Pressemitteilung —
Zweite Pfarrerin auf Zeit für die Hephata-Kirchengemeinde
Die Hephata-Kirchengemeinde betritt Neuland: Seit Juni hat Pfarrerin Lisa Brekerbohm (31) hier einen Predigtauftrag auf Zeit: Sie ist Mitglied des Pastoralteams und der Kirchengemeindevertretung, unterstützt Hephata-Pfarrerin Annette Bartsch und die übrigen Mitglieder der Gemeindevertretung und predigt selbst – mit viel Engagement.
„So etwas hat es vorher hier noch nicht gegeben“, sagt Hephata-Pfarrerin Annette Bartsch, „wir sind sehr froh, dass Frau Brekerbohm da ist“. Die 31-Jährige hat ihr Theologiestudium und Vikariat in Marburg bereits abgeschlossen und ist seit Juni Mitarbeiterin am Hans-von-Soden-Institut für Theologische Forschung in Marburg. In dem Institut gibt es sechs Stellen für Pfarrer*innen, die sich in Kooperation mit der Philipps-Universität Marburg Forschungsprojekten widmen. Lisa Brekerbohm, promoviert zum Thema: „Prophetinnen im neuen Testament und der frühchristlichen Geschichtsschreibung.“ Dazu hat sie drei Jahre Zeit. Das Konzept nennt sich besonderer Dienst. Nach den drei Jahren steht der Probedienst von zweieinhalb Jahren in einer Kirchengemeinde an. Teil des Konzept ist es deswegen auch, den Bezug zum Arbeitsfeld von Gemeindepfarrer*innen nicht zu verlieren.
Gottesdienste als Kraftquelle
Lisa Brekerbohm predigt ungefähr alle sechs Wochen in der Hephata-Kirche. „Gottesdienste sind meine innere Energiequelle, die mich resettet, neben dem wissenschaftlichen Arbeiten für die Theologie.“ Energie ist sowie eines der Substantive, die zu ihr passen: „Eigentlich ist es nicht vorgesehen, bei Hephata einen Predigtauftrag zu erhalten. Ich habe den Vorschlag gemacht, mich dafür eingesetzt und auch Glück gehabt. Wenn wir gemeinsam Gottes Reich bauen wollen, geht das nur mit Respekt und Würde. Es ist ein Unterschied, das nur zu predigen oder auch zu leben.“
Zu Hephata hat sie mehrere Anknüpfungspunkte. In ihrem Vikariat verbrachte sie hier zwei Tage, lernte Mitarbeiter*innen, Klient*innen und auch Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft Hephata kennen. „Das war eine besondere Art, wie sich Menschen hier begegnen, die hat mir gefallen.“ Danach lernte sie Tamara Lohse, Mitarbeiterin der Sozialen Teilhabe im Projekt Sozialraumorientierung, kennen. Mit ihr zusammen gestaltete sie zwei barrierefreie und inklusive Gottesdienste in Marburg. „Ich wollte und will Menschen mit Behinderungen einbeziehen, mit ihnen etwas Neues machen und lernen.“ Inspiriert wird sie dabei auch von ihrem Mann, der selbst im Rollstuhl sitzt.
Ein Anfang, der alles in Bewegung gesetzt hat
Inspiriert wurde sie aber auch schon in ihrer Jugend von Menschen, die sich mit Theologie auseinandersetzten und kritische Neugierde förderten, im Konfirmanden- und Religionsunterricht in der Schule. Doch: „Ich komme aus keinem religiös geprägten Elternhaus. Ich bin die Erste in der Familie, die das Abitur gemacht und studiert hat. Meine Eltern waren dagegen, dass ich Theologin werde.“ So stand nach der Haupt- und Realschule erst eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin an. „Naturwissenschaften hatten mir schon in der Schule gefallen. Ich habe nie verstanden, warum es ein Widerspruch sein soll, naturwissenschaftlich und theologisch interessiert zu sein. Beides sind Wissenschaften und gehen davon aus, dass es einen Anfang gab, der alles in Bewegung gesetzt hat. Doch ich habe schnell im Labor gemerkt, dass ich da nicht glücklich werde und nach einer Alternative gesucht.“
Die fand sie bei der Pfarrerin aus der Nachbarschaft, die sie in einer Art Praktikum an ihrer Arbeit teilhaben ließ. „Je mehr ich dort erlebt habe, desto einsamer wurde ich im Labor.“ Schließlich wagte sie den Schritt an die Uni, arbeitete nebenbei viel in einer Bäckerei, um sich ihre Brötchen zu verdienen. Jetzt, nachdem sie mit dem Studium und Vikariat fertig ist, bietet sich mit dem besonderen Dienst die Möglichkeit, den Doktortitel zu erlangen.
„Jede Gemeinde braucht etwas anderes“
In der Hephata-Kirche hat sie bislang dreimal selbst gepredigt. „Ich habe zuvor einen Gottesdienst von Pfarrerin Annette Bartsch besucht und war total begeistert. Ich probiere mich gerade neu aus. Ich bin ein verkopfter Mensch und musste im Vikariat Spontanität lernen. Es ist total schön, dass es bei Hephata Spontanität in den Gottesdiensten gibt. Außerdem wird hier mit viel Herz und Gefühl gepredigt. Das gefällt mir. In der sehr extremen gesellschaftlichen Situation, in der wir leben, gehen wir oft auseinander, dabei sind das Aussprechen und Anerkennen von Gefühlen, das Aufeinanderzugehen, das Schenken von Achtsamkeit so wichtig. Ich empfinde es als ein Privileg, als Pfarrerin hier am Leben der Menschen teilnehmen zu dürfen.“
- Lisa Brekerbohm predigt am Sonntag, 20. September, und Sonntag, 1. November, wieder in der Hephata-Kirche.
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