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Eröffnung des neuen Instituts für Angewandte Ethik: TRIANE

Pressemitteilung

Darf man Roboter treten?

Universität Trier eröffnet neues Institut für Angewandte Ethik.

Die Digitalisierung verändert Gesellschaft, Wissenschaft und Alltag grundlegend – und mit ihr entstehen neue ethische Fragen: Darf man einen Pflegeroboter beleidigen? Wer trägt Verantwortung bei Unfällen mit autonomen Fahrzeugen? Kann eine Künstliche Intelligenz für Falschinformationen haftbar gemacht werden? Und ist ein Sieg im Schach noch ein echter Sieg, wenn die Spielzüge von einer KI vorgeschlagen wurden?

Mit genau solchen Fragen beschäftigt sich das neu gegründete Trierer Institut für Angewandte Ethik (TRIANE), das jetzt an der Universität Trier offiziell eröffnet wurde. Ziel des Instituts ist es, ethische Herausforderungen der Gegenwart wissenschaftlich fundiert, interdisziplinär und gesellschaftsnah zu erforschen.

Den Festvortrag zur Eröffnung hielt Sven Nyholm, Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz und Principal Investigator für KI-Ethik am Munich Center for Machine Learning. Er machte deutlich, wie dringend ethische Orientierung in einer zunehmend digitalisierten Welt gebraucht wird.

Angewandte Ethik hat Tradition in Trier

Mit TRIANE knüpft die Universität Trier an eine langjährige Forschungstradition an. Über viele Jahre leitete Anselm Müller die „Forschungsstelle für aktuelle Fragen der Ethik“, deren Anliegen nun im neuen Institut in veränderter Gestalt weitergeführt werden.

In den Jahren 2022 bis 2025 bereitete ein von der Nikolaus Koch Stiftung finanziertes Projekt den Aufbau des Instituts vor. Mittlerweile unterstützt der Förderverein TRIANE die Arbeit des Instituts.

Die Gründung des Instituts reagiert auf eine Entwicklung, die Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen betrifft: Forschung wird zunehmend auch nach ethischen Kriterien bewertet.

Viele aktuelle Herausforderungen – etwa Digitalisierung, Gesundheitsversorgung oder Nachhaltigkeit – lassen sich zudem nur noch fachübergreifend beantworten. Das Institut wird daher von einem interdisziplinären Team geleitet; Sprecher ist der Philosoph Prof. Dr. Matthias Hoesch.

Interdisziplinäre Forschung zu Digitalisierung, Pflege und Nachhaltigkeit

TRIANE bündelt seine Arbeit in drei thematischen Schwerpunkten: Ethik für Pflege und Gesundheitsförderung, Ethik der Digitalisierung sowie den Bereich Ethik und Nachhaltigkeit.

Dafür arbeiten Forschende aus Philosophie, Pflegewissenschaft, Informatik, Rechtswissenschaft und weiteren Disziplinen eng zusammen. Diese fachübergreifende Struktur ist in Rheinland-Pfalz im Bereich der angewandten Ethik bislang einzigartig.

Bei der Eröffnungsfeier stellten Wissenschaftler & Wissenschaftlerinnen ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte vor. Prof. Dr. Stefan M. Schulz betonte, dass Pflege seit jeher ein Feld grundlegender ethischer Fragen sei – gegenwärtig gilt dies etwa mit Blick auf den zukünftigen Einsatz von Robotik in der Pflege. Die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Peters widmet sich unter anderem Fragen globaler Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und den Rechten naturbezogener Entitäten.

Der Informatiker und KI-Forscher Prof. Dr. Ingo J. Timm bezeichnete Künstliche Intelligenz als „Brandbeschleuniger“ gesellschaftlicher Entwicklungen, auf die Politik und Gesellschaft immer schneller reagieren müssten. Wie das geltende Recht moralische Standards der KI-Nutzung umsetzen soll, untersucht die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Lea Kumkar.

Auch Themen wie Altern und gesellschaftlicher Wandel stehen im Fokus: Dr. Nadine Mooren erforscht im Rahmen von TRIANE ethische Fragen rund um Alter und gesellschaftliche Teilhabe.

Menschliche Verantwortung im Zeitalter der KI

Das Institut versteht sich als unabhängige Plattform für Forschung und gesellschaftliche Orientierung. Gerade im Umgang mit Künstlicher Intelligenz brauche es, so die Forschenden, weiterhin menschliches Urteilsvermögen. KI könne dabei helfen, Informationen zu strukturieren oder Prinzipien sichtbar zu machen – moralische Verantwortung und ethische Bewertung blieben jedoch menschliche Aufgaben.

Zugleich seien viele ethische Probleme nicht isoliert zu betrachten. Fragen der Digitalisierung berühren oft zugleich Recht, Psychologie, Pflege oder Nachhaltigkeit. TRIANE möchte deshalb gezielt neue Verbindungen zwischen Disziplinen schaffen und Forschung zu komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen ermöglichen.

Workshops und neue Forschungsprojekte geplant

In den kommenden Jahren sollen Vortragsreihen, Workshops und Publikationsprojekte die Arbeit des Instituts prägen. Geplant sind unter anderem Veranstaltungen zu Künstlicher Intelligenz in der Reproduktionsmedizin sowie zum Einsatz von KI in der Psychotherapie – ein Thema mit besonderer Relevanz für den Wissenschaftsstandort Trier.

Langfristig will TRIANE wissenschaftlich fundierte und gesellschaftlich relevante Antworten auf die ethischen Fragen der Gegenwart entwickeln – und Trier als wichtigen Standort für interdisziplinäre Ethikforschung etablieren.

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