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Logitrans hinterfragt das Ideal der Vollautomatisierung mit 80/20-Ansatz
Mit dem neuen LogiRobot setzt Logitrans auf einen semiautomatischen Palettentransport ohne IT-Integration. Nach Angaben des Unternehmens sind es häufig die letzten 20 Prozent der Automatisierung, die Komplexität, Risiko und Kosten treiben.
Beim dänischen Produktionsunternehmen Logitrans bestand die Ambition nicht darin, eine weitere vollautomatische Lagerlösung zu entwickeln – im Gegenteil. Mit der Einführung des LogiRobot positioniert sich das Unternehmen bewusst gegen das in der Branche verbreitete Ideal einer 100-prozentigen Automatisierung und verfolgt stattdessen einen 80/20-Ansatz im Palettentransport. Dabei wird der Großteil des Nutzens automatisiert – ohne Anforderungen an WLAN, ERP-Integration oder langwierige IT-Projekte.
„Wir beobachten, dass viele Unternehmen in die Vision einer vollständigen Automatisierung investieren, bevor sie organisatorisch und operativ bereit dafür sind. Das Ergebnis sind häufig lange Implementierungsprozesse und Budgets, die aus dem Ruder laufen“, sagt Gitte Kirkegaard, Geschäftsführerin von Logitrans.
Auch Studien unter anderem der Reutlingen University und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (Fraunhofer IPA) weisen darauf hin, dass vollautomatisierte Lagerlösungen weiterhin technische und operative Herausforderungen mit sich bringen.
Der Deichsel als zentrales Element
Mit mehr als 85 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Lösungen für das interne Materialhandling verfügt Logitrans über ein tiefgehendes Verständnis dafür, wie Technologie in der Praxis funktioniert. Diese Erfahrung bildet laut Unternehmen die Grundlage für den gewählten 80/20-Ansatz.
Der sichtbarste Ausdruck dieses Ansatzes ist der Deichsel des Roboters. Während vollautomatische Lösungen in der Regel darauf abzielen, manuelle Eingriffe zu eliminieren, hat sich Logitrans bewusst dafür entschieden, diese sichtbar zu machen.
„Für manche signalisiert der Deichsel etwas, das nicht vollständig automatisiert ist. Für uns ist es eine bewusste Entscheidung. Er steht für Flexibilität und Kontrolle. Der Bediener kann die Palette aufnehmen und jederzeit die Aufgabe übernehmen oder ändern, wenn dies erforderlich ist“, erklärt Gitte Kirkegaard.
Ihrer Ansicht nach geht es darum, das richtige Automatisierungsniveau zu treffen – nicht das maximale.
Semiautomatischer Ansatz
In der Praxis konzentriert sich der 80/20-Ansatz auf wiederkehrende Palettentransporte über längere Distanzen, etwa zwischen Wareneingang, Pufferzonen und Produktion oder von der Produktion ins Fertigwarenlager. Hier wird typischerweise ein großer Teil der Zeit und der manuellen Ressourcen eingesetzt. Mit dem LogiRobot nimmt der Bediener die Palette auf, woraufhin der restliche Transport automatisch zum definierten Ziel erfolgt.
Laut Logitrans geht es darum, jene Strecken zu automatisieren, auf denen kein Mehrwert für das Produkt des Kunden geschaffen wird – ohne die Lösung zu einem komplexen Integrationsprojekt zu machen.
„Viele Automatisierungsprojekte werden groß und komplex, weil sie von Anfang an in die gesamte Systemlandschaft integriert werden. Wir haben uns stattdessen darauf konzentriert, eine Lösung zu entwickeln, die schnell in Betrieb genommen werden kann und eigenständig funktioniert. Das reduziert sowohl die Implementierungszeit als auch das Gesamtrisiko“, sagt Gitte Kirkegaard.
Der semiautomatische Ansatz ermöglicht es Unternehmen zudem, Routen und Aufgaben laufend anzupassen, ohne umfangreiche technische Änderungen vornehmen zu müssen, wenn sich Anforderungen im Betrieb ändern.
Erfahrungen aus dem Markt
Hinter dieser Priorisierung stehen laut Logitrans Erfahrungen aus dem Markt, in dem die Ambition vollautomatisierter Lösungen nicht immer mit der Realität im Lager übereinstimmt. Projekte können an Komplexität gewinnen, wenn Prozesse, Layouts und interne Arbeitsabläufe an eine strikt definierte Automatisierungslösung angepasst werden müssen.
Auch die Forschung verweist auf Herausforderungen bei vollautomatisierten Lagerlösungen. Eine Studie der Reutlingen University und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung hebt unter anderem Einschränkungen bei der Ressourcenplanung, dem Energieverbrauch und der Sicherheit in komplexen Lagerumgebungen hervor.
„Bewegliche und halbbewegliche Objekte – etwa Roboter, Gabelstapler, Arbeitsstationen, Menschen und Paletten – werden von AMR-Systemen in erster Linie als Hindernisse erkannt, die zur Vermeidung von Kollisionen umgangen werden müssen“, heißt es in der Studie.
„Wenn man von Anfang an auf 100-prozentige Automatisierung setzt, steigen die Anforderungen an Stabilität und Standardisierung erheblich. Die Realität verändert sich jedoch oft täglich: Volumina schwanken, Routen werden angepasst und Aufgaben verlagern sich. Genau hier werden Projekte häufig teurer und zeitaufwendiger als geplant“, sagt Gitte Kirkegaard.
Sie betont, dass es nicht darum gehe, die Ambitionen zu reduzieren, sondern Automatisierung schrittweise aufzubauen.
„Wir sind überzeugt, dass Unternehmen mit den Prozessen beginnen sollten, bei denen der Nutzen klar und die Umsetzung überschaubar ist. Wenn die Organisation dort Erfolge erzielt, kann darauf aufgebaut werden. Automatisierung ist nicht nur Technologie – sie ist auch eine Frage der Reife“, so Gitte Kirkegaard.
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Logitrans ist ein dänisches Produktionsunternehmen, das Geräte für das interne Materialhandling entwickelt und herstellt, darunter Hubwagen, Stapler und automatisierte Lösungen für Lager und Produktion. Das Unternehmen exportiert weltweit. https://logitrans.com/da/om-logitrans/