Pressemitteilung —
Gehle: Gesundheitskompetenz ist Voraussetzung für gute Patientensteuerung
19. Westfälischer Ärztetag diskutiert Gesundheitsinformationen, soziale Medien, KI und die Rolle der Schulen
Eine bessere Steuerung von Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem kann aus Sicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) nur gelingen, wenn Menschen Gesundheitsinformationen auch verstehen und deren Qualität einschätzen können. „Gesundheitskompetenz und Patientensteuerung sind zwei Seiten derselben Medaille“, betonte Dr. Hans-Albert Gehle zur Eröffnung des 19. Westfälischen Ärztetages. Neue Strukturen in der Notfallversorgung oder ein Primärversorgungssystem könnten allein nicht alle Probleme lösen. Entscheidend sei auch, dass Menschen selbst einschätzen können, ob sie bei Beschwerden abwarten, ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt aufsuchen oder schnell medizinische Hilfe benötigen.
Dabei habe sich die Herausforderung für die Menschen in puncto medizinischer Versorgung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Gesundheitsinformationen seien heute jederzeit über Suchmaschinen, Gesundheitsportale, Apps, soziale Netzwerke und zunehmend auch über Künstliche Intelligenz verfügbar. „Das Problem besteht längst nicht mehr darin, dass Gesundheitsinformationen fehlen. Im Gegenteil: Wir haben eher ein Überangebot“, so Gehle. Umso wichtiger sei es, wissenschaftlich fundierte und unabhängige Informationen von irreführenden oder ungeeigneten Angeboten unterscheiden zu können.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Ärztekammer laut ihrem Präsidenten auf die Gesundheitskommunikation in sozialen Medien. Instagram, TikTok, YouTube und andere Plattformen seien längst wichtige Informationsquellen. Wer dort als Ärztin oder Arzt auftrete, trage eine besondere Verantwortung. „Wer seine ärztliche Expertise und Autorität in sozialen Medien einsetzt, muss an die Qualität und Seriosität seiner Informationen mindestens dieselben Maßstäbe anlegen wie im unmittelbaren Kontakt mit Patientinnen und Patienten“, erklärte Gehle.
Zudem sprach sich der Kammerpräsident für eine möglichst frühe Vermittlung von Gesundheitskompetenzen aus. Aus Sicht der Ärztekammer kommt dabei Schulen eine zentrale Rolle zu. Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig lernen, Gesundheitsinformationen kritisch zu prüfen und seriöse von irreführenden Angeboten zu unterscheiden. Gesundheitskompetenz müsse beginnen, bevor Menschen krank würden und sich im Versorgungssystem orientieren müssten. „Unser Ziel muss sein, schon junge Menschen in die Lage zu versetzen, gute Entscheidungen für ihre eigene Gesundheit zu treffen“, betonte Gehle. Gerade in einer alternden Gesellschaft gehe es nicht nur darum, dem Leben weitere Jahre hinzuzufügen, sondern die gewonnenen Jahre mit möglichst viel Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu verbinden.
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