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Prof. Dr. Steffen Wittkowske (Mitte hinten) während der Abschiedsfeier zusammen mit Mitarbeitenden und Studierenden aus dem Fach Sachunterricht.

Pressemitteilung -

Prof. Dr. Steffen Wittkowske im Ruhestand

Seit mehr als 40 Jahren ist er im Öffentlichen Dienst tätig und 2003 erhielt er den Ruf auf die Universitätsprofessur für Didaktik des Sachunterrichts an die heutige Universität Vechta. Nun ist Prof. Dr. Steffen Wittkowske in den Ruhestand gegangen. Dem Fach bleibt er unter anderem mit der der Betreuung von Dissertationen und Abschlussarbeiten treu. Bei seiner Abschiedsfeier ehrte ihn das Team des Sachunterrichts mit der Benennung des von ihm initiierten und umgesetzten Lehr- und Forschungsgartens an der Universität Vechta in den „Wittkowske-Garten für Lehre und Forschung“. Über seine Zeit an der Hochschule spricht Prof. Dr. Steffen Wittkowske im Interview.

Ihre Denomination lautet „Universitätsprofessor für Didaktik des Sachunterrichts“. Um was handelt es sich dabei und was reizt Sie persönlich daran?

Die Didaktik des Sachunterrichts beschäftigt sich mit der Begründung und Erforschung von Lehr- und Lernprozessen, von Bildungsaufgaben und Bildungsinhalten sowie mit Formen der Auseinandersetzung von Kindern mit physischen, technischen und gesellschaftlichen Erscheinungen der Lebenswelt der jüngsten in der allgemeinbildenden Schule Lernenden. Als Diplomlehrer für die Unterrichtsfächer Biologie und Chemie, als promovierter Gesundheitserzieher und Lehrerbildner an unterschiedlichen Institutionen hatte ich vor meinem Vechtaer Dienstantritt im Jahr 2004 Gelegenheit, zum Sachunterricht und seiner Didaktik, zur Theorie und der Praxis der Schulgartenarbeit, sowie in den Disziplinen Ethik, Biologie, Geographie /Astronomie, sowie zur Gesundheitserziehung, Ernährungsbildung und Verbraucherorientierung zu lehren und zu forschen. Die hier ausgeschriebene Universitätsprofessur mit naturwissenschaftlich-technischer Schwerpunktsetzung spiegelte deshalb meine Biographie einerseits wider und bot andererseits weiteres wissenschaftliches Entwicklungspotenzial. Zudem bot sich mir die Chance, in der Ausbildung von Grundschullehrkräften für den Sachunterricht eigene moderne und zukunftsfähige Ansätze einzubringen, um schon im Studium zu beginnen, Schule neu zu denken. Sachunterricht ist dafür das zentrale Grundschulunterrichtsfach, das Heranwachsenden helfen kann, sich in einer sich immer schneller verändernden Welt zurechtzufinden.

Wo liegt Ihr Fokus in diesem weiten Themenfeld und was wird hier in Zukunft aus Ihrer Sicht wichtig sein, weiter zu bearbeiten?

Für mich war es Herausforderung und Berufung, den Studierenden Instrumente an die Hand geben zu dürfen und mit Humor praktisch vorzuleben, wie das Lernen im Sachunterricht so zu konzipieren ist, dass es erstens anschlussfähig ist für nachfolgendes Lernen, zweitens aber auch ein bildungstheoretisches Fundament hat; denn damit erst wird der Zukunftsbezug des Lernens gewährleistet. Die Betonung liegt auf orientierendem Basiswissen und auf Methoden, die es erlauben, Anpassungs- und Gestaltungsleistungen in Zukunft zu vollziehen, weiter zu lernen und einen Transfer auf neue Situationen zu leisten. Mittlerweile ist es Konsens, dass eine derartige bildungstheoretische Orientierung curriculare, didaktische und organisatorische Konsequenzen haben muss. Lernen ist ein aktiver und sozialer Prozess: Mit wem gelernt und gearbeitet wird, beeinflusst in entscheidender Weise, was gelernt werden kann. Schulen dürfen erwarten lassen, dass sie das Potenzial aller Schüler:innen mobilisieren und erkennen, dass gewöhnliche Schüler:innen außergewöhnliche Fähigkeiten haben, aber unterschiedlich lernen. Sie müssen dementsprechend individuell gefördert werden – durch Lehr- und Lernformen, die nicht defizitär angelegt sind und die Lernenden damit ständig vor Misserfolge stellen, sondern die wirklich auf den Einzelnen zugeschnitten sind. Zudem steht der Sachunterricht in der Verantwortung, auf die verschiedenen Interessen, Fähigkeiten und sozialen Kontexte der Heranwachsenden mit konstruktivem und individuellem Umgang mit Vielfalt zu reagieren.

Woran erinnern Sie sich rückblickend auf Ihre Vechtaer Zeit?

Vieles wird bleiben, einiges ist mir aus mehr als zwei Jahrzehnten Dienstzeit besonders in Erinnerung geblieben: In erster Linie die wertvolle, gute Zusammenarbeit mit meinen Kolleg:innen im Fach, die Gespräche und Projekte mit den Wissenschaftler:innen anderer Disziplinen, der Austausch mit sehr vielen Personen aus der Verwaltung und des technischen Bereichs, besonders jedoch das Wissen und Können vieler meiner Studierender, ihr fachliches Interesse und ihre Leistungsbereitschaft, aber auch die wahrgenommene menschliche Beziehung untereinander, zu der ich hoffentlich beitragen konnte.

Unser Fach hat sich in den zurückliegenden Jahren in die Spitzengruppe der universitären Ausbildungsstandorte im deutschsprachigen Raum entwickeln können. Das war nur gemeinsam zu leisten und möglich. Mehrere Promotionen konnten unter meiner Betreuung in Vechta in der Didaktik des Sachunterrichts mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen werden; zahlreiche, forschungsbasierte und mit Wissenschaftspreisen dekorierte Masterarbeiten zeugen von dem beachtlichen Niveau unserer grundschuldidaktischen Lehre und Forschung.

Obwohl nicht alle Projektanträge für Forschungsmittel zu einer Finanzierung führten, sind unter meiner Leitung oder Mitbeteiligung und mit Unterstützung der Lehrenden sowie der Studierenden des Faches für die Universität Vechta – und zum Teil weit darüber hinaus – eine Reihe von besonders beachteten Projekten umgesetzt worden: Zu nennen wären die Einrichtung des seit nunmehr fast zwanzig Jahren arbeitenden Lehr- und Forschungsgartens (gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt) mit den assoziierten Streuobstwiesenflächen, das 2014 gegründete Kompetenzzentrum Schulverpflegung (in Kooperation mit dem Deutschen Netzwerk Schulverpflegung e.V.), mehrere, auch international beachtete und publizierte Ringvorlesungen und durchgeführte Tagungen und Kongresse an der Universität Vechta. Außerdem gelang es mir, als Herausgeber bzw. Autor gut 200 Publikationen (Monographien / Herausgeberbände / Unterrichtswerke / Beiträge in Fachzeitschriften und weitere Materialien) von Vechta aus zu veröffentlichen und auf nationalen und internationalen Tagungen präsent zu sein.

Wenn Sie an die gesamte Zeit Ihrer Karriere in Vechta denken, was sind für Sie persönlich die wichtigsten Wegmarken und Meilensteine gewesen?

Neben diesen Erinnerungen, gibt es eine Vielzahl weiterer positiver, zu erwähnender: Parallel zu meinem Dienstantritt begann die Einführung der konsekutiven Lehramtsstudiengänge in Niedersachsen und an der Universität Vechta. Verantwortung übernahm ich als erster Prüfungsausschussvorsitzender für den „Master of Education“ und übte dieses Amt über anderthalb Jahrzehnte aus. Von politischem Erfolg gekrönt waren die später folgenden Bemühungen zur inhaltlichen und strukturellen Fortentwicklung des akademischen Lehramtsstudiums (Stichwort: 10 Semester Regelstudienzeit). Mehrere Legislaturen vertrat ich als Senatsmitglied meine Wahlliste im Akademischen Senat, war in verschiedenen Senatskommissionen aktiv, wirkte für das IfD und die später gegründeten Departments / Fakultäten in unterschiedlichen Funktionen. Über ein Jahrzehnt war ich gewählter Fachsprecher.

Aus den Jahrzehnten meiner Tätigkeit an der Universität – nach einer Änderung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes durfte sich Vechta seit Juni 2010 offiziell so nennen, für uns alle war das Anerkennung und besonderer Erfolg – könnte auch über manch anders Erlebtes, Nichtbefriedigendes, Enttäuschendes berichtet werden. Allein, hier soll nur der Hinweis darauf und demgegenüber mein Lebens-Motto angeboten werden: Sachlich, kritisch, optimistisch.

Und darüber hinaus, woran erinnern Sie sich?

An die Zeiten des Anfangs mit der durchaus und immer wieder neu formulierten Frage nach den Buchstaben auf meinem Auto-Kennzeichen (MEI – blaue Schwerter sind hier leider nicht zu tragen…), an wertschätzende und zugewandte Begegnungen mit Bekannten und Freund:innen aus Vechta und „umzu“, den lieben Nachbarn, Personen in Schulen und Kindertagesstätten, an Gespräche beim Spargel-Bauern oder in meiner Auto-Werkstatt, wo sich immer danach erkundigt wurde, wann meinerseits wieder eine neue Kolumne der „PERSPEKTIVEN“ bei der Oldenburgischen Volkszeitung eingestellt wird.

Verabschiedung durch Interimspräsident Prof. Dr. Thomas Bals


Bereits im Januar organisierte das Team aus dem Fach Sachunterricht eine Abschiedsfeier...


...und enthüllte dabei das nun namensgebende Schild des Lehr- und Forschungsgartens an der Universität Vechta.


Kurz-Vita

Dr. Steffen Wittkowske, seit 2004 Universitätsprofessor für Didaktik des Sachunterrichts an der Universität Vechta. Lehraufträge und Gastprofessuren an den Universitäten Hamburg und Leipzig, der TU Dresden und den Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg (Feldkirch) und Burgenland (Eisenstadt)/ A.

Akademische Lehre und Forschung zum Sachunterricht und seiner Didaktik, der Theorie und der Praxis der Schulgartenarbeit, sowie in den Disziplinen Ethik, Biologie, Geographie/ Astronomie, sowie zur Gesundheitserziehung, Ernährungsbildung und Verbraucherorientierung.

Leiter des „Kompetenzzentrums Schulverpflegung“ an der Universität Vechta (seit 2014). 2006: Sonja-Bernadotte-Preis „Wege zur Naturerziehung“, 2018

„Goldener Teller Wissenschaft“ des DNSV.

Herausgeber bzw. Autor von mehr als 200 Publikationen (Monographien/ Herausgeberbände/ Unterrichtswerke/ Beiträge in Fachzeitschriften und weitere Materialien), z. B. Glumpler, E. & St. Wittkowske (Hrsg., 1996): Sachunterricht heute – Zwischen interdisziplinärem Anspruch und traditionellem Fachbezug. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Baier, H. & St. Wittkowske (Hrsg., 2001): Ökologisierung des Lernortes Schule. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Kahlert, J., Fölling-Albers, M., Götz, M., Hartinger, A., Reeken, D. v. & St. Wittkowske (Hrsg., 2007): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Wittkowske, St. & H. Giest (Hrsg., 2008): Naturbezogenes und naturwissenschaftliches Lernen im Sachunterricht. Reihe „Praxis Pädagogik – Sachunterricht konkret“. Hannover & Bad Heilbrunn: Westermann & Julius Klinkhardt. ● Ensberg, C. & St. Wittkowske (Hrsg., 2010): Fachdidaktiken als praktische Wissenschaften. Grundlagen – Positionen – Perspektiven. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Hempel, M. & St. Wittkowske (Hrsg., 2011): Entwicklungslinien Sachunterricht. Einblicke in die Geschichte einer Fachdidaktik. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt 2011. ● Pütz, N. & St. Wittkowske (Hrsg., 2012): Schulgarten- und Freilandarbeit. Lernen, studieren und forschen. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Wittkowske, St. & K. v. Maltzahn (Hrsg., 2013): Lebenswirklichkeit und Sachunterricht. Erfahrungen – Ergebnisse – Entwicklungen. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Otten, M. & St. Wittkowske (Hrsg.): Mobilität im Sachunterricht. Forschungsergebnisse und Praxisbeiträge. In: Vechtaer fachdidaktische Forschungen und Berichte, Heft 20, April 2014. Vechta: Universität Vechta, Institut für Didaktik der Mathematik und des Sachunterrichts (IfD) ● Otten, M. & St. Wittkowske (Hrsg., 2014): Mobilität für die Zukunft. Interdisziplinäre und (fach-)didaktische Herausforderungen. Bielefeld: W. Bertelsmann. ● Kahlert, J., Fölling-Albers, M., Götz, M., Hartinger, A., Miller, S. & St. Wittkowske (Hrsg.): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. 2015, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, bzw. 2022, 3., überarbeitete Auflage. Stuttgart/ Bad Heilbrunn: utb/ Julius Klinkhardt. ● Wittkowske, St., Polster, M. & M. Klatte (Hrsg., 2017): Essen und Ernährung. Herausforderungen für Schule und Bildung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. ● Antz, Chr. & St. Wittkowske (Hrsg., 2022): Gärten und ihre Gäste. Analysen, Fakten, Trends. München: UVK.

Mitherausgeber (2002-2020) der Zeitschrift „Grundschulunterricht Sachunterricht“ (Cornelsen München).

Autor bzw. Wissenschaftliche Begleitung mehrerer Lehrplanwerke für die Grundschule (Sachunterricht: Sachsen 1992 und 2004, Niedersachsen 2006; Schulgarten: Thüringen, 2010) und für die Hauptschule (Fächerverbindender Unterricht in den Freien Katholischen Haupt- und Realschulen im Oldenburger Land).

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