Pressemitteilung —
„Gemeinsam wachsen“: Einblicke in ein besonderes Tandem – Silvia Breher informiert sich zu Mentoring-Programm „Balu und Du“.
Wie kann individuelle Förderung von Kindern gelingen und gleichzeitig das soziale Engagement junger Erwachsener gestärkt werden? Um diese Fragen zu erörtern, besuchte Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Vechta/Cloppenburg, vergangene Woche das Projekt „Balu und Du“ vor Ort beim Caritassozialwerk in Lohne. Das CSW ist Projektträger des Mentoring-Programms und führt dieses zusammen mit der Universität Vechta seit 2008 durch. In einem gemeinsamen Austausch mit Studierenden, der Projektkoordination sowie Vertretern der Uni Vechta und der Organisation „Balu und Du“ e.V. standen sowohl die Bedeutung von informellem Lernen und Ehrenamt als auch die Teilhabe benachteiligter Kinder im ländlichen Raum im Fokus.
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Die Begegnung zwischen "Balu" Rieke Schmold und "Mogli" Eldi ist hier nachzulesen
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Heribert Mählmann, Vorstand des CSW, dankte Silvia Breher für ihren Besuch und stellte in seiner Begrüßung das Projekt als bewährtes und erfolgreiches Zusammenwirken von CSW und Universität Vechta dar. Junge Menschen bekämen die Chance, in die Arbeitsbereiche des CSW zu schauen und als mögliche Fachkräfte frühzeitig Einblicke in Tätigkeitsfelder bspw. der Jugendhilfe zu bekommen. „Dies ist angesichts des Fachkräftemangels ein gutes Projekt. Derzeit betreuen wir bspw. zehn Studierende der Universität Vechta im Anerkennungsjahr“, so Mählmann. Interimspräsident Prof. Dr. Thomas Bals betonte: „Transfer ist für uns kein Selbstzweck, sondern der messbare Mehrwert, den wir als Universität für die Gesellschaft leisten. Ein zentraler Schlüssel ist dabei das Service Learning. Ich freue mich sehr, dass wir dieses Projekt an der Uni Vechta haben, gerade in Hinblick auf unsere interaktionsbezogenen Studiengänge.“
Entwickelt wurde das Programm 2002 als gemeinsames Projekt der Universität Osnabrück und des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln. Ziel war es, ein Präventionsprogramm zu schaffen, bei dem junge Erwachsene (Studierende) als Mentoren („Balus“) Grundschulkinder („Moglis“) im Alltag begleiten und fördern. Aufgrund des großen Erfolgs und der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit wurde das Konzept schnell auf ganz Deutschland ausgeweitet und wird heute von einem gemeinnützigen Verein koordiniert. „Mittlerweile sind wir auch sehr präsent in kleinen Orten, denn seelische Gesundheit ist nicht nur ein Thema in der Stadt, sondern auch im ländlichen Raum“, so Dr. Dominik Esch, Mitbegründer des Programms und geschäftsführender Vorstand des Vereins Balu und Du e.V. In seiner Präsentation machte er deutlich, dass Balu und Du eine der wirksamsten Interventionen in der Präventionsarbeit sei und nachweislich zu einem zufriedenen Leben von jungen Kindern führe. Das Besondere an diesem Projekt: „Es ist keine hauptamtliche sozialpädagogische Hilfe, keine Bevormundung der Eltern, sondern eine Beziehung auf Zeit, die professionell begleitet wird“, so der Theologe und Sozialarbeiter. Und es sei ein alltäglicher Kontakt, der nach einem Jahr enden, aber auch in einer Freundschaft münden könne.
Im Mittelpunkt des Treffens standen zudem die Erfahrungen der sogenannten „Balus“, die als Mentoren ein Jahr lang ein Grundschulkind begleiten. Der Austausch verdeutlichte, wie das Programm nicht nur die Kinder in ihrer Entwicklung stärkt, sondern auch den Studierenden wertvolle Praxiserfahrungen für ihren späteren Lebensweg vermittelt.
„Ich bin gerade in der Praxisphase und es ist wichtig, dass man jedes einzelne Kind wertschätzt. Man weiß nicht, was alles zu Hause passiert. Es ist wichtig, sich in die Kinder hineinzuversetzen, sich für ihre Belange einzusetzen und ihnen mit Respekt zu begegnen, so Rike Schmoldt, Studentin der Uni Vechta. Das Projekt habe ihr bereits während des Studiums viel Einblick in die Praxis gegeben und sie darauf vorbereitet. „Ich habe mehr in diesem Jahr gelernt, als ich sonst in einer anderen Uni-Veranstaltung hätte lernen können“, so die angehende Lehrerin.
Auch Merle Sophie Kruse berichtete eindrucksvoll von ihren Treffen mit ihrem Mogli. „Ich habe mit meinem Mogli eine super Verbindung. Unsere Ausflüge führen uns vor allem ins Schwimmbad; wir haben zusammen das Schwimmen gelernt. Da ist mein Mogli besonders stolz drauf.“
Projektkoordinator Volker Hülsmann berichtete von den täglichen Erfolgen und den Herausforderungen bei der Umsetzung des Programms. Insgesamt 505 Kinder seien seit 2008 als Mogli betreut worden. Das Projekt sei mit dem Ziel gestartet, Kinder stark zu machen, und das erlebe er in der Betreuung der Studierenden auf ganz vielfältige Weise.
Silvia Breher zeigte sich als Politikerin wie Mutter beeindruckt von dem Programm: „Ich finde das Konzept extrem stark, weil es eine klassische Win-Win-Situation schafft. Einerseits profitieren die Kinder in ihrer Entwicklung, andererseits werden bspw. unsere zukünftigen Lehrkräfte dort abgeholt, wo es zählt: in der echten Interaktion. Diese Erfahrung, sich intensiv mit einem Kind auseinanderzusetzen, ist eine Kernkompetenz, die man in der Theorie kaum lernen kann.“
Ein kurzes Video des Treffens ist auf dem Instagram-Kanal der Universität Vechta zu finden: @univechta
(v.l.) Heribert Mählmann, Silvia Breher, Dr. Dominik Esch, Merle Sophie Kruse, Prof. Dr. Thomas Bals, Volker Hülsmann und Rieke Schmoldt.