Pressemitteilung —
KI an Schulen: Zwischen technologischem Hype und pädagogischer Mündigkeit | 10. Zukunftstag der niedersächsischen Kompetenzzentren für regionale Lehrkräftefortbildung an der Universität Vechta
KI stellt Schulen, Lehrkräfte und die Lehrkräftefortbildung in Niedersachsen und landesweit vor neue Herausforderungen. Sie bietet zahlreiche Chancen – beispielsweise im Bereich der Diagnostik und der Individualisierung des Lernens – trägt aber gleichzeitig vermeintliches Wissen zusammen, das lediglich auf Wahrscheinlichkeiten beruht. Unter dem Titel „Gemeinsam Schule von morgen denken – KI in Schule und regionaler Lehrkräftefortbildung“ fand am 17. und 18. September an der Universität Vechta der 10. Zukunftstag der niedersächsischen Kompetenzzentren für regionale Lehrkräftefortbildung statt. Vertreterinnen und Vertreter aller zwölf niedersächsischen Kompetenzzentren für regionale Lehrkräftefortbildung sowie des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) tauschten sich zum Thema KI und ihren Erfahrungen aus. Die teils kostenfreie Verfügbarkeit von KI Tools, ihre rasante Entwicklung und die damit verbundenen Möglichkeiten stellen Schulen vor die Aufgabe, eine eigene Strategie im Umgang mit KI zu finden. Die Kompetenzzentren in Niedersachsen können Schulleitungen und Lehrkräfte dabei unterstützen, ihr Wissen und ihre Kenntnisse zu erweitern sowie Schul- und Unterrichtsentwicklung zu fördern.
Den fachlichen Auftakt der Fachtagung – nach Begrüßung durch Dr. Niels Logemann, Fortbildungsverantwortlicher des Kompetenzzentrums an der Universität Vechta, Professorin Dr. Raphaela Porsch, Wissenschaftliche Leiterin des Zentrums, sowie die Vizepräsidentin der Universität Vechta, Professorin Dr. Martina Döhrmann – machte Christian Schlöndorf, Leiter der Abteilung „Digitalisierung und Informationstechnologien“ beim NLQ. In seinem Eröffnungsimpuls „Mensch. Maschine. Mündigkeit.“ verdeutlichte er, dass die rasante Entwicklung generativer KI-Systeme weit mehr als nur eine technische Neuerung sei – sie berühre das Fundament unseres Bildungsverständnisses. Wenn Wissen und Texte per Knopfdruck automatisiert werden können, verändere sich die Rolle von Schule grundlegend. Ethische Reflexion, kritisches Hinterfragen und Urteilskraft müssten im Zentrum der pädagogischen Verantwortung bleiben und Lernprozesse werden wichtiger anstelle von Ergebnisprodukten.
Welche Herangehensweisen die Schulen entwickeln, um auf den rasanten Fortschritt generativer KI zu reagieren, zeigten eindrucksvoll zwei KI‑Schulpreisträgerschulen. Die BBS Wechloy präsentierte, wie sie das gesamte Kollegium auf das Arbeiten mit KI vorbereitet und gleichzeitig die KI konkret für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern nutzt. Mit dem Projekt „Schnackbar“ zeigte die Schule, wie Virtual Reality und KI zur individuellen Förderung beruflicher Kommunikations- und Sprachkompetenzen genutzt werden können. Sowohl Lehrkräfte als auch Lernende sollen um die Vorteile und die Fallstricke von KI wissen. Auch die Friedensschule Osnabrück zeigte, wie sie die Aufklärung der Schülerinnen und Schülern über Künstliche Intelligenz mittels analoger Methoden betreibt und dieses Vorgehen in dem Projekt „demoKI“ gleichzeitig für Demokratiebildungsprozesse nutzt.
Kira Baresel und Benjamin Möbus von der Universität Vechta warnten in ihrem Beitrag „Wozu und wofür? Ziele und Nutzungsszenarien Künstlicher Intelligenz in Schule und Unterricht“ vor einem reinen „Technik-Fanatismus“. Viel zu oft drehe sich die Debatte nur um technische Tools und deren Funktionen, während die didaktische Einbettung in den Hintergrund rücke. Die zentralen Fragen müssten lauten: Was wollen wir mit dem KI-Einsatz erreichen und wo ist er pädagogisch sinnvoll?
Den Abschluss bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Franco Rau (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) über verbreitete Vorstellungen und Denkfiguren von KI im Bildungsbereich und deren Einfluss auf die Schulentwicklung. In einem interaktiven World Café tauschten sich die Teilnehmenden im Anschluss über Vor- und Nachteile bzw. Potentiale und Herausforderungen von KI-Anwendungen in der Schule aus und ebenso über konkrete Ansätze für künftige Fortbildungsangebote.
Die Vermittlung von KI-Kompetenzen darf nicht vom Engagement einzelner Schulen abhängen. Wie auf der Tagung deutlich wurde, braucht es im Idealfall eine landesweite Gesamtstrategie, um Bildungsgerechtigkeit und digitale Teilhabe zu sichern. Erste landesweit zugängliche KI-Tools und die Unterstützung durch die medienpädagogische Beratung zeigen in die richtige Richtung. Nun gilt es, die Kräfte in Netzwerken zu bündeln, statt die Verantwortung bei Einzelschulen zu verorten. Schließlich muss die Rolle von Fortbildungen im Zusammenhang neu gedacht werden – eine Aufgabe für die Kompetenzzentren und das NLQ: neben standardisierten Angeboten zum Einstieg braucht es für die Weiterentwicklung der Lehrkräfte und Schulen personalisierte Unterstützung.
Dr. Niels Logemann
Christian Schlöndorf
Benjamin Möbus und Kira Baresel