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Drei Fragen an Dr. Klaus Altfeld, OGE
Die Open Grid Europe (OGE) betreibt eines der größten Fernleitungsnetze für Gas in Europa. Mit rund 12.000 Kilometern Leitungslänge sorgt das Unternehmen für den Transport von Erdgas quer durch Deutschland und schafft zugleich die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Hochlauf von Wasserstoff und CO₂-Transport. Im Interview erläutert Dr. Klaus Altfeld, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung, Kommunikation und Politik bei der OGE, welche Rolle Gas heute für die Versorgungssicherheit spielt, wie der Aufbau eines funktionierenden Wasserstoffmarktes gelingen kann und warum beim CO₂-Infrastrukturausbau vor allem eines entscheidend ist: kluges De-Risking, um Investitionen überhaupt möglich zu machen.
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Angesichts geopolitischer Krisen und volatiler Energiemärkte: Welche strategische Rolle spielt Erdgas heute für die Versorgungssicherheit in Deutschland – und wie trägt OGE als Netzbetreiber dazu bei, Stabilität im System zu gewährleisten?
Erdgas ist ein zentraler Pfeiler der Energieversorgung in Deutschland. Es deckt mehr als ein Viertel des Primärenergieverbrauchs ab und sichert die Versorgung von Haushalten, Industrie und Stromerzeugung. In einem System mit zunehmend volatiler Erneuerbaren Erzeugung fungiert Erdgas als Anker für die Netzstabilität und ergänzt den Strommix optimal. Als Netzbetreiber transportiert OGE über sein rund 12.000 km langes Netz einen wesentlichen Anteil des Erdgasbedarfs und arbeitet zudem eng mit Speicherbetreibern zusammen, um einen resilienten Gasfluss jederzeit zu gewährleisten. Unser Transportnetz ist damit ein zentrales Flexibilisierungsinstrument, das es ermöglicht, sich an vielfältige Anforderungen im Energiemix anzupassen. Damit diese Rolle auch künftig zukunftssicher bleibt, setzt sich OGE jedoch für eine investitionsfreundliche Regulierung ein – etwa bei NEST, um Transportkapazitäten für LNG-Terminals, Nord Süd Transporte sowie neue Gaskraftwerke auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts zu sichern.
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Der politische Rahmen für das Wasserstoff Kernnetz ist gesetzt. Was braucht es aus Ihrer Sicht nun, damit aus gebauter Infrastruktur auch ein tragfähiger Wasserstoffmarkt entsteht?
Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft benötigt eine zuverlässige Infrastruktur als Grundlage. OGE baut dafür gemeinsam mit anderen Fernleitungsnetzbetreibern das Wasserstoff‑Kernnetz auf, um künftig Wasserstoffmengen zu transportieren. Damit dieses Projekt ein Erfolg für den Wirtschaftsstandort wird und weitere Investitionen in den anschließenden Ausbau der Infrastruktur anzieht, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen – entlang der gesamten Wasserstoff‑Wertschöpfungskette. Mit der Etablierung des Amortisationskontos für das H₂‑Kernnetz ist ein erster wichtiger Schritt gelungen, um initiale Investitionen in das Netz auszulösen. Gleichzeitig gilt aber: Die aktuellen Konditionen – insbesondere mit Blick auf den Selbstbehalt sowie ein ausgewogenes Risiko‑Rendite‑Profil, auch im Vergleich zu anderen Infrastrukturen – sind verbesserungswürdig. OGE setzt sich daher dafür ein, dass die politischen Weichen entsprechend richtig gestellt werden. Denn nur so kann es gelingen, dass auf Basis der gebauten Infrastruktur ein wettbewerbsfähiger Wasserstoffmarkt entsteht, der sowohl der Dekarbonisierung als auch dem industriellen Wachstum dient.
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Beim Aufbau von CO₂-Transportinfrastruktur geht es um neue Netze unter hoher Unsicherheit. Warum ist De-Risking aus Ihrer Sicht entscheidend, um Investitionen zu ermöglichen und den Hochlauf tatsächlich umzusetzen?
Wir wissen: Die dritte Säule der industriellen Dekarbonisierung in Deutschland und Europa heißt – neben Wasserstoff und erneuerbaren Energien – Carbon Management. Ziel von OGE ist es, Industrien mit schwer vermeidbaren sowie unvermeidbaren Emissionen, z. B. in der Zement und Kalkindustrie, durch pipelinegebundene CO₂-Transportkorridore bei der Dekarbonisierung zu unterstützen. Dafür schaffen wir bereits heute Fakten und gehen – im Übrigen ohne verlässliche politische Zusagen zur Risikoabsicherung unserer Investitionen – in finanzielle Vorleistungen, etwa für Raumverträglichkeitsprüfungen. Gleichzeitig stellen wir fest: Carbon Management ist zwar politisch gewollt, um die Netto Null Ziele zu erreichen. Dennoch bestehen nach wie vor erhebliche politische Unsicherheiten, die den Aufbau eines CO₂-Marktes erschweren. Dazu zählen insbesondere die bislang ungeklärten Fragen der Absicherung sowie der Finanzierung, etwa der Transportinfrastruktur. Aus Sicht von OGE braucht es daher ein staatliches De-Risking beim Aufbau der Infrastruktur, um die notwendigen privaten Investitionen zu mobilisieren. Nur so kann mit dem Netz – das vor dem Hochlauf des CO₂-Marktes verfügbar sein muss – die Grundlage geschaffen werden, damit eine Carbon Management Wertschöpfungskette im Sinne von Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherung entstehen kann.