News —
Huntorf: Umgerüstete Erdgaskaverne besteht Wasserstoff-Dichtheitstest
Am Standort Huntorf betreibt EWE sieben Erdgaskavernen. Eine davon wird derzeit zum Wasserstoffspeicher umgebaut. Geprüft wurde jetzt, ob die Kavernenbohrung zum umgebenden Gebirge dicht ist. Das ist bei Wasserstoff besonders anspruchsvoll, weil seine Moleküle sehr klein sind. Für die künftige Nutzung wurde die vorhandene Bohrung deshalb mit einer neuen, zementierten Rohrtour ausgestattet. Dabei kamen unter anderem ein weiterentwickelter Zement und ein zusätzliches Dichtelement zum Einsatz.
Erst Stickstoff, dann Wasserstoff
Getestet wurde in zwei Schritten: zuerst mit Stickstoff, danach mit Wasserstoff. Laut Projektleiter Hayo Seeba lagen alle Messwerte innerhalb der vorgegebenen Prüfkriterien. In den überwachten Bereichen habe es keine auffälligen Druckveränderungen gegeben. Damit erfülle die Abdichtung die Anforderungen an eine Wasserstoffspeicherung. Peter Schmidt, Geschäftsführer der EWE GASSPEICHER GmbH, sieht in dem Ergebnis einen Beleg dafür, dass sich bestehende Energieinfrastruktur für die Zukunft weiterentwickeln lässt. Wasserstoffspeicher gleichen Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus und stärken so die Versorgungssicherheit.
Speicher als Baustein einer regionalen Wasserstoffinfrastruktur
Der Speicher soll ein Arbeitsgasvolumen von rund 16 Millionen Normkubikmetern haben, das sind etwa 1.440 Tonnen Wasserstoff. Die Ein- und Ausspeicherleistung liegt bei insgesamt 35.000 Normkubikmetern pro Stunde. Davon sollen vor allem Industriekunden profitieren, die verlässlich versorgt werden müssen. Angebunden wird der Speicher über das Leitungsprojekt H₂Coastlink 2: eine rund 34 Kilometer lange Verbindung zwischen Huntorf und Sandkrug. Etwa 28 Kilometer davon sind umgestellte Erdgasleitungen, rund sechs Kilometer werden neu gebaut. Die Leitung soll Ende 2027 betriebsbereit sein. 2028 ist der Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz geplant.
Das Vorhaben gehört zum EWE-Projekt „Clean Hydrogen Coastline“. Teil davon ist auch die 320-Megawatt-Elektrolyseanlage, die derzeit in Emden entsteht. Gefördert wird das Projekt über das europäische IPCEI-Programm, mit Unterstützung von Bund und Land Niedersachsen. In Huntorf fließen außerdem Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt HyCAVmobil ein. Dafür hatten EWE und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis Ende 2024 in Rüdersdorf bei Berlin eine 500 Kubikmeter große Testkaverne betrieben.
Nächste Schritte bis zur Inbetriebnahme 2028
Ab Mitte November geht es mit den Arbeiten an der Bohrung weiter. Eingebaut werden dann das Rohrsystem für die Ein- und Ausspeicherung sowie zusätzliche Sicherheitstechnik. Übertage laufen parallel die Arbeiten an Fundamenten, Kabeltrassen, Entwässerung und Betriebsgebäuden. Zwei Wasserstoffverdichter und eine Anlage zur Trocknung des ausgespeicherten Wasserstoffs sind bereits beauftragt. Laut Schmidt braucht der Hochlauf verlässliche regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Nur so ließen sich Investitionen in weitere Speicher planen, damit es nicht bei einzelnen Vorreiterprojekten bleibt.