Pressemitteilung -
"Die eigene Praxis befremden" - Zur Masterforschungstagung in der Sozialen Arbeit | Ein Beitrag von teilnehmenden Studierenden
Im kleinen Musiksaal hat die Masterforschungstagung als zentraler Bestandteil des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an der Universität Vechta stattgefunden. Diese Tagung wurde von den Studierenden des ersten und dritten Fachsemesters eigenverantwortlich organisiert. Dabei ging es darum, die Ergebnisse der Forschungsprojekte des dritten Fachsemesters, sowie die Auswertungen der Praxisbeobachtungen des ersten Fachsemesters vorzustellen und zu diskutieren.
Die Forschungsprojekte der Studierenden des dritten Fachsemesters erstreckten sich über einen Zeitraum von insgesamt 16 Monaten. In dieser Zeit hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich intensiv mit den gewählten Themenfeldern auseinanderzusetzen und ihre Kenntnisse im Bereich der Sozialforschung gezielt zu vertiefen.
Im ersten Teil der Tagung wurden drei qualitative sowie ein quantitatives Forschungsprojekt dargestellt. Es wurde unter anderem erforscht, inwiefern biographische Orientierungen das professionelle Selbstverständnis und die Handlungspraxis von Sozialarbeitenden in der ambulanten Assistenz psychisch erkrankter Menschen beeinflussen. Ein weiteres Projekt untersuchte die Handlungsspielräume von Schulsozialarbeitenden im Umgang mit Mobbing an Schulen und thematisierte dabei die Chancen und Grenzen präventiver sowie intervenierender Maßnahmen. Ein drittes Forschungsprojekt setzte sich mit der Gewaltbereitschaft von Adressat*innen in der ambulanten Suchthilfe auseinander. In diesem Zusammenhang wurden sowohl der Umgang mit Gewalt als auch die Bedeutung von Angst und Vorurteilen der Fachkräfte beleuchtet. Ferner stellten Studierende eine quantitative Erhebung zum Phänomen der sexuellen Belästigung in sozialen Praxisfeldern vor.
Die präsentierten Forschungsergebnisse boten nicht nur vielfältige Einblicke in die unterschiedlichen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit, sondern förderten auch vertiefende Diskussionen im Plenum. Insbesondere wurde herausgestellt, dass wissenschaftlich fundierte Untersuchungen in der Sozialen Arbeit dazu beitragen, Alltagsannahmen sowie voreilige Kategorisierungen aufzuschlüsseln und soziale Wirklichkeiten genauer in den Blick zu nehmen. Auf diesem Wege eignen sich Studierende zum einen eine umfassende Forschungskompetenz an, während sie zum anderen wesentliche Grundlagen für eine professionelle Handlungspraxis erwerben.
Im zweiten Teil der Tagung standen die Praxisbeobachtungen in Form ethnographischer Fallprotokolle im Mittelpunkt.
Auf der Grundlage des Verfahrens der Objektiven Hermeneutik wurden diese rekonstruiert, um so neue Perspektiven auf die Lebenswelten der Adressierten zu eröffnen und zugleich anschlussfähige Interventionsmöglichkeiten zu erschließen. Durch diese vielseitige Betrachtung der Textquellen gelang es den Studierenden, ihre eigene sozialarbeiterische Praxis zu "befremden" und über die hergestellte Distanz zu ihren Praxiskontexten weitere Dimensionen sozialer Wirklichkeit sichtbar zu machen.
Insgesamt hat die Tagung den unverzichtbaren Stellenwert von Forschung für die Professionalisierung Sozialer Arbeit erneut nachgezeichnet. Darüber hinaus wurde ein Raum geschaffen, indem die unterschiedlichen Beteiligten im gemeinsamen Austausch fachliche Inhalte und methodische Fragestellungen reflektierten und so der universitären Diskursgemeinschaft von Studierenden und Lehrenden Rechnung getragen werden konnte.
Ein Beitrag von den Masterstudierenden Marina Albers, Tanja Dieter, Alwina Heckel, Saskia Sahada