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Symbolbild ‹Im Fluss sein› (Foto: Sebastian Jüngel)

Pressemitteilung -

Handeln in Freiheit und aus Verantwortung >>> Beiträge der Zeitschrift ‹Stil› entwickeln ein Karma-Verständnis ohne Schuld

Goetheanum, Dornach, Schweiz, 30. Januar 2026

Reinkarnation und Karma waren und sind bis heute Konzepte verschiedener Kulturen und Religionen, auch westlicher Zivilisationen. Ein Beitrag Rudolf Steiners war, Reinkarnation und Karma unter dem Gesichtspunkt der menschlichen Entwicklungsfähigkeit zu betrachten – ohne eine moralische Belastung mit Schuld im Sinne einer Strafe für Verfehlungen in einem früheren Erdenleben.

Dem passiven Verständnis von Karma – den Folgen einer früheren Schuld (seltener eines früheren Verdienstes) ausgeliefert zu sein – stellt Christiane Haid ein diametral entgegengesetztes Verständnis gegenüber: «Nur das souverän denkende Ich kann sich verantwortlich geistigen und karmischen Gesetzen gegenüberstellen.» Verantwortung heißt, etwaige Erkenntnisse über das eigene frühere Leben als Aufgabe zu begreifen, Schicksalsbegebenheiten zu verstehen und entsprechend in der jetzt verkörperten Zeit tätig zu sein. Für Christiane Haid war solch eine Sicht Anlass für sie selbst, «eine Identifikation mit der gegebenen Lebenssituation» herzustellen. Alexander Schaumann beschreibt das als Frage «nicht um Wer, Wann oder Wo, sondern um die Frage nach den Themen des eigenen Lebens».

Christine Gruwez gesteht ein, dass eine Tat zwar Folgen hat und dass diese von außen auf einen zukommen. Doch wie man darauf eingeht, ist eine neue Entscheidung: «Die unwiderrufliche Logik des Karmas» werde «verbunden mit der Möglichkeit einer Entwicklung», ja mehr: Man kann dem anderen helfen – und das eröffne «einen neuen Abschnitt in seinem Schicksal», wie Rudolf Steiner schreibt und was er «Gnadenerweisungen» nennt. Jaap Sijmons greift eine andere Formulierung Rudolf Steiners auf: «Das Alte treibt uns unbewusst zu Begegnungen und Situationen: das Mondenkarma.» Hinzukommt das Sonnenkarma, nämlich die bewusste Entscheidung des Menschen, «ob und wie er den Gegebenheiten der Situation (inklusive seiner Neigungen und Fähigkeiten) eine Richtung gibt»: «Ohne ein Verständnis für das Sonnenkarma wird man die ‹Schlingen des Karmas› nicht auflösen können.» So begriffen, vereint Karma Freiheit und Verantwortung. Wenn sich der Mensch entwickeln kann, er ein Werdender ist, dann ist er, so Alexander Schaumann, «nicht die Fortsetzung des gewordenen [Menschen], sondern [er] entwickelt sich in Auseinandersetzung mit ihm».

Mechtild Oltmann weitet den Blick von der notwendigerweise selbstbezogenen Sicht des Karmas – «Mitverantwortung und Mündigkeit gegenüber den eigenen Fehlern in geübter Selbsterkenntnis» – über ein Verständnis «der Konstellation mit anderen Menschen, mit denen ich verbunden bin», zur Frage, wieweit das Handeln des Menschen Folgen für die Erde habe. Dabei gilt «Verwandlung, nicht Vermeidung in vollem Ergreifen der Erde», sodass das «individuelle Karma» «vom Persönlichen zum Weltereignis werden kann».

Rudolf Steiners eigenes Fazit mündet in den Sätzen: «Karma macht nicht unfrei. Eben vermöge seiner Freiheit kann der Mensch alle Augenblicke etwas tun, was Karma erzeugt.» Ein Karma, das nicht mit Schuld, sondern mit Beziehung und Handlungsfähigkeit in Freiheit zu tun hat.

(3060 Zeichen/Sebastian Jüngel)

Zeitschrift ‹Stil› Reinkarnation und Karma, Nr. 4/2025, 80 Seiten, 20 Franken, Sektion für Schöne Wissenschaften Web

Ansprechpartnerin Christiane Haid

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