Pressemitteilung —
Schule der Zukunft: Konzept der Montessori-CampusSchule präsentiert
Beim CampusSchul-Forum diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Schule, Lehrkräftebildung, Politik und Stiftungen über das Potenzial einer phasenübergreifenden Universitätsschule mit Strahlkraft über Trier hinaus.
Die Universität Trier und die Freie Montessori-Schule Trier e.V. haben beim CampusSchul-Forum am 01. Oktober das Konzept der geplanten Montessori-CampusSchule vorgestellt. Das Vorhaben soll schulische Praxis, Forschung und Lehrkräftebildung an einem Ort enger miteinander verbinden und damit Impulse setzen für die Bildungsentwicklung. Im Zentrum steht die Idee einer Universitätsschule, in der pädagogische Konzepte wissenschaftlich begleitet, weiterentwickelt und pädagogische Innovationen für die Praxis nutzbar gemacht werden.
Im Mittelpunkt des Forums stand die Vision einer phasenübergreifenden Universitätsschule, die Schule, Forschung und Lehrkräftebildung systematisch verzahnt. Geplant ist ein Ort, an dem pädagogische Konzepte weiterentwickelt, wissenschaftlich begleitet und in die Praxis übertragen werden können – mit dem Ziel, Impulse nicht nur für Trier, sondern auch für Rheinland-Pfalz, Deutschland und darüber hinaus zu setzen.
Mut zum Aufbruch
Universitätspräsidentin Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer griff in ihrer Begrüßung ein Bild auf, das sie den Studienanfängerinnen und -anfängern zu Semesterbeginn mitgibt: Ameisen, die neue Wege gehen, statt ausgetretenen Pfaden zu folgen. „Diesen Mut zum Aufbruch sehe ich auch bei der geplanten CampusSchule“, sagte die Präsidentin.
David Thieser, Vorsitzender der Freien Montessori-Schule Trier e.V. und Vertreter des Schulträgers, verwies auf die langjährige Zusammenarbeit beider Partner: „Die enge Kooperation zwischen Schule und Universität ist seit vielen Jahren getragen von einem großen Vertrauensverhältnis und bildet eine wichtige Grundlage, um das Vorhaben gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Schnittstelle von Schule, Forschung und Lehrkräftebildung
„Mit der CampusSchule wollen wir einen Ort schaffen, an dem Lehrkräftebildung, schulische Praxis und Forschung enger zusammenwirken“, sagte Prof. Dr. Matthias Busch, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung. Eine eigene Montessori-Lehrkräfteausbildung solle dabei nicht etabliert werden. „Vielmehr geht es um einen offenen Entwicklungs- und Lernort, an dem die staatliche Lehrkräftebildung der Universität mit schulischer Praxis, Forschung und pädagogischer Innovation verknüpft werden“, so Busch.
In Verbindung mit dem geplanten Neubau soll ein Schulstandort für die Klassen 1 bis 12 entstehen, der die pädagogische Arbeit, Forschung und Lehrkräftebildung zusammenführt. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen auch für andere Schulen sowie für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften nutzbar gemacht werden.
Damit dies gelingt, ist die CampusSchule von Beginn an als offenes Netzwerk angelegt, das gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Schule, Hochschule und Lehrkräftebildung entwickelt und als phasenübergreifendes Anliegen umgesetzt werden soll. Dass das gelingt, zeigte sich auf dem CampusSchul-Forum: Die intensive Diskussion, vielfältige Beiträge und konstruktive Rückmeldungen aus dem Publikum – von der non-formalen Bildung bis zur Schulaufsicht – unterstrichen das breite Interesse für das Vorhaben. Im Mittelpunkt steht die Ko-Konstruktion: Schulen, Universität, Studierende und weitere Bildungspartner bringen ihre Erfahrungen und Perspektiven ein, lernen voneinander und übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Entwicklung.
So entsteht ein wechselseitiger Austausch, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse und pädagogische Praxis gleichermaßen ineinandergreifen. Die Beteiligten betonten, dass die CampusSchule keine klassische Laborschule sein werde. Schülerinnen und Schüler stehen dabei nicht als Gegenstand von Erprobung im Mittelpunkt, sondern als Lernende in einem pädagogisch verantworteten Umfeld. Schule und Wissenschaft arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Innovation ist dabei kein Selbstzweck, sondern soll einen konkreten Mehrwert für das Bildungssystem schaffen und evidenzbasierte Schulentwicklung ermöglichen.
Lernräume als Teil des pädagogischen Konzepts
Auch die räumliche Gestaltung spielte beim CampusSchul-Forum eine wichtige Rolle. David Thieser verwies auf den Gedanken des Raums als „dritten Pädagogen“: Architektur und Lernumgebung sollten pädagogische Konzepte nicht nur abbilden, sondern Lernen aktiv unterstützen.
Impulse aus Studium, Schule und internationaler Perspektive
In der Podiumsdiskussion kamen unterschiedliche Perspektiven zur Sprache. Michèle Schilt, stellvertretende Direktorin des Zentrums fir politesch Bildung in Luxemburg, hob die Innovationskraft des Vorhabens hervor. Aus ihrer Sicht bietet die geplante CampusSchule auch für die Lehrkräftebildung im Nachbarland wertvolle Anknüpfungspunkte.
Mick Deml, seit dem 1. Oktober studentischer Vizepräsident der Universität Trier und Lehramtsstudent, berichtete von großem Interesse und hohen Erwartungen unter den Studierenden. Viele wünschten sich bereits im Studium mehr reflektierten Praxisbezug sowie einen früheren und intensiveren Austausch mit Schülerinnen und Schülern.
Auch aus schulischer Sicht wurde das Projekt positiv bewertet. Christian Koch, Lehrer an der IGS Salmtal, sieht in der CampusSchule die Chance, den eigenen „Werkzeugkasten“ als Lehrkraft zu erweitern. Aus Elternperspektive betonte er zudem, wie wichtig es sei, Kindern unterschiedliche Wege des Lernens zu eröffnen. Zugleich könne der Austausch mit angehenden Lehrkräften helfen, diese Perspektive stärker zu reflektieren.
Timo Schlosser, Leiter der Beratungsgruppe für Pädagogischen Schulbau am Pädagogischen Landesinstitut, hob hervor, dass Schulbau pädagogische Prozesse wesentlich mitprägt: Räume beeinflussen, wie gelernt, gelehrt und zusammengearbeitet wird. Moderne Schularchitektur müsse sich deshalb an den vielfältigen Bedürfnissen ihrer Nutzerinnen und Nutzer orientieren. Die CampusSchule biete eine besondere Chance, exemplarisch neue Wege zu gehen und zu erforschen, wie innovative architektonische Konzepte neue Lernkulturen ermöglichen und unterstützen können.
Moderator Clemens Brüchert bündelte die Leitgedanken des Nachmittags in drei Begriffen: Innovation, Mut und Wirkung. Ziel sei ein Vorhaben mit Modellcharakter und nachhaltiger und überregionaler Ausstrahlung.
Langfristige Investition in Bildungsinnovation
Aus Sicht der beteiligten Stiftungen liegt die Stärke des Vorhabens in seiner langfristigen und übertragbaren Wirkung: In Trier entwickelte Konzepte könnten wissenschaftlich begleitet und für andere Bildungsorte nutzbar gemacht werden. Die Stiftungen machten deutlich, dass sich gesellschaftliche Anforderungen heute schnell verändern, während Bildungssysteme häufig nur langsam darauf reagieren können. Gerade deshalb sei die CampusSchule ein wichtiges und unterstützenswertes Vorhaben.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die geplante CampusSchule versteht sich als Investition in Bildungsinnovation mit überregionaler Wirkung. Die in Trier gemeinsam von Schule und Universität entwickelten und wissenschaftlich begleiteten Konzepte sollen künftig auch anderen Schulen sowie der gesamten Lehrkräftebildung zugutekommen.
Kontakt
Prof. Dr. Matthias Busch
Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung
Geschäftsführender Leiter des Zentrums für Lehrkräftebildung
Professur für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften
Tel.: +49 651 201-2168
E-Mail: buschm@uni-trier.de