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Pressemitteilung

Ein echter Begegnungsraum für alle | Universitätsbibliothek Vechta als „Dritter Ort“ für Region und Campus

Die Universitätsbibliothek (UB) Vechta steht vor einer grundlegenden Transformation. Unterstützt durch das Regionalförderprogramm LEADER und in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Architekturbüro includi soll die klassische Informationsversorgungsstätte zu einem offenen Lern-, Begegnungs- und Aufenthaltszentrum für die gesamte Region entwickelt werden. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung am Dienstag haben die Verantwortlichen die gesellschaftliche Bedeutung physischer Begegnungsräume in den Fokus gerückt.

„Heute ist der Tag, an dem wir beginnen, die Bibliothek gemeinsam in einen Ort des Lernens, des Verweilens und der Begegnung zu verwandeln“, betonte Bibliotheksleiterin Dr. Karolin Bubke zur Eröffnung. Bereits vor drei Monaten hatte das Projekt die Zusage der LEADER-Region Vechta im Rathaus Lohne erhalten. Gefördert wird eine umfassende Konzeptstudie zur Neugestaltung des Bibliotheksgebäudes aus den 1980er-Jahren und des angegliederten Raums. Menschen aus der Universität und der Region haben die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse einzubringen und den zukünftigen Campus mitzugestalten. Das Vorhaben wird maßgeblich von der Universitätsgesellschaft Vechta mitgetragen.

Bubke unterstrich, dass die Transformation über den reinen Universitätskontext hinausreiche: „Wir wollten von Anfang an die Botschaft vermitteln, dass wir hier nicht nur etwas für die Universität bauen, sondern auch für die Region Vechta.“ Die modernisierte Bibliothek soll als Bildungszentrum und Ort des sozialen Zusammenhalts für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein. Viele Akteure aus den Kommunen und dem Landkreis stünden hinter dem Vorhaben. „Wir öffnen die Bibliothek als echten Begegnungsraum für alle.“

Die Stadtanthropologin Amy Goedhart vom Architekturbüro includi führte aus, warum physische Orte in der heutigen Zeit eine neue, kritische Rolle einnehmen. Sie zog einen Vergleich zur digitalen Welt: „Unsere Algorithmen sind so extrem persönlich geworden, dass wir selbst dann, wenn wir im selben Raum sitzen und auf unsere Bildschirme schauen, keine gemeinsamen Erfahrungen mehr teilen.“ Dies führe zu einem Verlust des gemeinschaftlichen Diskurses und lasse die Reibungspunkte des echten Lebens verschwinden. Genau diese „Reibung“ – die ungeplante Begegnung mit anderen Menschen und Ansichten – sei jedoch das Fundament für gegenseitiges Verständnis und eine funktionierende Demokratie. Physische Räume seien das wirksamste Gegenmittel.

Der anthropologische Ansatz von includi und dessen Gründer Aat Vos knüpft hierbei an das soziologische Konzept des „Dritten Ortes“ von Ray Oldenburg an. Menschen bräuchten demnach für ein ausgeglichenes Leben neben ihrem Zuhause (erster Ort) und der Arbeit (zweiter Ort) zwingend einen dritten, neutralen Raum für sozialen Austausch und Gemeinschaft. Goedhart stellte klar, dass ein echter Dritter Ort im 21. Jahrhundert strengen Kriterien genügen muss: Er muss radikal niedrigschwellig, barrierefrei und vor allem frei von Konsumzwang sein. „In einer Bibliothek wird man nicht als Konsument geschätzt, sondern als Mensch. Man muss nichts kaufen, man darf dort einfach existieren und sein“, so Goedhart. Im Gegensatz zu kommerziellen Treffpunkten wie Cafés oder Einkaufszentren bietet die Bibliothek einen neutralen Boden, auf dem soziale Hierarchien in den Hintergrund treten. Internationale Praxisbeispiele aus der Arbeit des Architekturbüros zeigen, dass Investitionen in solche sozialen Infrastrukturen messbare Erfolge erzielen: Sie bekämpfen Einsamkeit, fördern das Zugehörigkeitsgefühl und stärken nachhaltig das Vertrauen innerhalb einer Stadt- und Campusgesellschaft.

Auf die naheliegende Frage, warum die Menschen einen Ort aufsuchen sollten, der nicht direkt in der Vechtaer Stadtmitte liegt, lieferte Goedhart eine klare anthropologische Begründung: Gerade die Lage abseits des Zentrums ist kein Nachteil, sondern die größte Stärke des Projekts: Während die heutigen Innenstädte zunehmend von Konsum, Verkehr und Hektik geprägt sind, könne die Universitätsbibliothek eine Oase der Entschleunigung, des Wissensaustauschs und der Zusammenkunft sein.

„Es geht darum, einen Zielort zu schaffen“, erklärte Goedhart. Die Menschen kommen nicht zufällig im Vorbeigehen hierher, sondern sie kommen bewusst, um hier Zeit zu verbringen. Die UB Vechta bietet den Raum für eine neue Qualität des Miteinanders: Hier kann gelernt, gearbeitet, aber auch diskutiert, Kaffee getrunken, kreativ gearbeitet oder einfach nur verweilt werden. Es entsteht ein lebendiges Labor für gesellschaftliche Interaktion, in dem sich die Grenzen zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft auflösen.

Beteiligung erwünscht!

Die Auftaktveranstaltung markiert den Beginn einer intensiven, partizipativen Planungsphase. Goedhart betonte, dass ein Dritter Ort nicht am grünen Tisch geplant werden kann, sondern aus der Gemeinschaft heraus entstehen muss. Bereits in der kommenden Woche starten Workshops mit Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden und Interessierten aus der Region, um die konkreten Bedarfe und Ideen für die Raumgestaltung zu ermitteln.

Am Mittwoch, 24. Juni, findet zudem zwischen 10 und 14 Uhr ein offener „Walk-in Workshop“ im Forum vor der Universitätsbibliothek statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sowie Universitätsangehörige sind eingeladen, ohne Anmeldung vorbeizukommen und ihre Vorstellungen interaktiv und spielerisch einzubringen.

Auch gibt es eine entsprechende digitale Umfrage: https://includi.typeform.com/vechta








Bernd Meerpohl, Vorstandsvorsitzender der Universitätsgesellschaft Vechta, Vizepräsidentin Petra Brake, Vizepräsident Prof. Dr. Christopher Osterhaus, Amy Goedhart, Bibliotheksleiterin Dr. Karolin Bubke und Katharina Genn-Blümlein, Leiterin des Teams Marketing und Kommunikation der Universität Vechta.

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