Pressemitteilung —
Stromtrassen verwandeln sich in grüne Lebensadern
Wolfratshausen. Seit zwei Jahren setzt die Bayernwerk Netz GmbH im Rahmen ihres ökologischen Trassenmanagements auf die Beweidung mit Ziegen in der Pupplinger Au. Eine wissenschaftliche Vegetationskartierung zeigt nun, wie sich die Beweidung auf die Artenvielfalt unter der Leitung auswirkt.
Auf den ersten Blick wirkt der Trassenabschnitt in der Pupplinger Au recht karg. Die Ziegen, die hier jedes Jahr für mehrere Wochen auf der Weide stehen, haben das hohe, dichte Gebüsch so stark verbissen, dass viele Sträucher mittlerweile abgestorben oder in ihrem Wachstum stark geschwächt sind. Doch genau das ist gewollt. Der zuständige Trassenmanager Maximilian Geigl erklärt: „Die Beweidung verhindert das unkontrollierte Aufwachsen von Büschen und Bäumen und stellt eine sichere sowie naturnahe Alternative zum Einsatz schwerer Maschinen dar.“ Die Beweidung ist Teil des ökologischen Trassenmanagements der Bayernwerk Netz. An zahlreichen Standorten in Bayern arbeitet das Unternehmen mit Landwirten zusammen, um geeignete Trassenabschnitte mithilfe von Rindern, Schafen oder Ziegen freizuhalten. Gleichzeitig schaffen die offenen Strukturen neue Lebensräume für zahlreiche Arten des Offenlands. Um die Auswirkungen der Beweidung auf die Artenvielfalt zu dokumentieren, lässt der Netzbetreiber die Vegetation kartieren.
Lichtliebende Pflanzenarten nehmen zu
Um die Entwicklung der Pflanzenwelt zu verfolgen, untersucht Diplom-Biologe Rainer Woschée regelmäßig ausgewählte Bodenbereiche, notiert seine Funde und vergleicht sie mit der Bestandsaufnahme von vor dem Beginn der Beweidung. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Fläche sehr gut entwickelt. Die Sträucher sind so stark ausgelichtet, dass jetzt viel mehr Licht bis zur Bodenvegetation gelangt“, erklärt Rainer Woschée. Durch die Beweidung gehe der dichte Grasfilz zurück, und konkurrenzschwächere Kräuter können sich wieder ausbreiten. So nehmen die typischen lichtliebenden Arten der Pupplinger Au, etwa die Mehlprimel, die Gelbe Spargelerbse oder die Skabiosen-Flockenblume wieder zu, während schattenliebende Arten wie Faulbaum oder Perlgras leicht zurückgehen. „Diese Entwicklung steigert den ökologischen Wert der Fläche“, sagt der Biologe. Beim weiteren Vorgehen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn zu den lichtliebenden Pflanzenarten auf der Fläche gehört auch der Gelbe Frauenschuh. Die gefährdete Orchideenart wurde vorsorglich ausgezäunt, um sie vor Verbiss zu schützen. Zudem müsse man auch Neophyten wie die Kanadische Goldrute im Blick behalten, damit sie sich durch die verbesserten Lebensraumbedingungen nicht ausbreiten.
Bayernwerk Netz engagiert sich für Biotopverbund
Das ökologische Trassenmanagement bringt vielfältige Vorteile: Während Weidetiere abwechslungsreiches Futter und schützenden Schatten erhalten, gewinnen Landwirte zusätzliche Flächen zur Futtergewinnung. Gleichzeitig profitiert die Natur von halboffenen Strukturen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten geeigneten Lebensraum bieten. Unter den Freileitungen entsteht so ein wertvolles Mosaik aus Wiesen, Lichtungen und niedrigen Gehölzen. Durch regelmäßige Pflege, ergänzt durch selektiven Rückschnitt oder extensive Mahd und Beweidung, verwandeln sich Stromtrassen in grüne Lebensadern, die verschiedene Biotope miteinander verbinden. Diese Trassen fungieren als kilometerlange Wanderkorridore für viele Tier- und Pflanzenarten und tragen entscheidend zur genetischen Vielfalt bei.
Seit September 2025 ist die Bayernwerk Netz offizieller Partner des Bayerischen Umweltministeriums beim Ausbau des Biotopverbunds in Bayern. Es handelt sich dabei um die erste Zusammenarbeit dieser Art zwischen dem Freistaat und einem Wirtschaftsunternehmen. Ziel der Partnerschaft ist es, ökologisch wertvolle Flächen zu vernetzen, ihren Zustand zu verbessern und neue Lebensräume zu schaffen.
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Kurzprofil Bayernwerk Netz GmbH
Seit mehr als 100 Jahren steht der Name Bayernwerk für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung im Freistaat. Die Bayernwerk Netz GmbH nimmt dabei als Netzbetreiber eine Schlüsselrolle ein. Damit jetzt und in Zukunft immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, braucht es ein modernes, intelligentes Stromnetz. Deshalb setzt das Unternehmen auf Digitalisierung und Innovation, unterstützt zahlreiche wissenschaftliche Projekte und arbeitet systematisch am Ausbau der Energienetze. Die Bayernwerk Netz GmbH versorgt insgesamt rund sieben Millionen Menschen mit Energie. Sie ist in den bayerischen Regionen Unter- und Oberfranken, Oberpfalz sowie Nieder- und Oberbayern aktiv und damit der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Bayern: Das Stromnetz umfasst 156.000 Kilometer, sein Gasnetz 6.000 Kilometer und das Straßenbeleuchtungsnetz 34.600 Kilometer. Bilanziell verteilt das Unternehmen in den Energienetzen zu 96 Prozent elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen. Dafür sorgen mehr als 1 Million dezentrale Erzeugungsanlagen, die auf das Netz des Bayernwerks wirken und Ökostrom einspeisen. In Nord- und Ostbayern versorgt das Unternehmen Kunden auch über sein Erdgasnetz. Die Bayernwerk Netz GmbH ist an mehr als 20 Standorten im Land präsent.
Sitz der Bayernwerk Netz GmbH ist Regensburg. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Bayernwerk AG.