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Rentenpflicht Selbstständige
Rentenpflicht für Selbstständige: 84 Prozent wollen sich befreien lassen (Umfrage von freelance.de und VGSD).

Pressemitteilung —

Selbstständige lehnen Rentenversicherungspflicht mehrheitlich ab

Kommt die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige so, wie die Rentenkommission sie empfiehlt, wollen sich 84 Prozent der heute Selbstständigen davon befreien lassen. Das zeigt eine gemeinsame Kurzumfrage von freelance.de und dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD) unter 826 Selbstständigen.

Große Mehrheit würde den Opt-out nutzen
Die Rentenkommission schlägt vor, Bestandsselbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Gleichzeitig sollen sie sich ohne Voraussetzungen befreien lassen können. 83,9 Prozent der Befragten würden das tun, nur 16,1 Prozent würden künftig einzahlen (n = 640).

Ergebnis knüpft an freelance.de-Umfrage aus 2025 an

Die Zahlen passen zu einer früheren Befragung von freelance.de: Bereits im September 2025 lehnten 60 Prozent von 200 befragten Freelancern eine Rentenversicherungspflicht ab, weil sie selbst über ihre Vorsorge entscheiden wollen. Nur 9 Prozent hatten damals keine konkrete Altersvorsorge. Am häufigsten setzten die Befragten auf ETFs, Aktien oder andere Investments (37 Prozent), gefolgt von privaten Rentenversicherungen (22 Prozent).

Was die Rentenpflicht kosten würde

Selbstständige sollen künftig zwischen dem Regelbeitrag (derzeit 735,63 Euro pro Monat) und einer einkommensabhängigen Beitragsbemessung wählen können. Für Gründerinnen und Gründer ist eine dreijährige Karenzzeit geplant. In dieser Zeit sollen sie zwischen dem halben Regelbeitrag (derzeit 367,82 Euro pro Monat) und der vollen einkommensabhängigen Bemessung wählen können.

Bei einkommensabhängiger Bemessung zahlen Selbstständige, Künstler und Publizisten ausgenommen, sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil. Berechnet werden die Beiträge zudem auf Basis einer um 20 Prozent höheren Bemessungsgrundlage.

„Die überwiegende Mehrheit der opt-out-berechtigten Bestandsselbstständigen wird sich gegen die Rentenversicherungspflicht entscheiden, zumal die allermeisten schon anderweitig vorsorgen“, sagt VGSD-Vorstand Dr. Andreas Lutz. „Wir gehen davon aus, dass der prozentuale Anteil derjenigen, die den Opt-out wählen, tatsächlich noch deutlich höher liegen wird als in unserer Befragung. Noch nämlich dürften sich viele nicht über die finanziellen Belastungen im Klaren sein.“

Fast zwei Drittel sorgen sich um ihre Daten
Um alle Bestandsselbstständigen anschreiben zu können, würde die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Kontaktdaten voraussichtlich von den Finanzämtern erhalten. Die Befragten sehen das so:

  • 64 Prozent befürchten, dass die DRV die Daten auch für andere Zwecke nutzt, etwa für branchenweite Betriebsprüfungen.
  • Knapp 23 Prozent haben wenig Sorge.
  • Gut 13 Prozent sind unentschieden.

Rentenpflicht nur mit begleitenden Reformen

Trotz aller Kritik ist es wahrscheinlich, dass die Bundesregierung die geplante Rentenpflicht für Selbstständige als Teil des Gesamtpakets Rentenreform umsetzt. Deshalb haben freelance.de und VGSD gefragt, welche Reformen zeitgleich kommen müssten, damit die Befragten die Pflicht mittragen können (n = 826, Mehrfachnennung möglich):

  • Faire Beiträge (54 Prozent): Mehr als die Hälfte fordert, die Bemessung der Sozialbeiträge zu reformieren, damit künftige Selbstständige finanziell nicht überfordert werden.
  • Wahlfreiheit bei der Vorsorge (47 Prozent): Auch künftige Selbstständige sollen ihre Altersvorsorge etwa mit ETFs oder über die Rürup-Rente gestalten dürfen, wie in bisherigen Koalitionsverträgen vorgesehen.
  • Rechtssicherheit (45 Prozent): Eine Reform der Statusfeststellung soll endlich Klarheit beim Thema Scheinselbstständigkeit schaffen und verhindern, dass Selbstständige über ein Statusfeststellungsverfahren in die Rentenpflicht gezwungen werden.

„Eine Reform der Statusfeststellung ist vor allem für eine rechtssicherere Zusammenarbeit zwischen Freelancern und Unternehmen notwendig. Klare und praxistaugliche Kriterien würden Freelancern und Unternehmen Rechtssicherheit geben, unabhängig davon, wie die Rentenreform ausgeht“, sagt Robin Gollbach, CEO von freelance.de.


Der VGSD fordert die Bundesregierung auf, die Rentenpflicht mit einer Reform der Beitragsbemessung und der Statusfeststellung zu flankieren. Die Petition „Rentenpflicht für Selbstständige? Nur mit Rechtssicherheit und fairen Beiträgen“ haben bereits rund 12.000 Menschen unterzeichnet: openpetition.de/rentenpflicht

Alle Ergebnisse und Hintergründe gibt es im freelance.de-Blog: Rentenpflicht für Selbstständige. Weitere Auswertungen veröffentlicht auch der VGSD.

Zur Kurzumfrage

Die Kurzumfrage fand online auf zwei unterschiedlichen Kanälen statt: freelance.de befragte die Besucher/innen seiner Website im Zeitraum vom 14. bis 20. September 2026, der VGSD holte bei einem Experten-Talk zur Rentenpflicht am 16. September 2026 die Antworten der Anwesenden ein. Insgesamt nahmen 826 Teilnehmer/innen an den Befragungen teil (530 über freelance.de, 296 über den VGSD). Bei den angegebenen Ergebnissen handelt es sich um gewichtete Durchschnittswerte, die die unterschiedlichen Gruppengrößen berücksichtigen.

Über die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbstständige

Die Rentenkommission hat insgesamt 33 Empfehlungen für eine umfassende Rentenreform abgegeben. Der Koalitionsausschuss hat im Juli 2026 erklärt, sie als Komplettpaket umsetzen zu wollen. Geplant ist, künftig alle Selbstständigen, die ihre Tätigkeit ab einem noch nicht definierten Stichtag neu aufnehmen, in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) pflichtzuversichern. Auch Bestandsselbstständige sollen in die GRV einbezogen werden, jedoch "voraussetzungslos herausoptieren", sich also von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen dürfen. Von der neuen Regelung ausgenommen sein sollen lediglich Selbstständige, die obligatorisch abgesichert sind, etwa in einem berufsständischen Versorgungswerk.

Über den Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V.

Der VGSD e.V. vertritt die Interessen von Solo- und Kleinstunternehmern, Gründern sowie Teilzeit-Selbstständigen in Deutschland. Der 2012 gegründete Verband zählt aktuell rund 5.300 Vereins- und 16.000 Communitymitglieder. Der VGSD setzt sich für Rechtssicherheit ein (in Bezug auf Scheinselbstständigkeit), für faire Sozialversicherungsbeiträge, eine sinnvolle Ausgestaltung der geplanten Rentenpflicht und Einbeziehung Selbstständiger in die Aktivrente, für weniger vermeidbare Bürokratie und eine sinnvolle Gründungsförderung. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Lutz ist zugleich Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV).

Kontakt VGSD

Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender, presse@vgsd.de, 089 / 5165 7980

Katharina Mandlinger, Pressesprecherin VGSD, presse@vgsd.de, Tel. 0176 / 2370 9300

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