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Drei Fragen an Markus Mitteregger, RAG Austria

Wie wird erneuerbare Energie ganzjährig verfügbar? Die RAG Austria zeigt im „RAG Valley Gampern“, wie überschüssiger Sommerstrom in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und im Winter genutzt werden kann. Im Interview erklärt Markus Mitteregger, warum Elektrolyse und Gasspeicher zentral für Versorgungssicherheit sind – und welche Rahmenbedingungen es jetzt für den Hochlauf braucht.

  1. Anfang Juli gab es den Spatenstich für die Erweiterung der Elektrolyse-Kapazitäten in Gampern in Oberösterreich und noch in diesem Jahr soll die dann größte Elektrolyse-Anlage in Österreich in den Testbetrieb gehen. Was entsteht hier genau im RAG Valley Gampern?

    Im RAG Valley Gampern demonstriert RAG Austria bereits im vierten Jahr erfolgreich den saisonalen Energiekreislauf nach dem Prinzip „Die Sommersonne in den Winter bringen“. Dabei wird überschüssiger erneuerbarer Strom aus dem Sommer mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt. Dieser wird in unseren unterirdischen Sandstein-Porengaslagerstätten sicher gespeichert und bei Bedarf in einem INNIO Jenbacher Blockheizkraftwerk wieder in Strom und Wärme rückverwandelt – genau dann, wenn Energie benötigt wird.

    Mit dem nun begonnenen Ausbau setzen wir gemeinsam mit unserem Partner im Anlagenbau ANDRITZ den nächsten wichtigen Schritt: Erstmals wird dieses Modell eines nachhaltigen Energiesystems in einer ohne Förderungen errichteten 12,5 MW Elektrolyseanlage auf insgesamt 15 MW skaliert. Unser Ziel ist es, künftig keine Kilowattstunde überschüssiger Solarenergie im Sommer ungenutzt zu lassen. Elektrolysekapazitäten leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung und Flexibilisierung des Energiesystems.

    Gleichzeitig treiben wir die kommerzielle Umsetzung dieses Marktmodells voran. Es haben namhafte österreichische Energieversorger wie EVN, Energie AG, KELAG, LINZ AG und Salzburg AG erste Elektrolysekapazitäten gebucht. Dadurch können sie ihren Kundinnen und Kunden ermöglichen, im Sommer erzeugten und ins Netz eingespeisten grünen Strom saisonal zu speichern und im Winter wieder zu nutzen.

  2. Sie setzen auf die Kombination aus Elektrolyse und unterirdischer Speicherung. Warum ist das entscheidend für das Energiesystem der Zukunft?

    Eine rechnerische Jahresbilanz von 100 Prozent erneuerbarem Strom garantiert noch keine sichere Energieversorgung während der Wintermonate. Der vergangene Winter hat deutlich gezeigt, dass großvolumige Energiespeicher und flexible Kraftwerkskapazitäten unverzichtbar sind, um das Energiesystem auch in Zeiten geringer erneuerbarer Erzeugung zuverlässig aufrechtzuerhalten.

    Unsere Gasspeicher haben dabei ihre besondere Stärke bewiesen: Energie kann bereits Monate oder sogar Jahre im Voraus gespeichert und bei Bedarf unabhängig von kurzfristigen geopolitischen oder wetterbedingten Einflüssen bereitgestellt werden. Denn auch in Zukunft wird es Winter geben – und damit Phasen mit besonders hoher Energienachfrage und gleichzeitig geringer erneuerbarer Stromproduktion.

    Mit der zunehmenden Elektrifizierung durch Wärmepumpen, Elektromobilität und weitere Anwendungen steigt der Energie- und vor allem der Leistungsbedarf an kalten Wintertagen zusätzlich. Deshalb werden großvolumige Energiespeicher zum Rückgrat der Versorgungssicherheit. Heute erfüllen unsere unterirdischen Erdgasspeicher diese Funktion, künftig werden sie diese Rolle zunehmend auch für grünen Wasserstoff übernehmen. Die Kombination aus Elektrolyse und unterirdischer Speicherung ermöglicht es, erneuerbare Energie versorgungssicher und saisonal verfügbar zu machen – und schafft damit die Grundlage für ein resilientes, klimaneutrales Energiesystem.

  3. Was braucht es jetzt, damit Projekte wie Gampern in Europa skaliert werden können?

    Im europäischen Referenzprojekt EUH2STARS arbeiten wir mit Partnern aus Spanien, den Niederlanden, Polen, Österreich und Ungarn zusammen. Alle Beteiligten teilen die Überzeugung, dass die Energiewende nur mit großvolumigen, sicheren Speichern gelingen kann. Unsere unterirdischen Sandstein-Gaslagerstätten bieten dafür ideale Voraussetzungen.

    Technologisch sind wir bereit, die Produktion weiter auszubauen und bei entsprechendem Bedarf auch die Speicherkapazitäten zu erweitern. Entscheidend sind stabile und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Wasserstoffproduktion, -speicherung und -transport.

    Ein rascher Aufbau regionaler Wasserstoffcluster mit lokaler Produktion und Speicherung ist bereits heute möglich. Um diesen Hochlauf zu beschleunigen, braucht es jedoch gezielte regulatorische Anreize. Dazu zählen insbesondere Netzkostenbefreiungen für Elektrolyseanlagen sowie für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Elektrolyseanlagen entlasten das Stromsystem, indem sie überschüssige erneuerbare Energie aufnehmen und für die Nutzung im Winter speicherbar machen. Diesen systemischen Mehrwert gilt es auch regulatorisch anzuerkennen, da er auch volkswirtschaftlich durch die Reduktion von Winterimporten nach Österreich einen großen Beitrag leistet.

    Darüber hinaus sollte die Einspeisung von Wasserstoff in bestehende Gasnetze als wirksamer Beitrag zur Dekarbonisierung berücksichtigt werden. Ebenso wäre es sinnvoll, Mittel aus der CO₂-Bepreisung fossiler Energieträger gezielt für den Markthochlauf von grünem Wasserstoff und Elektrolyse-Dienstleistungen einzusetzen. So kann Wasserstoff schrittweise die Rolle fossiler Energieträger übernehmen und einen wesentlichen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz leisten.

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