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Fahrermangel setzt die Mobilität in der Schweiz unter Druck: autonomes Fahren kann den Verkehr entlasten
Der Mangel an Fahrern bedroht den öffentlichen Verkehr und den Gütertransport in der Schweiz. Gleichzeitig steigt das Verkehrsaufkommen auf den Strassen. Laut Branchenexperten und Forscher kann eine autonome Technologie zum wichtigen Werkzeug werden – nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Ergänzung in einem unter Druck stehenden Transportsystem.
Die Schweiz steht vor einer strukturellen Herausforderung im Transportsektor. Ein grosser Teil der Fahrer in der Schweiz hat bald das Rentenalter erreicht, während die Neueinstellungen nicht Schritt halten können. Der Transport zählt zu den Wirtschaftszweigen, die laut dem Swiss Skills Shortage Index den grössten Mangel an Arbeitskraft zu beklagen haben, und die Konsequenzen machen sich schon jetzt in der Praxis bemerkbar. Experten von der Universität Zürich und dem Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) warnen, dass die Mobilität schrittweise verringert werden wird, wenn nicht in neue Lösungen und Technologien investiert wird.
„Der Fahrermangel ist kein Problem, das wir nur durch Neueinstellungen beheben können. Wir müssen neue Betriebsformen und Technologien einbeziehen. Autonome Fahrzeuge können keine Fahrer ersetzen, können aber dort entlasten, wo das Personalaufkommen nicht ausreicht“, erklärt Stefan Krogh-Hansen, CEO des Mobilitätsunternehmens Holo, das sich mit dem Implementieren und Betreiben von autonomen Fahrzeugen in Europa beschäftigt.
Laut Holo besteht die Herausforderung nicht nur aus dem Mangel an Fahrern, sondern auch aus einem Transportsystem, das zunehmend belastet wird. Studien der ETH Zürich belegen durch Simulationen, dass geteilte, autonome Flotten das Autoaufkommen um 90 Prozent reduzieren können. Laut Holo kann die Technologie schon heute den Betrieb unterstützen:
„Autonome Flotten können dazu beitragen, ein angespanntes Transportsystem zu vervollständigen. Sie können einen Beitrag leisten, indem sie vorhandene Strecken aufrechterhalten und die Mobilität in den Gebieten verbessern können, in denen herkömmliche Lösungen nicht mehr tragbar sind“,so Stefan Krogh-Hansen.
Die Schweiz hat Potenzial, aber auch besondere Herausforderungen
Laut Prof. Dr. Roland Siegwart, Professor der Robotik und autonomen Systeme am Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik, ETH Zürich, und in Europa einer der führenden Experten auf diesem Gebiet, hat die Schweiz gute Voraussetzungen für die Arbeit mit autonomer Technologie – aber auch markante Barrieren:
„In der Schweiz herrschen komplexe Verkehrsumgebungen mit Bergen, Schnee und vielen verletzlichen Verkehrsteilnehmern vor. Das macht das Implementieren anspruchsvoller als in ebenmässigeren Umgebungen. Aber auf Autobahnen und in bestimmten Regionen ist die Technologie schon heute sinnvoll“, sagt Roland Siegwart. Er weist darauf hin, dass autonome Fahrzeuge vor allem bei Transportformen mit hoher Belastung und einem hohen Mangel an Arbeitskraft eine Rolle spielen können, beispielsweise auf festen Strecken und in bestimmten Bereichen des Gütertransports.
„Der Verkehr entwickelt sich durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in die falsche Richtung. Autonome Technologie kann Teil der Lösung sein, wenn die Gesellschaft aktiv entscheidet, wie sie angewandt werden soll“, sagt er.
Die Regulierung steht, die Praxis fehlt
Seit März 2025 hat die Schweiz einen nationalen gesetzlichen Rahmen für das automatisierte Fahren durch die Verordnung über das automatisierte Fahren (VAF). Die Regulierung ermöglicht das Einführen von führerlosen Fahrzeugen unter eindeutigen Sicherheitsbedingungen.
In der Praxis stehen Behörden und Betreiber jedoch noch immer Herausforderungen gegenüber, unter anderem in Bezug auf Genehmigungsverfahren, einheitliche Sicherheitsstandards sowie Haftung und Versicherung. Laut Roland Siegwart ist die Übergangsphase kritisch, aber notwendig:
„Schon heute kann die Technologie die Fahrer auf Autobahnen unterstützen und Müdigkeit sowie Fehler reduzieren. Aber die Unternehmen müssen vorsichtig vorgehen und akzeptieren, dass das Lernen Zeit in Anspruch nimmt. Wenn wir Vertrauen aufbauen wollen, erfordert dies kontrollierte Versuche in einer realistischen Umgebung”, so seine Einschätzung.
Bei Holo ist man auch dieser Ansicht und betont, dass autonome Technologie keine schnelle Lösung ist, sondern eine notwendige Ergänzung in einem Transportsystem, das durch Fahrermangel und erhöhtes Verkehrsaufkommen zunehmend unter Druck gerät.
„Die Schweiz hat durch die nationale Regulierung einen entscheidenden Schritt unternommen. Jetzt gilt es, die Gesetzgebung in die Praxis umzusetzen, Betriebserfahrung zu sammeln, die Technologie zu testen und zu verwenden und sich auf grössere Implementierungen vorzubereiten. So kann ein robusteres und nachhaltigeres Transportsystem entstehen – auch dann, wenn es nicht genügend Hände hinter dem Lenkrad gibt“, sagt Stefan Krogh-Hansen.
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Holo ist ein dänisches Unternehmen, das autonome Fahrzeuge und Transportsysteme in ganz Skandinavien in Betrieb nimmt und betreibt. Das Unternehmen arbeitet mit öffentlichen und privaten Akteuren bei der Entwicklung der Mobilitätslösungen der Zukunft zusammen. Mehr erfahren auf https://www.letsholo.com/.