Direkt zum Inhalt springen
Banner für Interview mit Dr. Jael Bosman. Links ihr Porträt, rechts das Cover ihres Buches «Verrückte Tage» auf rosa

Blog-Eintrag

Dr. Jael Bosman im Interview

Im Verzeichnis des Portals PMDS-Hilfe.de sind Sie die einzige auf Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) spezialisierte Gynäkologin in Österreich. Was bewog Sie dazu, sich so intensiv mit dieser Erkrankung auseinanderzusetzen und darüber sogar ein Buch zu schreiben?

Ich behandele seit vielen Jahren Frauen, die mit ähnlichen prämenstruellen Symptomen zu mir kommen. Irgendwann erkannte ich darin ein Muster. Da diese Frauen an den Zyklustagen vor der Regelblutung insbesondere sehr unter psychischen Symptomen leiden, begann ich, mich damit intensiver zu beschäftigen. Anfangs fand ich kaum Informationen dazu. Ich arbeitete mich immer tiefer ins Thema ein, suchte in viele Richtungen nach therapeutischen Ansätzen, um diesen Frauen zu helfen.
Im Jahr 2018 lud mich der ORF als Expertin ein – und bot mir die erste Gelegenheit, um mein Thema PMDS in die Öffentlichkeit zu tragen. Nach weiteren Medienauftritten meldeten sich immer mehr Frauen aus ganz Österreich bei mir – es sprach sich herum, dass ich ein offenes Ohr für Frauen mit prämenstruellen Beschwerden habe. Und das ist genau das, was ich tue: Ich höre ihnen zu und spüre jedes Mal die Erleichterung der Frauen, wenn ihr Leiden einen Namen bekommt: PMDS. Und ich erlebe die noch größere Erleichterung der Frauen, wenn meine Behandlung anschlägt.
Doch ich wollte mehr tun, mehr betroffene Frauen – und ihre Partner:innen und Angehörige – erreichen, als es mir in meinen Sprechstunden möglich war.
Die Gelegenheit dazu bot sich mir, als ich im Dezember 2024 für den Standard interviewt wurde. Die Journalistin Doreen Brumme verstand sofort, warum mir die Behandlung der PMDS ein Herzensthema ist. Wir arbeiteten sehr gut zusammen und vom Interview zur Buchidee war es kein weiter Weg. Wir fanden mit Knaur Menssana (der trägt unser Thema ja schon im Namen!) einen sehr interessierten Verlag und wurden Co-Autorinnen.

Viele Frauen kennen das Prämenstruelle Syndrom (PMS), doch die PMDS ist weniger bekannt. Wie hängen die beiden zusammen und wie viele Frauen leiden jeweils an diesen Krankheiten?

Jede Frau spürt, dass sie ihre Tage bekommt. Ich kenne keine, bei der sich die Blutung nicht mit Beschwerden ankündigt. Oft sorgen diese für Unwohlsein. Von den 90 Prozent der Frauen, die sich an den Tagen vor den Tagen unwohl fühlen, leiden 20 bis 30 Prozent am Prämenstruellen Syndrom (PMS): Sie erleben zwei Wochen bis einige Tage vor der Regelblutung vor allem körperliche Beschwerden, beispielsweise Brustspannen und Kopfschmerzen. Auch psychische Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Depressionen treten auf.
Bis zu acht Prozent der menstruierenden Frauen leiden an einer schweren Form des PMS: der Prämenstruellen Dysphorischen Störung. Diese bringt den Frauen einerseits PMS-typische Symptome. Andererseits kommen erhebliche psychische Symptome hinzu, darunter eine hohe Gereiztheit und Reizbarkeit, Aggressionen sowie starke Stimmungsschwankungen bis hin zu schweren Depressionen.
Für die Diagnose und Behandlung der PMDS war es ein Meilenstein, als die Erkrankung im Jahr 2022 aus der „psychologischen Ecke“ der ICD geholt und als gynäkologische Erkrankung anerkannt und klassifiziert wurde.

Welche Botschaft möchten Sie (betroffenen) Frauen mit dem Buch mitgeben?

Mir ist sehr wichtig, zu vermitteln, dass prämenstruelle Beschwerden zwar zur Biologie des weiblichen Zyklus gehören, sie aber keineswegs als „normal“ hingenommen und klaglos ertragen werden müssen. Gegen PMS und PMDS gibt es wirksame Behandlungen.
Deshalb habe ich es zu meiner Mission gemacht, zu PMS und PMDS aufzuklären und den Leidensweg der betroffenen Frauen zu verkürzen. Auch das ist ein Grund, warum ich mein Buch geschrieben habe. Es klärt zu PMS und PMDS auf, weist Wege zu Diagnose und Behandlungen auf und bietet ganzheitlichen Rat zur Selbsthilfe.

Themen

Kategorien

Kontakt

  • Cover_Verrükte Tage_Bosman.jpg
    Lizenz:
    Nutzung in Medien
    Dateiformat:
    .jpg
    Dateigröße:
    1594 x 2480, 186 KB
    Download
  • Bosman_Interview.png
    Lizenz:
    Nutzung in Medien
    Dateiformat:
    .png
    Dateigröße:
    1920 x 1080, 1,68 MB
    Download