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Karsten Schulz arbeitet heute als Hausmeister im Altenzentrum Hospital Bad Hersfeld. (Foto: Hephata Diakonie / Stefan Betzler)

Pressemitteilung

Hephata: Einmal Wohnpflegeheim und zurück

Keine Arbeit, kein Dach über dem Kopf, falsche Freunde und viel Alkohol. Für Karsten Schulz* (53) schien das Leben nur noch in die eine Richtung zu gehen. Mit Unterstützung der Sozialen Rehabilitation Hephatas in Breitenbach am Herzberg schaffte er die Wende. Heute lebt er mit seiner Freundin in einer Wohnung des Betreuten Wohnens und arbeitet im Altenzentrum Hospital Bad Hersfeld.

Karsten Schulz kommt aus Polen. Als er 15 Jahre alt ist, stirbt sein Vater an den Folgen einer Alkoholabhängigkeit, die Mutter ist schwer krank. Karsten Schulz kommt mit seinen Geschwistern in ein Kinderheim. Hier macht er seinen Schulabschluss, später eine Lehre als Mechaniker Bergbautechnik, heiratet und bekommt zwei Kinder. Doch die Ehe zerbricht, Schulz entscheidet sich 2006, in Deutschland neu anzufangen. Aber der Neustart misslingt. Er findet keine feste Arbeit und keine Wohnung, lebt schließlich auf der Straße und rutscht immer weiter ab.

Der Alkohol hinterlässt Spuren

„Ich habe um Essen und Trinken gebettelt. Ich habe ohne Geld auf der Straße gelebt, die Sprache nicht gesprochen, dann kam der Alkohol dazu“, erinnert sich der 53-Jährige. Der Alkohol macht nicht nur warm und das Leben scheinbar leichter, er richtet auch Schäden an. Bei Karsten Schulz löst er eine Epilepsie und eine Polyneuropathie aus, die zu einer Lähmung der Beine und zum Rollstuhl führt.

Der Sozialdienst im Krankenhaus kümmert sich schließlich darum, dass Karsten Schulz einen gesetzlichen Betreuer bekommt, dieser schlägt das Haus im Burggarten der Sozialen Rehabilitation Hephatas vor: Ein Wohnpflegeheim in Breitenbach am Herzberg. Es bietet Hilfe für Menschen über 18 Jahren, die aufgrund einer psychischen Erkrankung und/oder einer Abhängigkeitserkrankung pflegebedürftig ab Pflegegrad 3 sind.

Der Weg zurück ins Leben

Seit seinem Einzug vor elf Jahren trinkt Karsten Schulz keinen Alkohol mehr und hat seinem Leben eine Wendung gegeben: „Mein Gedanke war: Ich will irgendwann wieder ausziehen können und nicht ein Pflegefall bleiben. Ich will meine Normalität zurückbekommen.“ Mit viel Disziplin und Unterstützung kämpft er sich zurück. Erst kann er alleine sitzen, dann stehen, mit dem Rollator, mit einer Gehhilfe, nach anderthalb Jahren wieder ganz alleine gehen. Und er lernt im Haus im Burggarten seine Freundin kennen, mit der er mittlerweile in einer eigenen Wohnung im Betreuten Wohnen lebt.

„Ich habe damals gedacht: Ich will meine Kinder und Enkel wiedersehen. Es muss besser werden.“ Karsten Schulz nimmt anfangs an der Tagesstruktur in Haus im Burggarten teil, schafft dann den Sprung in die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM): Erst in der Schreinerei der Sozialen Rehabilitation in Breitenbach, dann in der Küche. Schließlich erhält er eine Betriebsintegrierte Beschäftigung (BiB) im Altenzentrum Hospital Bad Hersfeld. Hier arbeitet er nun seit dreieinhalb Jahren als Hausmeister, ist aber rechtlich weiter bei der WfbM angestellt und versichert.

Jobcoach Andrej Konradi, Mitarbeiter der Sozialen Rehabilitation, unterstützt ihn. Einmal in der Woche besucht er Karsten Schulz an der Arbeit: „Das ist schon ein toller Werdegang. Ich bekomme nur sehr gute Rückmeldungen zu seiner Arbeit. Das Altenzentrum möchte ihn nicht mehr missen.“

Unterstützung, Pflege und Arbeit haben vieles verbessert

Denn Klienten wie Karsten Schulz haben auch Potential für den Arbeitsmarkt. „Menschen mit Suchterkrankungen können häufig Fähigkeiten wieder aufbauen. Wir sehen auch die Aufgabe unseres Wohnpflegeheims darin, die Menschen so zu fördern, dass sie möglichst keine oder weniger Pflege brauchen. Dabei spielt Arbeit eine wichtige Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen wie Herr Schulz nicht nur Pflegeleistungen erhalten, um in einem Wohnpflegeheim leben zu können, sondern auch Eingliederungshilfe, um am Arbeitsleben teilhaben zu können“, sagt Kirsten Happel, Mitarbeiterin im Sozialdienst der Sozialen Rehabilitation.

Zwar seien Entwicklungen wie die von Karsten Schulz selten, „aber grundsätzlich ist unser Wohnpflegeheim kein Endbahnhof. Wir schauen individuell, was für Möglichkeiten die Menschen haben und wiedererlangen können.“

Karsten Schulz sagt: „Ich bewege mich viel, mache jeden Tag mehr als 10.000 Schritte an der Arbeit. Außerdem habe ich meine Sprachkenntnisse sehr verbessert und neue Freundschaften geschlossen. Das tut auch meiner Psyche gut. Die damalige Zeit im Haus im Burggarten und jetzt die Arbeit sind für mich ein Glücksfall.“

*Name von der Redaktion geändert

BU: Hephata Diakonie Karsten Schulz: Karsten Schulz arbeitet heute als Hausmeister im Altenzentrum Hospital Bad Hersfeld. (Foto: Hephata Diakonie / Stefan Betzler)

BU: Hephata Diakonie Karsten Schulz I: Andrej Konradi und Kirsten Happel haben Karsten Schulz (Mitte) auf seinem Weg zurück auf den allgemeinen Arbeitsmarkt begleitet und unterstützt. (Foto: Hephata Diakonie / Stefan Betzler)

BU: Hephata Diakonie Karsten Schulz II: Karsten Schulz arbeitet heute als Hausmeister im Altenzentrum Hospital Bad Hersfeld. (Foto: Hephata Diakonie / Stefan Betzler)

Hintergrund: Die Soziale Rehabilitation der Hephata Diakonie bietet individuelle Unterstützung und Pflege für Menschen mit psychischen Behinderungen und/oder Abhängigkeitserkrankungen. Dafür unterhält sie an 21 Standorten in Hessen und Bayern Wohnhäuser, Wohnpflegeheime, Betreutes Wohnen, Tagesstrukturen, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, zwei Fach-Kliniken und eine Jugend- und Drogenberatungsstelle.

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Hephata engagiert sich als diakonisches Unternehmen seit 1901 in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins für Menschen, die Unterstützung brauchen, gleich welchen Alters, Glaubens oder welcher Nationalität. Wir sind Mitglied im Diakonischen Werk. Hinter unserem Unternehmensnamen steht ein biblisches Hoffnungsbild: während Jesus einen Mann heilt, der taub und stumm ist, spricht er das Wort „Hephata“. (Markus 7, 32-37)

In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.

Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.

Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.

Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.

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