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Arbeiten unter Spannung – Martin Peterlik und Sebastian Rothkopf bauen in einer 20.000-Volt-Freileitung eine flexible Trennstelle ein.

Pressemitteilung -

Arbeiten im 20.000-Volt-Stromnetz in neun Metern nass-kalter Höhe

Regensburg/Zeitlarn. Niederbayern, an einem Arbeitstag im Februar. Die Temperatur kann sich nicht entscheiden, ob sie sich Richtung Plus oder Minus bewegen soll. Am späten Vormittag beschließt sie einen Kompromiss und pendelt sich bei 0 Grad ein. Konsequenter zeigt sich der Nebel, der über Zeitlarn bei Künzing (Landkreis Deggendorf) liegt. Er lässt der Sonne keine Chance, nicht einmal dem kleinsten Sonnenstrahl. „Solange es keinen Niederschlag gibt, können wir arbeiten“, sagt Johannes Blößl und erklärt auch warum: „Denn Strom und Wasser vertragen sich nicht so gut.“ Der Elektromeister ist Kolonnenführer des Arbeiten unter Spannung-Teams Bayerwald. Er und seine fünf Kollegen betreuen an die 6.000 Kilometer 20.000-Volt-Freileitungen in Ostbayern. Johannes Blößl konkretisiert: „Von Waldmünchen nach Erding und von Burghausen nach Schwandorf.“

„Wir haben großen Respekt vor unserer Arbeit.“

Zurück ins niederbayerische Zeitlarn mit seinen etwa 200 Einwohnerinnen und Einwohnern. Johannes Blößl und seine Teamkollegen Sebastian Rothkopf und Martin Peterlik bereiten sich auf ihren Arbeitseinsatz im Mittelspannungsnetz vor. Der Einsatz an sich dauert eine Viertelstunde, maximal 20 Minuten. Ihre Aufgabe: Einbau einer flexiblen Trennstelle ins örtliche Stromnetz von Zeitlarn. Das Besondere daran: Die drei Kollegen arbeiten unter Spannung. Das heißt: Die 20.000-Volt-Freileitung wird während ihres Arbeitseinsatzes nicht vom Netz genommen. So muss die Stromversorgung von circa 50 Haushalten nicht unterbrochen werden. Vor dem Einsatz gefragt, wie sie ihre Arbeit bewerten, antwortet der Trupp unisono: „Wir haben großen Respekt vor unserer Arbeit.“ Entsprechend fokussiert bereiten sie sich auf ihren Einsatz vor.

Arbeitssicherheit steht an erster Stelle

Zum elementaren Equipment des Arbeiten unter Spannung-Teams, kurz AuS-Team, gehören eine spezielle Hebebühne mit mehreren hochisolierenden Komponenten für 20.000 Volt sowie persönliche Schutzausrüstung. Die Schutzausrüstung, bestehend aus elektrisch isolierenden Handschuhen und Ärmeln, Schutzkleidung, Helm und Arbeitsschuhen, wiegt gut drei Kilogramm. Hinzu kommt ein Sicherheitsgurt mit Falldämpfer, der die Kollegen davor schützt, aus mehreren Metern Höhe zu fallen.

Grundsätzlich spielt das Thema Arbeitssicherheit bei der Bayernwerk Netz GmbH eine zentrale Rolle. „Arbeitssicherheit steht bei uns an erster Stelle. Dabei geht es uns nicht nur um Prozesse und Regeln, sondern um Haltung und Bewusstsein“, sagt Klaus Dütsch. Der Elektroingenieur ist die zentrale fachliche Leitung der drei bayernweiten AuS-Teams. Neben dem Team Bayerwald sind im Netzgebiet der Bayernwerk Netz GmbH noch zwei weitere Spezialteams im Einsatz: das Team Pfaffenhofen (8 Kollegen), das vor allem den Raum Südbayern abdeckt, und das Team Bayreuth für Nordbayern (9 Kollegen).

Jeder Handgriff muss sitzen

Beim Team Bayerwald ist jeder Schritt sorgfältig geplant. Und auch jeder Handgriff sitzt, muss sitzen. Auch schon im Vorfeld, wenn die Einsätze geplant werden. Via eines sogenannten Auftragsportals übermitteln die Kolleginnen und Kollegen der ostbayerischen Bayernwerk Netz-Kundencenter in Vilshofen, Eggenfelden, Regen, Altdorf, Schwandorf und Parsberg dem ostbayerischen AuS-Team online Bedarfe an Arbeiten unter Spannung-Einsätzen. Johannes Blößl als Leiter des Trupps sichtet die Eingänge und leitet für sein Team konkrete Maßnahmen ab. Klassische Anforderungen sind der Austausch von Isolatoren, die Installation von Vogelschutzmaßnahmen, Holzmastwechsel sowie der Einbau von flexiblen Trennstellen, die, wie der Name schon sagt, das gezielte Trennen von Leitungsabschnitten für Wartungsarbeiten ermöglichen.

Mit und ohne Spannung

„Die flexiblen Trennstellen kann man sich vorstellen wie einen mobilen Schalter in der Freileitung“, veranschaulicht Johannes Blößl. Das gezielte Trennen von Leitungsabschnitten ermöglicht Wartungsarbeiten, die im Anschluss durchgeführt werden. Die flexible Trennstelle trennt dabei den Teil der Leitung, der für Arbeiten abgeschaltet wird, von dem Teil der Leitung, mit dem die Kunden weiter versorgt werden. Im Fall Zeitlarn geht es um eine Stationswartung, genau genommen um eine Turmstation, die turnusgemäß gewartet werden muss. Ein weiterer Grund für den Einsatz von flexiblen Trennstellen sind beispielsweise Trassenpflegearbeiten. Auch in diesem Fall brauchen die Kollegen, die anschließend im Einsatz sind, mobile Schalter, um ohne Spannung arbeiten zu können. Wie sie den mobilen Schalter betätigen? Mit Teleskopstangen führen sie die Schaltungen vom Boden durch.

AuS-Teamzentrale in Mariaposching

Nachdem klar ist, welche Arbeiten wann und wo nötig sind, teilt Johannes Blößl sein Team ein. Für gewöhnlich treffen sich die Kollegen immer montags zur Teambesprechung in ihrer Anlaufstelle im niederbayerischen Mariaposching (Landkreis Straubing-Bogen). Auf mehreren hundert Quadratmetern – aufgeteilt auf Lagerhalle, Montagewerkstatt sowie Büro-, Aufenthalts- und Waschräume – wurden 2025 optimale Arbeitsvoraussetzungen für das Team Bayerwald geschaffen. „Zentral gelegen, perfekt für schnelle Einsätze und mit viel Platz für das Equipment, das die Kollegen bei ihren Arbeitseinsätzen benötigen“, fasst Jennifer Mertens zusammen. Mertens ist als Bereichsleiterin die nächsthöhere Instanz nach Klaus Dütsch im Bereich Verteilnetztechnik Strom.

Kein Arbeiten ohne Go der Netzleitstelle

Von Mariaposching aus geht es zu den Einsatzorten, wie an jenem Februartag in Zeitlarn. Im Ort angekommen, wird der Bereich, in dem gearbeitet wird, großflächig gesichert. Gelb-schwarze, dreieckige Aufsteller mit dem Aufdruck „Hochspannungsarbeiten“ und einem Zick-Zack-Blitz weisen darauf hin, dass in diesem Bereich Lebensgefahr durch elektrischen Strom bestehen kann. Sobald die Warnschilder und die Hebebühne sicher stehen, machen sich die Kollegen fertig für ihren Einsatz, legen das Werkzeug für die bevorstehenden Arbeiten zurecht und ziehen ihre isolierende persönliche Schutzausrüstung über. Erst dann meldet sich Johannes Blößl bei der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald und gibt genau durch, welche Arbeiten von wann bis wann in Zeitlarn durchgeführt werden. Die Kollegen in Neunburg vorm Wald arbeiten zwar 115 Kilometer vom Einsatzort entfernt. Sie haben aber das komplette Mittelspannungsnetz im Blick und könnten durch Schaltungen im lokalen Stromnetz von Künzing umgehend reagieren. Beispielsweise bei einem Erdschluss.

Arbeiten unter Spannung

Nachdem Johannes Blößl von der Netzleitstelle die Arbeitserlaubnis für den Einsatz bekommen hat, geht es mit der Hebebühne in isolierenden Korbeinsätzen zur 20.000-Volt-Mittelspannungsleitung in neun Metern nass-kalter Höhe. Bevor Sebastian Rothkopf und Martin Peterlik mit ihrer Arbeit starten, führt Johannes Blößl mit einem Fernglas eine Sichtkontrolle auch der benachbarten Leiterseile der 20.000-Volt-Leitung durch. Bei diesem Arbeitsschritt wird das komplette Spannfeld zwischen zwei Masten überprüft, um sicherzustellen, dass der Betrieb der Leitung sicher ist und keine Gefährdungen bestehen. Mögliche Szenarien sind beispielsweise beschädigte Leiterseile, verschmutzte Isolatoren, lockere Armaturen am Mast oder Sturmschäden an Bäumen im Spannfeld.

Wie Operieren am offenen Herzen

Nachdem Johannes Blößl alle möglichen Szenarien ausschließt, starten seine Kollegen mit ihrer Arbeit unter Spannung. Bildlich gesprochen operieren sie am offenen Herzen. Und das sehr präzise. Sie reinigen die Leitungen, sichern die Phasenseile mit isolierenden Leiterseilabdeckungen, um keine anderen spannungsführenden Potenziale im Arbeitsbereich zu haben, dann legen sie an einem Stück des ersten Phasenseils einen Bypass, messen die Stromstärke bei Leiterseil und Bypass (mindestens 30 Prozent der Gesamtstromstärke muss über den Bypass fließen), hängen Isolator und Trennstellenbügel ein und montieren die flexible Brücke. Anschließend erfolgt das Durchtrennen des Leiterseils, sodass der Strom über die Brücke fließt – was mit einer abschließenden Messung des Stromflusses sichergestellt wird. Danach wird der Bypass demontiert und das gleiche an den beiden anderen Phasenseilen wiederholt.

Etwa 250 Arbeitseinsätze pro Jahr

Nach nur 20 Minuten sind Sebastian Rothkopf und Martin Peterlik mit der eigentlichen Arbeit fertig und heben den rechten Daumen nach oben. Für Johannes Blößl der Hinweis, dass die flexiblen Trennstellen fachgerecht montiert worden sind. Angesichts der kriechenden Kälte sind Rothkopf und Peterlik froh, dass es mit der Hebebühne retour Richtung Erde geht. Unten angekommen, werden die vorbereitenden Arbeitsschritte rückgespult, bevor auch die gelb-schwarzen, dreieckigen Aufsteller mit dem Aufdruck Hochspannungsarbeiten und einem Zick-Zack-Blitz im Begleitfahrzeug verstaut sind. Erst wenn das Team Bayerwald sich vergewissert hat, dass sie ihren Arbeitsort sicher hinterlassen haben, geht es zum nächsten Einsatzort. In Ruckasing, einem Ortsteil von Osterhofen (Landkreis Deggendorf), wechseln die drei Kollegen an einer Mittelspannungsfreileitung einen Isolator. Und dieses Mal lockert die Wolkendecke auf und macht ein Arbeiten unter Spannung mit ein paar Sonnenstrahlen möglich.

Speziell ausgebildet für Arbeiten unter Spannung

Die Teams Arbeiten unter Spannung werden für ihre Tätigkeiten speziell ausgebildet. Die einzigartige Fachkompetenz gibt das Team um Klaus Dütsch und Jennifer Mertens auch in internationalen Schulungen an Kolleginnen und Kollegen weiter.

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Kurzprofil Bayernwerk Netz GmbH

Seit mehr als 100 Jahren steht der Name Bayernwerk für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung im Freistaat. Die Bayernwerk Netz GmbH nimmt dabei als Netzbetreiber eine Schlüsselrolle ein. Damit jetzt und in Zukunft immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, braucht es ein modernes, intelligentes Stromnetz. Deshalb setzt das Unternehmen auf Digitalisierung und Innovation, unterstützt zahlreiche wissenschaftliche Projekte und arbeitet systematisch am Ausbau der Energienetze. Die Bayernwerk Netz GmbH versorgt insgesamt rund sieben Millionen Menschen mit Energie. Sie ist in den bayerischen Regionen Unter- und Oberfranken, Oberpfalz sowie Nieder- und Oberbayern aktiv und damit der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Bayern: Das Stromnetz umfasst 156.000 Kilometer, sein Gasnetz 6.000 Kilometer und das Straßenbeleuchtungsnetz 34.600 Kilometer. Bilanziell verteilt das Unternehmen in den Energienetzen zu 96 Prozent elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen. Dafür sorgen mehr als 1 Million dezentrale Erzeugungsanlagen, die auf das Netz des Bayernwerks wirken und Ökostrom einspeisen. In Nord- und Ostbayern versorgt das Unternehmen Kunden auch über sein Erdgasnetz. Die Bayernwerk Netz GmbH ist an mehr als 20 Standorten im Land präsent.

Sitz der Bayernwerk Netz GmbH ist Regensburg. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Bayernwerk AG.

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