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Drei Fragen an Rainer Ortmann, Robert Bosch GmbH

Die Wärmewende im Gebäudesektor steht weiterhin im Zentrum der energiepolitischen Debatte. Nach den turbulenten Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz und dem deutlichen Einbruch im Heizungsmarkt arbeitet die Bundesregierung nun an einem Gebäudemodernisierungsgesetz. Im Interview erläutert Rainer Ortmann, welche Auswirkungen die bisherigen Regelungen auf den Markt hatten, wie die Branche die neuen politischen Leitlinien bewertet – und welche Rolle hybride Heizsysteme, wasserstofffähige Technologien und erneuerbare Gase künftig für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands spielen können.

  1. Warum war aus Sicht der Heizgeräteindustrie eine Anpassung des Gebäudeenergiegesetzes notwendig – und wo haben die bisherigen Regelungen Investitionen eher gebremst als beschleunigt?

    Die Branche hat massiv in Innovation und Produktionskapazitäten investiert. Was sie jetzt braucht, sind stabile politische Rahmenbedingungen und eine gesunde Nachfrage – nicht erneute Volatilität und emotionale politische Debatten. Aus unserer Sicht war die Kopplung des bisherigen GEG mit der kommunalen Wärmeplanung sowie die Ankündigung der Politik, dass das „Heizungsgesetz“ abgeschafft wird, die Hauptgründe der Investitionsbremse und des Zusammenbruchs des Wärmemarkts. Wir hoffen nun, dass diese Eckpunkte schnell in ein Gesetz überführt werden, welches dann in den nächsten Jahren unverändert bleibt.

  2. Wie bewerten Sie die Eckpunkte der Bundesregierung für das Gebäudemodernisierungsgesetz Vorschläge mit Blick auf Technologieoffenheit, Investitionssicherheit und die Rolle klimaneutraler Gase?

    Die vorgelegten Leitlinien stellen aus unserer Sicht einen wichtigen Schritt hin zu weniger Bürokratie und mehr Flexibilität dar. Sie schaffen erstmals echte Nachvollziehbarkeit für Bürgerinnen und Bürger, was die politischen Ziele im Wärmesektor angeht. Die wechselhaften politischen Vorgaben der vergangenen Jahre haben erheblich zur Verunsicherung beigetragen, was Investitionen gebremst und die Branche wirtschaftlich belastet hat. Der deutsche Markt für Heiztechnik befindet sich seit gut zwei Jahren in einer deutlichen Abwärtsbewegung – im europäischen Vergleich werden hier prozentual am wenigsten Heizsysteme erneuert. Das kann langfristig niemanden zufriedenstellen. Entscheidend ist, dass die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes künftig unabhängig von den kommunalen Wärmeplanungen sind. Viele Menschen hatten zuvor den Eindruck, dass ihnen damit die Entscheidungsfreiheit über ihre Heizlösung genommen wird, was Investitionen zurückhielt. Hinzu kam, dass kommunale Wärmepläne erst ab 2026 oder sogar 2028 vorliegen sollten. Diese Phase des Zögerns endet nun.

    Positiv ist außerdem, dass die formalen Beratungspflichten beim Einbau von Öl- oder Gasheizungen entfallen. Fachbetriebe und Hersteller begleiten ihre Kunden ohnehin intensiv, da jeder Heizungstausch stark vom individuellen Gebäude abhängt. Zusätzliche formale Anforderungen hätten hier mehr behindert als geholfen.

    Die im GMG vorgesehenen Biogasquoten (z. B. 10 % ab 2029) sind keine neue Erfindung, denn sie standen bereits im alten GEG, teilweise sogar mit höheren Quoten. Unsere hauseigene Bosch-Forschung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Preiswirkung der geplanten Biogasbeimischung massiv überschätzt wird. Vergleichbare Beimischungen gibt es längst in Kraftstoffen (E10, B7) – und diese ohne große Preissprünge.Grüngas wird aus unserer Sicht kein relevanter Preistreiber im Heizungsmarkt sein.

    Unsere Geräte der Marken Bosch und Buderus sind zu 100 % biogasfähig, zu 100 % bioölfähig und aktuell bis zu 20 % wasserstofffähig. Damit können alle heutigen Gasheizungen aus unserem Hause ohne Weiteres mit steigenden erneuerbaren Anteilen betrieben werden. Die öffentliche Debatte überschätzt die Bedeutung der Biogasquoten. Die eigentlichen Engpässe sind die Investitionskosten im Bestand, die Strompreise, die Austauschquoten.

    Obwohl öffentliche Stimmen anderes behaupten, sehen wir die Grüngasquote als kommunikativ machbar, praxisgerecht und nicht komplexer als heutige Kraftstoffbeimischungen. Aus Sicht der Bosch Home Comfort Group sehen wir die Grüngasquote als sinnvollen zusätzlichen Dekarbonisierungspfad für Bestandsgebäude. Gerade in Systemen mit Hybrid-Wärmepumpen schafft Grüngas eine zusätzliche CO₂-Reduktion.

  3. Mit Blick auf die Wärmewende im Bestand: Welche Rolle können gasbasierte Hybridlösungen, H₂-ready-Technologien und der Einsatz erneuerbarer Gase wie Biomethan künftig spielen?

    Wir sehen einen Vorteil in einer größeren Flexibilität bei Technologien statt politischer Sackgassen und die Hybridfähigkeit unserer Geräte eröffnet Optionen. Unsere Gasgeräte sind hybridfähig. Die kann man also elektrifizieren. Das heißt: Ich komme nicht in eine Sackgasse, wenn ich heute ein Gasgerät installiere. So muss ein Heizungsbauer unserer Meinung nach heute auch aufgestellt sein. Die Flexibilität im Pfad zur Dekarbonisierung ist das Kernentwicklungsziel. Auch die politische Volatilität zeigt, dass wir genau das machen müssen. Es gibt auch keine Lock-In-Effekte, wie Manche glauben. Die durchschnittliche Laufzeit neuer Heizsysteme liegt bei 25 Jahren und die Menschen haben die Wahl, ihr Heizungssystem in den kommenden Jahren flexibel anzupassen.

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