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Die Vortragenden (v.l.): PD Dr. Veith Selk, Michael Otten und Dr. Sven Rößler

Pressemitteilung

Wissenschaft gegen Faschismus | Universität Vechta beleuchtet während Aktionstag Gefahren für die Demokratie

Mit drei wissenschaftlichen Vorträgen hat sich die Universität Vechta am bundesweiten Aktionstag „Wissenschaft gegen Faschismus“ beteiligt. Unter dem regionalen Titel „Demokratie unter Druck“ setzten sich Forschende der Universität vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten mit einem angeblichen Neutralitätsgebot, neurechter Beeinflussungen in der Jugendkultur und der Zukunft der demokratischen Ordnung auseinander.

Den Auftakt machte Dr. Sven Rößler, Verwalter der Universitäts-Professur Politikdidaktik. In seinem Eröffnungsvortrag räumte er mit dem weitverbreiteten „Gerücht der Neutralität“ in der Lehre auf. Anhand unter anderem einer historischen und quellenkritischen Analyse des sogenannten „Beutelsbacher Konsenses“ – den Leitlinien für den Politikunterricht – legte Rößler dar, dass in der fachdidaktischen Literatur nirgends von Wertneutralität die Rede sei.

Vielmehr basiere die Politische Bildung auf einer klaren Parteilichkeit für das demokratische System und die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger. Diese normative Zielsetzung sei eine direkte Lehre aus den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Verteidigung des grundgesetzlich verankerten Konsenses „Nie wieder!“ sei somit kein Verstoß gegen das Mäßigungsgebot, sondern für Lehrende und Forschende im Beamtenverhältnis sogar eine rechtliche Vorgabe.

Der Sachunterrichtsdidaktiker Michael Otten beleuchtete anschließend die Strategien neurechter Akteure, Einfluss auf Jugendliche zu nehmen. Im Fokus stand dabei die Aneignung von Hip-Hop und Rap, dem laut Otten derzeit größten Subgenre der Jugendkultur für rechte Akteure. Der Wissenschaftler demonstrierte anhand von Musikbeispielen, wie über populäre Rhythmen und moderne Ästhetiken zunächst subtil neurechte Narrative und Feindbilder transportiert werden, während oberflächlich der Unterhaltungscharakter dominiert.

In einem zweiten Schritt analysierte er explizit politisch konnotierte Songs, die sich an eine bereits ideologisch gefestigte Zielgruppe richten. Diese Musikstücke greifen Konzepte wie den „Ethnopluralismus“, die Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“ oder apokalyptische Zukunftsszenarien auf, um eine Untergangsstimmung zu erzeugen, die angeblich nur durch autoritäre Politik überwunden werden könne. In der anschließenden Diskussion äußerten sich viele Teilnehmende überrascht darüber, welche Bandbreite an demokratiefeindlichen Inhalten im Rahmen der Kunst- und Meinungsfreiheit verbreitet wird.

Zum Abschluss knüpfte PD Dr. Veith Selk, Verwalter der Universitätsprofessur Wissenschaft von der Politik, an die aktuelle Debatte über die Zukunft der Demokratie an. Angesichts historisch hoher Unzufriedenheitswerte mit den Regierenden und wachsender Zweifel an der Zukunftstauglichkeit liberaler Gesellschaftsordnungen ordnete Selk die aktuelle Forschungslage ein. Während ein Teil der Wissenschaft vor einer konkreten Wiederkehr des Faschismus warne, spreche ein anderer Teil von einer Veränderung der „politischen Großwetterlage“.

Selk nahm hierbei eine vermittelnde Position ein: Zwar sei mit einer Zunahme undemokratischer Politik zu rechnen, da sich die Rahmenbedingungen des Regierens weltweit verschlechtert hätten und das Vertrauen in demokratische Prozesse schwinde. Zugleich argumentierte er, dass der Begriff des Faschismus einer vergangenen Epoche entstammt und deshalb nur eingeschränkt hilfreich sei, um die politische Situation der heutigen Zeit zu begreifen. Der Vortrag mündete in eine intensive Diskussion im Plenum darüber, mit welchen neuen Konzepten den aktuellen Bedrohungen der Demokratie praktisch begegnet werden kann.

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