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Drei Fragen an Friedrich Rosenstock, Fluxys Deutschland

Die Fluxys Deutschland GmbH gehört zu 100 Prozent zur internationalen Fluxys-Gruppe und ist an den Gaspipelines NEL, EUGAL und OAL beteiligt. Damit ist das Unternehmen eng in den europäischen Gastransport eingebunden. Mit internationaler Expertise und engem Kundenkontakt unterstützt das Unternehmen die Versorgung des deutschen Gasmarkts und angrenzender europäischer Märkte und trägt zur Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur bei. Im Interview erläutert Geschäftsführer Friedrich Rosenstock, wie Fluxys Deutschland Herausforderungen im Energiemarkt begegnet und welche Rolle das Unternehmen im Kontext von Wasserstoff- und CO₂-Infrastruktur einnimmt.

  1. Welche Rolle spielt Fluxys Deutschland beim Aufbau der Infrastruktur für Wasserstoff und CO₂?

    Wasserstoff und CO₂ stehen im Zentrum unserer Strategie. Im Wasserstoff-Kernnetz sind wir mit einem Teilabschnitt der EUGAL-Pipeline, die Deutschland an das tschechische Netz anbindet, der Fluxys-Beteiligung an OGE sowie dem deutsch-belgischen Korridor vertreten. Zudem engagieren wir uns als Mitglied von H2Global für die Diversifizierung der deutschen Wasserstoffversorgung und prüfen mit Partnern einen jüngst als PCI/PMI gelisteten Importkorridor aus Nordafrika über Italien und die Schweiz bis nach Süddeutschland. Bei CO₂ verfolgen wir einen anderen Ansatz: Wir planen zurzeit keine eigenen Leitungen in Deutschland, sondern setzen auf gewachsene Partnerschaften. Gemeinsam mit OGE planen wir eine Pipeline, die deutsche Industrieunternehmen mit dem belgischen Zeebrugge verbindet. Von dort erhalten sie Zugang zu dauerhaften CO₂-Speicherlösungen in der Nordsee, etwa in Norwegen oder dem Vereinigten Königreich.
  2. Wo liegen aktuell die größten praktischen Hürden beim Umbau der bestehenden Gasinfrastruktur auf Wasserstoff?

    Rund 60 Prozent des Kernnetzes sollen aus umgestellten Erdgasleitungen bestehen. Wo immer möglich, ist die Umwidmung bestehender Infrastruktur der Königsweg. Gleichzeitig verläuft der Wasserstoff-Hochlauf insgesamt langsamer als erhofft. Die Gründe sind hohe Kosten, zögerliche Nachfrage, komplexe EU-Anforderungen und insgesamt unattraktive Investitionsbedingungen. Wenn wir das Kernnetz wie geplant realisieren wollen, müssen wir die Finanzierungsbedingungen für Netzbetreiber verbessern und den europäischen Rahmen pragmatischer gestalten. Nur so kriegen wir die Rohre voll.
  3. Wie wichtig ist die europäische Abstimmung beim Aufbau von Wasserstoff- und CO₂-Infrastruktur?

    Sie ist entscheidend, denn Energieflüsse enden nicht an nationalen Grenzen. Gerade Fluxys entwickelt grenzüberschreitende Projekte, die die Wettbewerbsfähigkeit und die klimaneutrale Transformation der europäischen Industrie unterstützen.

    Gleichzeitig darf Abstimmung nicht in Überregulierung münden. Oft sind privatwirtschaftliche Allianzen flexibler und handlungsfähiger als eine bis ins letzte Detail reichende Koordination. Das erleben wir täglich in der Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern. Was jetzt noch fehlt, sind die passenden Rahmenbedingungen in Markt und Politik – dann bringen wir unsere Projekte schon bald in die Praxis.

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