Pressemitteilung —
Brücke zwischen Wissenschaft und Region: Universitätsgesellschaft Vechta würdigt Abschlussarbeiten mit den UGV-Förderpreisen
Wissenschaftliche Spitzenleistungen fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis von Ausdauer, exzellenter Betreuung und einem unterstützenden Umfeld. Diese Kernbotschaft stand im Mittelpunkt der diesjährigen feierlichen Verleihung der Förderpreise der Universitätsgesellschaft Vechta e.V. (UGV) im Musiksaal der Universität Vechta. Vor Vertretern aus Politik, Wissenschaft und regionaler Öffentlichkeit wurden unter der Moderation von Timo Fuchs aus dem Team Marketing und Kommunikation herausragende Bachelor- und Masterarbeiten sowie wegweisende Dissertationen gewürdigt, die den direkten Transfer von der Theorie in die gesellschaftliche Praxis schlagen. Musikalisch begleiteten Eugen Wiedemann und Janna Krethe den Abend.
Bernd Meerpohl, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft, der zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Martin Kühling die Auszeichnungen übergab, richtete den Blick auf den oft beschwerlichen Weg hinter den Kulissen einer wissenschaftlichen Arbeit. Eine Abschlussarbeit sei „kein kurzer Spaziergang, eher eine anspruchsvolle Wanderung mit gelegentlichen Umwegen und mit der ein oder anderen finalen Version, die dann doch keine finale Version ist“. Umso wichtiger sei die Funktion der UGV als Bindeglied zwischen der Region und dem Campus, um gute Arbeit sichtbar zu machen und gezielt zu fördern. Eine Universität, so Meerpohl, lasse sich nicht primär an Gebäuden, Rankings oder Kennzahlen messen, „sondern vor allem an den Menschen, die hier lernen, lehren, forschen und Verantwortung übernehmen“.
Auch Prof. Dr. Christopher Osterhaus, Vizepräsident für Forschung, Nachwuchsförderung und Internationales, betonte in seinem Grußwort, dass exzellente Forschung niemals im luftleeren Raum stattfinde, sondern immer in soziale Kontexte eingebettet sei. Mit Verweis auf seine eigenen entwicklungspsychologischen Studien unterstrich er die Bedeutung des gemeinschaftlichen Austauschs. Gerade für eine kleinere Institution wie die Universität Vechta sei die Kultur des Miteinanders und der persönlichen Betreuung eine zentrale Stärke. Hier lernten Studierende früh, selbst eine Stimme im wissenschaftlichen Diskurs zu entwickeln. Osterhaus mahnte dazu an, Wissenschaft im dichten Alltag aus Fristen, Prüfungen und Anträgen nicht als Selbstverständlichkeit zu behandeln: „Preise wie dieser schaffen einen Moment, in dem wir wissenschaftliche Arbeit nicht nur bewerten, sondern wertschätzen und gemeinsam feiern.“
Wie lebendig dieser Anspruch in Vechta ausgefüllt wird, zeigte sich in drei moderierten Gesprächsrunden, die stellvertretend für die Bandbreite der prämierten Arbeiten tiefergehende Einblicke boten:
Jana Weber berichtete eindrücklich von ihrer kritischen Analyse im Bereich der Sozialen Arbeit zu sogenannten „Systemsprengern“ in der Kinder- und Jugendhilfe. Sie zeigte auf, dass das Problem oft nicht beim Individuum liege, sondern im System selbst – etwa durch starre Strukturen oder den Fachkräftemangel.
Philipp Dorsten führte das Publikum in die Mechanismen moderner Desinformation im politischen Raum. Am Beispiel von Donald Trump veranschaulichte er das Zusammenspiel von Social-Bots und KI und leitete daraus konkrete, präventive Forderungen für die Verankerung von Medienkompetenz in den niedersächsischen Kerncurricula ab.
Dr. Gerrit Loth schilderte die Herausforderungen und Erkenntnisse seiner Arbeit zum barrierefreien Mathematikunterricht. Durch den Einsatz von Bodycams während seiner teilnehmenden Beobachtung in Schulklassen konnte er spezifische Kognitions- und Sprachbarrieren identifizieren und demonstrieren, wie wichtig eine strukturierte Umgebung ist.
Die Auszeichnungen 2026
- Jana Weber | B.A. | „Systemsprenger*innen“ in der Kinder- und Jugendhilfe – Ein exkludierendes System in kritisch-sozialpädagogischer Perspektive" | Soziale Arbeit | Prof.in Dr.in Nina Oelkers / Dr.in Annika Gaßmöller
- Amanda Schünemann | M.Ed. | „Evolution als Inhalt des Sachunterrichts – Eine qualitative Erhebung der Vorstellungen von Schüler:innen zur Entstehung und Entwicklung der Lebewesen“ | Sachunterricht | Prof. Dr. Steffen Wittkowske / Dr.in Monika Reimer
- Leonie Michalowski | M.Ed. | Inklusion in der Berufsorientierung: Wie berücksichtigen Lehrkräfte Berufsorientierung als Querschnittsaufgabe und inwiefern werden dabei besondere Bedürfnisse von zum Beispiel Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte berücksichtigt? | Erziehungswissenschaften | Prof.in Dr.in Margit Stein / Dr.in Kirsten Rusert
- Sina Meyer | M.Ed. | Leseförderung in der Grundschule – eine Einzelfallstudie mit digitalen Medien | Bildungswissenschaften | Dr.in Kristina Clausen-Suhr / Benjamin Möbus
- Marina Hummel | „Herausforderungen und Bedürfnisse von fachfremden Musiklehrkräften im Primarbereich“ | Musik und Gestaltendes Werken | Dr. Oliver Schöndube / Prof. Dr. Theo Harthog
- Philipp Dorsten | M.Ed. | „Umgang mit Fake News: Eine Herausforderung für die politische Bildung im Zeitalter der Digitalität“ | Politik | Prof. Dr. Karl-Heinz Breier / Jonas Völker
- Gerrit Loth |Dr. phil. | „Barrierefreier Mathematikunterricht - Untersuchung von Barrieren anhand einer mediengestützten inklusiven Lernumgebung zur Förderung einer Datenkompetenz“ | Mathematik | Prof.in Dr.in Martina Döhrmann / Prof.in Dr.in Marie-Christine Vierbuchen
- Carina Anna Kolkmeyer | Dr. phil. | „Zusammenhänge zwischen Kastrationsstatus und Hundeverhalten unter besonderer Berücksichtigung der Hunderasse und verschiedener Gewichtsklassen“ | Biologie | Prof. Dr. Markus Böggemann / Prof. Dr. Michael Böer
150 Euro gab es für die Bachelor-Arbeit, 300 Euro für den Masterabschluss und 600 Euro für die Dissertation.