Direkt zum Inhalt springen
Luis Klawitter und Marita Bögershausen sind eines der 65 Digital Tandems in einem Projekt, das gezielt Studierende und ältere Menschen zusammenbringt

Pressemitteilung

Mehr Sicherheit, mehr Teilhabe: Warum das Vechtaer „Digital-Tandem“ wirkt | Studierende begleiten Seniorinnen und Senioren im Medienalltag

Mehr Sicherheit, mehr Teilhabe: Warum das Vechtaer „Digital-Tandem“ wirkt | Studierende begleiten Seniorinnen und Senioren im Medienalltag

Der Laptop steht bereit, das Smartphone liegt daneben – Marita Bögershausen ist startklar. Es ist eine der letzten Sitzungen, die sie zusammen mit Luis Klawitter auf dem Campus haben wird. Der Student des Fachs Management Sozialer Dienstleistungen an der Universität Vechta unterstützt die 77-Jährige im Zuge des Projekts Digital-Tandem beim Umgang mit mobilen Endgeräten und der entsprechenden Software. Heute wollen sich beide um die Einrichtung ihres neuen Laptops kümmern. „Luis konnte mir die anfängliche Unsicherheit nehmen“, sagt Marita Bögershausen. Auch Navigation, der Umgang mit Fotos, Notizen und Mails, was eine Künstliche Intelligenz kann, aber auch nicht kann, oder aber der vorsichtige Umgang mit Anzeigen oder Ähnlichem waren Themen. Beide haben sich, wie 65 weitere Paare, über das „Digital-Tandem“ zum Beginn des Sommersemesters kennengelernt. Ein Projekt, das gezielt einen Mehrwert für Studierende, ältere Menschen sowie Wissenschaft und Praxis setzt.

Dass Bedarf an einer solchen Eins-zu-eins-Betreuung ist groß. Das Projektteam der Universität Vechta hat im Vorfeld die Angebote von 451 lokalen Initiativen zur Förderung digitaler Teilhabe analysiert. Das Ergebnis: Weniger als 25 Prozent Initiativen bietet ortsungebundene, explizit intergenerationelle Formate an und nur 15 Prozent listen Angebote, die aktiv junge „Digital Natives“ einbinden. In klassischen Gruppenkursen fehlt oft die Zeit, um auf individuelle, alltagsnahe Fragen einzugehen. Hier setzt das Digital-Tandem an. Es schließt die Lücke zwischen theoretischen Kursen und der praktischen Anwendung zu Hause.

Für die ältere Generation ist der Umgang mit Smartphone und Laptop keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig stehen Studierende in ihrer späteren beruflichen Praxis oft vor der Herausforderung, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eine völlig andere (digitale) Sozialisation erfahren haben. Im Tandem entsteht ein geschützter Lernraum: Die Studierenden schulen ihre Empathie und lernen, komplexe technische Inhalte verständlich zu vermitteln.

Die positiven Effekte des Projekts sind keine bloßen Vermutungen, sondern wissenschaftlich fundiert. Die bisherige wissenschaftliche Begleitforschung zeigt deutliche Erfolge für beide Seiten: Laut den Untersuchungen fühlen sich Seniorinnen und Senioren nach der Teilnahme signifikant auf als vor dem Tandem. Zudem gaben die Befragten an, sich nach dem Projekt weniger einsam zu fühlen. Knapp 95 Prozent der älteren Teilnehmenden würden die Tandems weiterempfehlen und 85 Prozent der Studierenden sich erneut engagieren. Marita Bögershausen ist ebenfalls froh über das Angebot. Luis habe ihr gut weiterhelfen können, zumal die eigene Familie sich so nicht die Zeit extra hätte nehmen müssen. Mit Ende des Seminars ist der Kontakt für Luis Klawitter zu seiner Tandempartnerin nicht automatisch vorbei: „Wir haben abgesprochen, dass sich Marita gern bei mir melden kann. Dann schauen wir gemeinsam, ob ich ihr spontan weiterhelfen kann.“

„Unsere Begleitforschung zeigt deutlich, dass das Digital-Tandem weit mehr ist als eine reine Technikberatung. Es schafft echte soziale Nähe, baut Berührungsängste ab und stärkt die digitale Selbstständigkeit nachhaltig“, erklärt Dr. Bernd Josef Leisen, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. „Besonders bemerkenswert ist die hohe soziale Komponente: Dass über 60 Prozent der Teilnehmenden auch nach dem Projektende in Kontakt bleiben, belegt, dass hier echte generationenübergreifende Brücken gebaut werden.“

Eine neue Evaluationswelle steht bereits für August 2026 an. Untersucht wird dann, wie sich die erlebte Tandembeziehung und der Kompetenzerwerb zwischen reinen Online-Treffen, Präsenztreffen und hybriden Formaten unterscheiden.

Das Projekt wird von der Universität Vechta gemeinsam mit der TU München, der Universität zu Köln und der FAU Nürnberg-Erlangen als Service-Learning-Modul angeboten. Koordiniert werden die Tandems von einer Mitarbeiterin des Vechtaer Vereins Generationen Digital Verbinden e. V. in welchem auch gleichzeitig viele Dorende, Studierende und Alumni der Universität Vechta aktiv sind.

Um ältere Menschen unkompliziert zu erreichen, kooperiert das Projekt mit regionalen Partnern. Einrichtungen wie die SelbstgestAlter (Vechta, Visbek, Dinklage), Die Macher in Cloppenburg, die Ehrenamtsagenturen (Lohne, Cloppenburg, Oldenburg), die Caritasgemeinden sowie lokale Volkshochschulen fungieren als wichtiges Bindeglied. Sie übernehmen die Bekanntmachung vor Ort und vermitteln Teilnehmende.

Gefördert wird das Digital-Tandem von März 2026 bis März 2027 durch die Deutsche Postcode Lotterie. Die analogen Handy-Cafés in den Caritas-Gemeinden – etwa zur Deckung von Fahrtkosten der Studierenden – unterstützt die Stiftung Eheleute Taphorn.

Im kommenden Semester wird das Angebot in bewährter Struktur fortgeführt. Aufgrund der positiven Resonanz werden zudem sogenannte „Kurzengagements“ weiter ausgebaut. Dazu gehören beispielsweise Onlineschulungen in Kooperation mit dem Verein Wege aus der Einsamkeit e. V. oder Einsätze in den „Smarten Cafés“ der Praxispartner.

Für Studierende und externe Interessierte gelten folgende Anmeldeoptionen

Für Studierende: Die Anmeldung ist mit der Freischaltung des Lehrangebotes im Profilierungsbereich ab Freitag, 11. September 2026, möglich.

Für Seniorinnen und Senioren sowie externe Interessierte: Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Website des Vereins Generationen Digital Verbinden e. V. Alternativ ist eine Anmeldung per E-Mail an digital-tandem@generationen-verbinden.digital oder telefonisch bei Stephanie Tabeling-Staats unter 0152 56716246 möglich.

Themen

Kategorien

Regionen

Kontakt

  • Mehr Sicherheit, mehr Teilhabe: Warum das Vechtaer „Digital-Tandem“ wirkt | Studierende begleiten Seniorinnen und Senioren im Medienalltag
    Lizenz:
    Nutzung in Medien
    Dateiformat:
    .jpg
    Copyright:
    Universität Vechta
    Dateigröße:
    6000 x 4000, 5,39 MB
    Download