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Während der Verabschiedung: Prof. Dr. June H. Park und Interimspräsident Prof. Dr. Thomas Bals

Pressemitteilung

Prof. Dr. June H. Park geht in den Ruhestand

Fast genau 14 Jahre war Prof. Dr. June H. Park aktiv als Universitätsprofessor und Leiter des Studienfachs Designpädagogik. In dieser Zeit hat er die beiden Teilstudiengänge Designpädagogik und Gestaltendes Werken weiterentwickelt und durch zwei Reakkreditierungsverfahren geführt. Der europaweit singuläre Teilstudiengang Designpädagogik genießt an den pädagogischen Hochschulen in Österreich und der Schweiz hohes Ansehen und die Promotionsmöglichkeit in Designpädagogik an der Universität Vechta ist inzwischen begehrt. Anfang Oktober verabschiedet sich Prof. Dr. Park in den Ruhestand. Im Interview spricht er über seine zurückliegende Zeit in Vechta.

Wenn Sie Ihr Fachgebiet mit nur wenigen Sätzen beschreiben würden: Um was handelt es sich dabei und was reizt Sie persönlich daran?

Designpädagogik ist kurz gesagt: Design-Verständnis-Vermittlungs-Gestaltungs-Wissenschaft. Ihr pädagogischer Gegenstand umfasst die elementaren Erfahrungen des sinnlich-haptischen und des künstlerisch-gestalterischen wie auch des kognitiv-kreativen Bereichs. Mein Interesse gilt dem erweiternden Übergang: ausgehend von der handwerklich-materialorientierten Werkpädagogik zur kreativ-entwurfsorientierten Designpädagogik. Den Grundstein hat bereits mein Vorgänger Prof. Carius gelegt, den er 2006 in seinem Positionspapier „DESIGN-INITIATIVE-SCHULE“ festhielt. Design als Schulfach oder zumindest als Thema an Schulen zu integrieren, war das Ziel, das noch heute gilt. Warum? Die Antwort: Designpädagogik macht Kinder und Jugendliche zu Forscher*innen ihrer eigenen Lebenswelt und Entwickler*innen ihrer eigenen Zukunft.

Wo liegt derzeit Ihr Fokus in diesem weiten Themenfeld und was wird hier in Zukunft aus Ihrer Sicht wichtig sein, weiter zu bearbeiten?

Design im erweiterten Sinne ist ein Instrument des Kulturwandels, Designprozess ein Weg zum gelingenden Umgang mit neuen Herausforderungen. Diese sind grundlegende Kompetenzen für die nachkommenden Generationen. Designpädagogik ist kein neues Etikett für Werkpädagogik, sondern eine Möglichkeit, die etwas altmodisch und nostalgisch angehauchte Werkpädagogik für die zeitgenössische und zukunftsgerichtete Bildung anschlussfähig zu machen. Mit der Designpädagogik setzt sich die Reformpädagogik fort. Designpädagogik leistet ihren Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, indem sie durch Integration des Designprozesses als konkretes Beispiel für das Forschende Lernen an Schulen implementiert und so Grundlagen für Innovationskompetenz schafft, oder mit anderem Worten: Kreativität fördert. Ich meine damit weniger die bildnerische Kreativität, sondern vielmehr die radikale Kreativität. Radikale Kreativität schimmert durch, wenn ein Kind z.B. fragt, warum es seine Eltern nicht selber aussuchen kann. Designpädagogik trägt dazu bei, Selbstverständliches in Frage zu stellen, und zwar mit Lust und ohne Angst, dafür negativ sanktioniert zu werden.

Designpädagogik übernimmt die Aufgabe zu vermitteln, dass die Welt und die Dinge darin, materielle und immaterielle Dinge, allesamt gestaltet und gestaltbar sind. Kein anderes Schulfach kann diesen Umstand lebensnäher thematisieren als das Fach Design. Die Bedeutung von Design kann man daran ermessen, dass Design Thinking – eine Spielart des Designprozesses – heute weltweit und branchenübergreifend sehr weit verbreitet ist.

Wenn Sie an die gesamte Zeit Ihrer wissenschaftlichen Karriere in Vechta denken: Welche Ämter oder Funktionen hatten Sie inne, was sind für Sie persönlich die wichtigsten Wegmarken gewesen?

Neben meiner Daueraufgabe als Leiter und Studienfachsprecher der Designpädagogik war ich u. a. auch Mitglied der Zentralen Studienkommission, Auslandsbeauftragter, Vorsitzender der Eignungsprüfungskommission und Wissenschaftlicher Leiter des Graduiertenzentrums.

Als ich 2012 meine Stelle antrat, hatte das Studienfach Designpädagogik lediglich eine einzige Werkstatt: die Holz- und Metallwerkstatt. Im Laufe der Zeit konnte ich weitere 5 Werkstätten einrichten. Das sind Keramikwerkstatt, Druckwerkstatt, Medienstudio, MakerSpace und zuletzt Projektatelier, die das Lehrangebot unseres Studienfaches enorm bereichern.

Stolz bin ich auch auf die Initiierung der Schriftenreihe „Design & Bildung“, die sich schnell als Diskussionsforum für pädagogische und didaktische Auseinandersetzung mit Design entwickelt hat und bislang das einzige Fachorgan im deutschsprachigen Raum geblieben ist. In den drei bisher erschienen Bänden konnten wegweisende Beiträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dank der Förderung durch die Stiftung Deutsches Design Museum veröffentlicht werden.

Die Frage, was mein wichtigster Meilenstein während meiner Tätigkeit an der Universität Vechta ist, kann ich leicht beantworten. Das ist die bildungswissenschaftliche Fundierung der Designpädagogik. Diese ist in mehreren Publikationen, zuletzt 2025 in der Zeitschrift für Pädagogik, erschienen. Auch durch zahlreiche Einladungen für Vorträge im In- und Ausland durfte ich den Eindruck bestätigt bekommen, dass damit eine Pionierarbeit vorliegt. Diese Anerkennung der Wissenschaftsgemeinde ist ein schönes Abschiedsgeschenk am Ende meiner wissenschaftlichen Karriere.

Im Leben nach der Universität Vechta freue ich mich über mehr Zeit für meine Familie, Freunde und Hobbys.

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