Direkt zum Inhalt springen
Fachleute aus Land- und Forstwirtschaft, Beratung, Verwaltung und Naturschutz informieren sich beim Feldbegang auf dem Hof Schockemöhle über die Perspektiven und Herausforderungen von Agroforstsystemen. (Foto:Vera Schockemöhle/trafo:agrar)

Pressemitteilung —

Wenn Bäume Teil des Ackers werden | Feldbegang auf dem Hof Schockemöhle zeigt, wie Agroforstsysteme geplant, angelegt, bewirtschaftet und gefördert werden

Wie lassen sich Bäume sinnvoll in landwirtschaftliche Flächen integrieren? Welche Baumarten eignen sich dafür und was ist bei der Planung eines Agroforstsystems zu beachten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Feldbegangs „Bäume auf dem Acker – Agroforstsysteme in der Praxis“, der am 9. September auf dem Hof von Dr. Johanna Schockemöhle in Lohne stattfand. Veranstaltet wurde der Feldbegang im Rahmen des Verbundprojekts DigAForst in Kooperation mit dem Ortsverein Lohne des Kreislandvolkverbandes Vechta e. V.

Rund 50 Interessierte aus dem Landkreis Vechta nahmen an der Veranstaltung teil. Neben zahlreichen Landwirtinnen und Landwirten aus der Region waren auch Fachleute aus Forstwirtschaft, Beratung, Verwaltung und Naturschutz vertreten. Der Feldbegang bot ihnen die Gelegenheit, sich unmittelbar auf der Fläche über die Möglichkeiten und Herausforderungen von Agroforstsystemen (AFS) zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zu Beginn stellte Dr. Johanna Schockemöhle die beiden Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 auf ihrem Betrieb angelegten Wertholz- und Pappelsysteme vor. Direkt auf der Fläche berichtete sie von ihren bisherigen Erfahrungen und zeigte, wie Baumreihen mit insgesamt 15 verschiedenen Baum- und Straucharten beziehungsweise drei unterschiedlichen Pappelhybridsorten in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung integriert wurden. Dabei kamen auch praktische Fragen zur Beratung, Pflanzung, Pflege und Entwicklung der jungen Gehölze, zur späteren Verwendung des Holzes sowie zu den damit verbundenen Kosten zur Sprache.

Anschließend gab der Agroforstplaner Jan-Fritz Nierste von Landwandler Umweltberatungaus Berlin einen praxisnahen Einblick in die Planung von AFS. Anhand verschiedener Beispiele erläuterte er, wie Gehölze gezielt mit der landwirtschaftlichen Nutzung kombiniert werden können. Dabei stellte er unterschiedliche Ansätze vor: von schnell wachsenden Pappeln für die energetische oder stoffliche Nutzung bis hin zu langfristig ausgerichteten Wertholzsystemen. Entscheidend seien neben den Zielen des jeweiligen Betriebs insbesondere die betrieblichen Voraussetzungen, etwa die vorhandenen Maschinen und deren Arbeitsbreiten, die Standortbedingungen, die Anordnung und Ausrichtung der Gehölzstreifen unter Berücksichtigung des Bodenreliefs und der Wasserfließrichtungen, der personelle Aufwand für Bewirtschaftung und Pflege während der zwei- bis dreijährigen Etablierungsphase sowie die vorgesehenen Nutzungsmöglichkeiten der Bäume und des Holzes.

Der Feldbegang fand im Rahmen des Verbundprojekts DigAForst statt, das von trafo:agrar, der Koordinierungsstelle des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen an der Universität Vechta, initiiert und koordiniert wird. Neben dem Betrieb von Dr. Johanna Schockemöhle in Lohne beteiligt sich mit dem Hof von Frederik Langsenkamp in Belm ein weiterer landwirtschaftlicher Praxisbetrieb an dem Projekt. Auf beiden Betrieben werden AFS an unterschiedlichen Standorten unter Praxisbedingungen begleitet und untersucht.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert. Zu den Projektarbeiten gehören unter anderem die digitale Erfassung und dreidimensionale Kartierung der Gehölzbestände durch die Nature Robots GmbH aus Osnabrück, ihre ökologische und ökonomische Bewertung durch das Fachgebiet Landwirtschaftliche Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Osnabrück sowie die Erprobung neuer Möglichkeiten zur stofflichen Nutzung des anfallenden Holzes durch die Holzmühle Westerkamp GmbH aus Visbek.

„Der große Zuspruch zeigt, dass das Interesse an AFS auch in unserer Region wächst. Besonders wertvoll ist es, wenn die Möglichkeiten und Herausforderungen nicht nur theoretisch diskutiert, sondern unmittelbar auf einem landwirtschaftlichen Betrieb betrachtet werden können“, erklärt Beata Punte, Projektkoordinatorin bei trafo:agrar. „Agroforstwirtschaft ist nur eines von vielen Themen, die für die zukünftige Transformation der Landwirtschaft von Bedeutung sind. Wir möchten deshalb auch über diese Veranstaltung hinaus mit allen Interessierten im Gespräch bleiben und laden insbesondere die landwirtschaftliche Praxis dazu ein, mit aktuellen Fragestellungen, Herausforderungen und neuen Ideen auf trafo:agrar zuzukommen.“

Neben der fachlichen Information stand deshalb vor allem der gemeinsame Austausch im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, eigene Fragen einzubringen und sich über die betrieblichen Voraussetzungen, Fördermöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven von AFS auszutauschen.

Veranstaltungshinweis
Am 19. November 2026 findet bei der Holzmühle Westerkamp eine gemeinsame Fachtagung der Projekte PappelWERT und DigAForst statt. Die Veranstaltung richtet sich an Interessierte aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Beratung, Wissenschaft und Wirtschaft. Im Mittelpunkt stehen AFS mit Pappeln, deren wirtschaftliche Perspektiven und Möglichkeiten der stofflichen Nutzung sowie Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung werden in Kürze veröffentlicht.

Kontakt
Anjilie Stuke
trafo:agrar – Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen
c/o Universität Vechta
Telefon: +49 4441 15-645
E-Mail: anjilie.stuke@trafo-agrar.de
Webseite: https://trafo-agrar.de/projekte/aktuelle-projekt/digaforst

Kategorien

Regionen

Kontakt