, hört von der Bank oft denselben Satz: "Kommen Sie wieder, wenn Sie zwei Jahre Umsatz vorweisen können." Gleichzeitig suchen Kunden in ganz Deutschland verzweifelt nach Tischlern, Metallbauern und Installateuren. Zwischen diesen beiden Realitäten hat sich eine neue Gründergeneration eingerichtet – pragmatisch, sparsam und erstaunlich erfolgreich.
Der Meisterbrief ist da, das Kapital nicht
Jonas, 29, hat seinen Meister im Metallbau vor drei Jahren gemacht. "Ich hätte für eine komplett neue Werkstatt rund 180.000 Euro gebraucht", erzählt er. "Das war schlicht unrealistisch." Also rechnete er anders: Welche Maschine brauche ich wirklich ab dem ersten Tag – und welche kann warten?
Das Ergebnis war eine Liste mit genau vier Positionen: eine Bandsäge, eine Säulenbohrmaschine, ein Schweißgerät und eine Kantbank. Alles gebraucht, alles aus Betriebsauflösungen. Gesamtkosten: knapp 23.000 Euro. "Die Kantbank ist älter als ich", lacht er. "Aber sie kantet exakt."
Warum alte Maschinen oft die besseren sind
Was für Außenstehende nach Notlösung klingt, ist in vielen Gewerken längst Kalkül. Industriemaschinen aus den 1990er- und 2000er-Jahren sind häufig massiver gebaut, mechanisch einfacher und lassen sich ohne Spezialsoftware reparieren. Ersatzteile gibt es oft noch vom Hersteller oder aus dem Netz.
Gründer, die Industriemaschinen gebraucht kaufen, achten deshalb weniger auf das Baujahr als auf drei Dinge: Wartungsnachweise, Zustand der Führungen und Lager sowie die Frage, ob ein Techniker in der Region die Maschine kennt. Ein Probelauf vor Ort ist Pflicht – wer ihn auslassen muss, sollte zumindest ein Video vom Maschinenlauf verlangen.
Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: Gebrauchte Maschinen verlieren kaum noch an Wert. Wer nach drei Jahren auf ein größeres Modell umsteigt, verkauft die alte oft zum fast gleichen Preis weiter.
Die Werkstatt auf Rädern
Die zweite große Investition ist das Fahrzeug – und hier zeigt sich, wie unterschiedlich Gewerke ticken. Dachdecker, Zimmerer und Garten- und Landschaftsbauer schwören auf die offene Ladefläche. Gerade am Anfang reicht ein solider Pritschenwagen gebraucht oft völlig aus: Latten, Kies, Gerüstteile, Grünschnitt – alles lässt sich von drei Seiten beladen, und niemand muss sich Gedanken über zerkratzte Innenverkleidungen machen.
Wichtig beim Kauf: Rost an Rahmen und Bordwandscharnieren prüfen, die Kupplung testen und einen Blick in die Wartungshistorie werfen. Ein Transporter mit 200.000 Kilometern und lückenlosem Scheckheft ist oft die bessere Wahl als einer mit 90.000 Kilometern und unbekannter Vergangenheit.
Der Pick-up als Allrounder
Marie, 31, Garten- und Landschaftsbauerin aus dem Allgäu, ging einen anderen Weg. "Ich brauchte etwas, das unter der Woche Erde und Pflanzen transportiert und am Wochenende nicht wie ein Firmenwagen aussieht." Sie entschied sich für einen gebrauchten Pick-up mit Allrad – und fand ihn über die Pick-ups bei Truck1, wo sie Angebote aus mehreren Ländern vergleichen konnte.
Der Vorteil: Ein Pick-up ist Zugfahrzeug für den Anhänger mit dem Minibagger, Transportfahrzeug für Material und kommt auch auf matschige Baustellen. Steuerlich wird er in vielen Fällen als Nutzfahrzeug eingestuft – ein Punkt, den man vorab mit dem Steuerberater klären sollte.
Was die Gründer anders machen
Wer mit jungen Handwerksgründern spricht, hört immer wieder ähnliche Regeln:
- Erst Aufträge, dann Maschinen. Gekauft wird, was ein konkreter Auftrag verlangt – nicht, was vielleicht irgendwann nützlich sein könnte.
- Leasing nur für das, was schnell veraltet. Laptops und Software ja, Kantbank nein.
- Netzwerk statt Neuware. Viele Maschinen stammen von älteren Meistern, die ihren Betrieb aufgeben und froh sind, wenn ihr Werkzeug weiterarbeitet.
Jonas hat inzwischen zwei Angestellte und überlegt, eine CNC-Plasmaschneidanlage anzuschaffen. Natürlich gebraucht. "Der beste Kredit", sagt er, "ist der, den man nicht braucht."
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