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Ein Schlegelmulcher fährt auf einer Stromtrasse, um aufwachsendes Buschwerk zu kürzen.
Ein Schlegelmulcher fährt auf einer Stromtrasse bei Grafenwöhr, um aufwachsendes Buschwerk zu kürzen. Tonaufnahmen im Bereich der Hochspannungsleitung haben Hinweise auf den seltenen Ziegenmelker gegeben.

Pressemitteilung —

Seltener Ziegenmelker auf Stromtrasse nachgewiesen

Grafenwöhr, Neustadt an der Waldnaab. Gemeinsam mit Fachleuten aus Landschaftspflege, Forst und Naturschutz wertet die Bayernwerk Netz GmbH seit 20 Jahren einen rund vier Kilometer langen Trassenabschnitt ökologisch auf. Zahlreiche bedrohte Arten wie die Rotflügelige Schnarrschrecke und die Kreuzotter finden hier inzwischen geeignete Lebensräume. Nun wurde erstmals eine besondere Vogelart nachgewiesen: der in Bayern vom Aussterben bedrohte Ziegenmelker.

Zu Gesicht bekommt man den seltenen Vogel nur schwer. Der Ziegenmelker ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Dafür ist sein Ruf unverwechselbar: ein langanhaltendes, fast mechanisch klingendes Schnurren, das ein wenig an einen kleinen Motor erinnert. „Die Trasse und der angrenzende Kiefernbestand bieten dem Ziegenmelker einen optimalen Lebensraum. Auch Insekten als Nahrungsgrundlage sind hier reichlich vorhanden. Deshalb gehen wir davon aus, dass er sich hier aufhalten könnte“, erklärte Revierförster Martin Gottsche diesen Sommer beim Anbringen spezieller Horchboxen. Die wetterfesten Audiogeräte wurden von der Regierung der Oberpfalz zur Verfügung gestellt und zeichnen nachts automatisch Geräusche auf. Anschließend wurden die Aufnahmen von Naturschutz-Experten der Regierung der Oberpfalz ausgewertet. Die Vermutung bestätigte sich: Der Ruf des Ziegenmelkers wurde im Bereich der Stromtrasse nachgewiesen. Der seltene Vogel baut kein Nest, sondern legt seine Eier direkt auf den nackten Boden. Dafür benötigt er lichte, offene Flächen mit geringem Pflanzenbewuchs. Martin Gottsche zufolge sind solche Lebensräume heute selten geworden, weil viele Offenflächen mit der Zeit verbuschen oder sich wieder zu Wald entwickeln.

Ökologisches Trassenmanagement seit 20 Jahren

Seit 2006 lässt die Bayernwerk Netz GmbH den rund vier Kilometer langen und 66 Meter breiten Trassenabschnitt entlang der 110-kV-Freileitung bei Grafenwöhr gezielt pflegen. Dabei geht es nicht nur darum, den sicheren Betrieb der Hochspannungsleitung zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen wertvolle Offenlandlebensräume erhalten und entwickelt werden. „Hier treffen sich die Anforderungen eines zuverlässigen Netzbetriebs und des Naturschutzes: Wir müssen die Trasse von hochwachsenden Gehölzen freihalten und können dadurch gleichzeitig wertvolle Offenlandlebensräume erhalten“, erklärt Trassenmanager Melchior Berner von der Bayernwerk Netz. Das Pflegekonzept wird gemeinsam mit Fachleuten aus Naturschutz, Forst und Landschaftspflege regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Bei der Umsetzung setzt die Hölzl Landschaftspflege GmbH, die über den Maschinenring Cham seit vielen Jahren auf der Trasse tätig ist, unter anderem Schlegelmulcher ein. „Beim Schlegeln wird das Gras nicht abgeschnitten, sondern mit schwingenden Werkzeugen abgeschlagen. Damit können wir auch schwieriges Gelände bearbeiten“, erklärt Seniorchef Georg Hölzl. Um bodennah lebende Tiere möglichst zu schonen, arbeite man mit etwa zehn Zentimetern Abstand zum Boden. Durch das regelmäßige Schlegeln werden zudem invasive Gehölze wie die Spätblühende Traubenkirsche zurückgedrängt und die offenen Lebensräume erhalten. Die Arbeiten finden außerhalb der Brutzeit von Bodenbrütern und der Hauptaktivitätsphase von Reptilien statt.

Seltene Arten profitieren

Die langjährige Pflege zeigt Wirkung. Lichtliebende Pflanzen wie Heidekraut und Preiselbeere haben sich ausgebreitet. Mit ihnen finden auch spezialisierte Tierarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke und die Rotflügelige Schnarrschrecke geeignete Lebensräume. In sonnenexponierten Bereichen kommt zudem die stark gefährdete Kreuzotter vor. Ganz überraschend ist der Nachweis des Ziegenmelkers nicht. Im benachbarten Vogelschutz-Gebiet Manteler Forst befindet sich mit über 15 Brutpaaren eines seiner bedeutenden Vorkommen in der Region. „Mit unserer nachhaltigen ökologischen Trassenpflege fördern wir einerseits die Entwicklung und den Erhalt wertvoller Biotope und bieten seltenen Arten hierdurch wichtige Lebensräume. Gleichzeitig tragen unsere gezielten Pflegemaßnahmen aber auch zur Verdrängung invasiver Pflanzenarten bei, wodurch unsere heimische Artenvielfalt gezielt gestärkt wird“, sagt Trassenmanager Melchior Berner.

Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt der Ziegenmelker übrigens einem alten Irrglauben: Weil die nachtaktiven Vögel früher häufig in der Nähe von Weidetieren beobachtet wurden, glaubten Menschen, sie würden nachts Ziegen melken. Die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung „Nachtschwalbe“ beschreibt seine Lebensweise treffender.

Seit September 2025 ist die Bayernwerk Netz zudem Partner des Bayerischen Umweltministeriums beim Ausbau des Biotopverbunds in Bayern. Ziel der Partnerschaft ist es, ökologisch wertvolle Flächen miteinander zu vernetzen, bestehende Lebensräume aufzuwerten und neue zu schaffen.

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Kurzprofil Bayernwerk Netz GmbH

Seit mehr als 100 Jahren ist der Name Bayernwerk mit der Energieversorgung in Bayern verbunden. Die Bayernwerk Netz GmbH betreibt umfangreiche Energieinfrastruktur in Unter-und Oberfranken, in der Oberpfalz sowie in Nieder- und Oberbayern. Über diese Netzinfrastruktur werden rund sieben Millionen Menschen mit Energie versorgt.

Das Stromnetz der Bayernwerk Netz GmbH umfasst rund 156.000 Kilometer, das Straßenbeleuchtungsnetz rund 34.600 Kilometer. Das Unternehmen entwickelt seine Netzinfrastruktur kontinuierlich weiter und setzt dabei unter anderem digitale Technologien ein.

In Nord- und Ostbayern betreibt die Bayernwerk Netz GmbH zudem ein Erdgasnetz mit einer Länge von rund 6.000 Kilometern. Das Unternehmen ist an mehr als 20 Standorten in Bayern präsent. Sitz der Bayernwerk Netz GmbH ist Regensburg. Sie ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Bayernwerk AG.

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  • Georg Hölzl, Seniorchef der Hölzl Landschaftspflege GmbH, zeigt eine Spätblühende Traubenkirsche.
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  • Ein grünes Audiogerät ist an einer Astgabel befestigt.
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  • Revierförster Martin Gottsche mit Ziegenmelker-Horchbox auf der Trasse bei Grafenwöhr.
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