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Pressemitteilung -

Aktualisierter Europäischer Kodex gegen Krebs: Bayerische Krebsgesellschaft fordert Steuer auf zuckerhaltige Getränke – Europa geht mit gutem Beispiel voran

Mehr als 500.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Krebs, rund 65.000 davon in Bayern. Gleichzeitig könnten bis zu 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch Prävention vermieden werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb den Europäischen Kodex gegen Krebs von zwölf auf 14 Empfehlungen erweitert. Ziel ist es, Krebsprävention konkreter und alltagstauglicher zu machen.

Zu den Neuerungen zählt ein stärkerer Fokus auf Umweltfaktoren. Luftverschmutzung und Umweltbelastungen werden erstmals ausdrücklich als relevante Krebsrisiken benannt. Der Kodex empfiehlt unter anderem, häufiger öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder Fußwege zu nutzen und Innenräume möglichst schadstoffarm zu gestalten.

Auch beim Alkoholkonsum formuliert der Kodex nun klarere Empfehlungen. Während früher ein moderater Konsum thematisiert wurde, wird nun möglichst vollständiger Verzicht empfohlen, da bereits geringe Mengen das Krebsrisiko erhöhen können.

Erstmals warnt der Kodex auch vor E-Zigaretten und Vapes, die als potenzielles Krebsrisiko bewertet werden.

Und eine weitere, wichtige Empfehlung lautet: Trinken Sie Wasser und ungesüßte Getränke.

Die Bayerische Krebsgesellschaft (BKG) begrüßt die Neuerungen ausdrücklich und sieht darin einen wichtigen Impuls für eine stärkere Präventionskultur im Freistaat: „Der Europäische Kodex gegen Krebs zeigt, wie Prävention im Alltag konkret gelingen kann. Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, der Verzicht aufs Rauchen und die Teilnahme an empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen senken das Krebsrisiko. Gleichzeitig ist auch die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesundes Verhalten erleichtern, wie etwa durch Maßnahmen zur Reduktion zuckerhaltiger Getränke“, betont Prof. Dr. med. Volker Heinemann, Präsident der BKG.

Das Überangebot an Zucker ist problematisch auch in Hinblick auf Krebs

Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für zahlreiche Krebsarten, darunter Darmkrebs, Brustkrebs nach den Wechseljahren und Bauchspeicheldrüsenkrebs.[1] Studien zeigen, dass der regelmäßige Konsum zuckerhaltiger Getränke mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten verbunden ist.[2]

„Laut Foodwatch nehmen die Deutschen fast 26 Gramm Zucker pro Kopf und Tag nur über Getränke zu sich. Das ist sogar mehr Zucker als sie über Süßwaren zu sich nehmen (20 Gramm). Damit sind sie in Europa trauriger Spitzenreiter im Konsum zuckerhaltiger Getränke. Ein halber Liter Limonade oder Cola kann bereits rund 50 Gramm Zucker enthalten. Diese Kalorien werden meist zusätzlich aufgenommen, ohne ein entsprechendes Sättigungsgefühl auszulösen“, erklärt Prof. Dr. med. Volker Heinemann.[3]

Zahlreiche europäische Länder sind bereits weiter. Großbritannien, Frankreich, Portugal, Irland oder Belgien haben eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Auswertungen belegen, dass der Konsum nach Einführung solcher Maßnahmen sinkt und Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte reduzieren.[4]

„Unsere europäischen Nachbarn haben bewiesen, dass eine Zuckersteuer wirkt. Der Konsum sinkt, Produkte werden gesünder. Deutschland sollte hier nachziehen, um den Konsum zu reduzieren und Prävention wirksam zu stärken. Politik kann gesündere Entscheidungen erleichtern“, so Heinemann.

Der Europäische Kodex gegen Krebs zusammengefasst:

  1. Rauchen Sie nicht. Verzichten Sie auf Tabak, E-Zigaretten.
  2. Sorgen Sie für eine rauchfreie Umgebung: zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit.
  3. Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht: Essen Sie wenig hochverarbeitete Lebensmittel mit hohem Kalorien-, Zucker-, Fett- und Salzgehalt. Trinken Sie vor allem Wasser und ungesüßte Getränke.
  4. Bewegen Sie sich regelmäßig und vermeiden Sie langes Sitzen.
  5. Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund – mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Reduzieren Sie rotes und verarbeitetes Fleisch.
  6. Verzichten Sie möglichst ganz auf Alkohol.
  7. Stillen Sie Ihr Baby möglichst lange.
  8. Schützen Sie sich vor intensiver Sonnenstrahlung, insbesondere Kinder. Achten Sie auf Sonnenschutz und vermeiden Sie Solarien.
  9. Informieren Sie sich über Krebsrisiken am Arbeitsplatz, fordern Sie Schutzmaßnahmen ein und befolgen Sie Arbeitsschutzvorgaben.
  10. Informieren Sie sich über die Radonbelastung in Ihrer Region und lassen Sie Ihr Zuhause bei Bedarf messen und sanieren.
  11. Reduzieren Sie Ihre Belastung durch Luftverschmutzung: Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie Fahrrad, wählen Sie verkehrsarme Strecken und vermeiden Sie Rauchquellen in Innenräumen.
  12. Schützen Sie sich vor krebsauslösenden Infektionen: Lassen Sie empfohlene Impfungen (HPV, Hepatitis B) durchführen und nutzen Sie empfohlene Tests und Behandlungen.
  13. Begrenzen Sie eine Hormonersatztherapie nach ärztlicher Beratung auf einen möglichst kurzen Zeitraum.
  14. Nehmen Sie an empfohlenen Krebsfrüherkennungsprogrammen teil.

Der vollständige Europäische Kodex gegen Krebs ist abrufbar unter:
https://cancer-code-europe.iarc.who.int/de/startseite/

Die Bayerische Krebsgesellschaft setzt Prävention bereits aktiv um. Mit dem Projekt „Sun Pass“ sensibilisiert sie Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte in bayerischen Kindertagesstätten für Sonnenschutz und Hautkrebsprävention. Darüber hinaus informiert sie mit Kampagnen, Ratgebern und Online-Angeboten umfassend über Prävention und Früherkennung von Krebs.

Weitere Informationen: Prävention | Bayerische Krebsgesellschaft e.V.

Pressekontakt: Bayerische Krebsgesellschaft e.V.
Cornelia Gilbert M.A., Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 089-54 88 40 –45, Fax 089-54 88 40 -40,
E-Mail: gilbert@bayerische-krebsgesellschaft.de
Nymphenburger Straße 21 a, 80335 München

Quellen:

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25129328/

[2] Chazelas et al., BMJ 2019
Sugary drink consumption and cancer risk
https://www.bmj.com/content/366/bmj.l2408

Malik et al., Diabetes Care / Harvard School of Public Health
Sugar-sweetened beverages and risk of metabolic disease
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22289979/

[4] Systematische Übersichtsarbeit Zuckersteuer
Sugar-sweetened beverage taxes and consumption
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9161017/

Studie Großbritannien Zuckersteuer
https://jech.bmj.com/content/78/9/578

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Die Bayerische Krebsgesellschaft e.V. hilft seit 1925 Menschen mit Krebs und deren Angehörigen bei der Bewältigung der Krankheit. In 13 Krebsberatungsstellen und 27 Außensprechstunden beraten qualifizierte Mitarbeiter Ratsuchende und begleiten sie in allen psychischen und sozialen Fragen – kompetent, vertraulich und kostenfrei. Vorträge und Kurse sowie medizinische Fragestunden ergänzen unser umfassendes Angebot. Unsere rund 160 ehrenamtlich tätigen Selbsthilfegruppen, die wir bei ihrer Arbeit professionell unterstützen, leisten in ganz Bayern unschätzbare Hilfestellung: von Betroffenen für Betroffene - direkt vor Ort. Darüber hinaus engagieren wir uns in der Versorgungsforschung, der Fortbildung von onkologischen Fach- und Pflegekräften, der Krebsfrüherkennung und beraten politische Gremien. Die Bayerische Krebsgesellschaft finanziert ihre Arbeit durch öffentliche Gelder und Spenden. Spendenkonto der Bayerischen Krebsgesellschaft: SozialBank AG, BIC: BFSWDE33XXX, IBAN: DE51370205000007801700

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