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Blog-Eintrag

Wie eine Helikoptercrew für Sicherheit sorgt – Leitungskontrolle aus der Luft

Damit wir unser Hochspannungsnetz sicher betreiben können, überprüfen wir jedes Jahr unsere Leitungen aus der Luft. Wie genau das vonstatten geht, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.

Zentimeter für Zentimeter tastet sich der Pilot heran. Mit Augenmaß steuert er seinen Hubschrauber an die Stromleitung heran. Die Leiterseile kommen immer näher. Doch der Pilot hält genügend Abstand: Weit genug entfernt, um sicher zu sein. Doch nah genug, damit seine Besatzung den Zustand der Stromtrasse überprüfen kann.

Jährlich überprüft Schleswig-Holstein Netz sein Hochspannungsnetz aus der Luft. Die Crews begutachten dabei jedes Jahr andere Abschnitte der insgesamt mehr als 3.000 Kilometer Hochspannungsleitungen, die wir in ganz Schleswig-Holstein betreiben. Dazu steuert der Pilot den Hubschrauber bis auf wenige Meter an die Hochspannungsleitungen heran und verharrt für kurze Zeit im Schwebeflug neben ihnen. Auf diese Weise arbeiten sich Pilot und Crew mit höchster Konzentration Mast für Mast und Leitungsmeter für Leitungsmeter voran.

Vorteil dieser Inspektionsart? Es muss keine Leitung abgeschaltet werden, alles bleibt unter Spannung!

The weather is the limit

Damit alles sicher ist, muss das Wetter mitspielen. Nur bei optimalen Bedingungen steigt der Helikopter auf. Deshalb kann die Flugplanung immer wieder kurzfristig umgestellt werden. Der zweite limitierende Faktor ist natürlich der Tank – nach zwei bis drei Stunden in der Luft muss die Crew jeweils einen Tankstopp einlegen.

Worauf achtet die Crew?

Besonderes Augenmerk legen unsere Kolleginnen und Kollegen auf den Zustand der Leiter- und Erdseile sowie die verbauten Armaturen. Sie können durch Gewitter beschädigt werden. Sollte das der Fall sein, wird die betroffene Stelle präventiv repariert.

Des Weiteren achten unsere Experten darauf, ob sich Dinge in der Freileitung befinden, die dort nicht hingehören: Das kann mal ein Luftballon sein, der sich im Gestänge der Masten verhakt hat. Oder aber, ein Vogel hat sein Nest an einer Masttraverse gebaut. Beides stellt eine potenzielle Gefahr dar, weil es zu Überschlägen und dadurch Bränden oder Kurzschlüssen kommen kann. Je nach Gefahrenlage entscheiden die Kolleginnen und Kollegen dann, wie schnell beispielsweise ein Nest entfernt werden muss.

Ebenfalls eine Gefahr für Überschläge stellt Bewuchs durch Pflanzen im Leitungsschutzbereich dar. Sollte es hier Feststellungen geben, wird der Bewuchs in der kommenden Hiebsperiode über das ökologische Trassenpflegemanagement entnommen.

Leitungsbefliegung 2026: die Fakten

Das haben wir in diesem Jahr überprüft:

  • 330 km Hochspannungsleitungen
  • Strecken in neun Kreisen und kreisfreien Städten
  • 1.049 Maste mit dazugehörigen Seilen, Isolatoren und Armaturen

Besondere Befunde hatten wir in diesem Jahr nicht. Einige Fälle von Bewuchs sowie Vogelnestern an Masten haben unsere Experten registriert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Auch witterungsbedingte Befunde an Isolatoren, etwa durch Blitzschlag, wurden wie in den Vorjahren erkannt und instandgesetzt.

Die Befliegung – eine Inspektionsart von vielen

Auch der Einsatz von Drohnen sowie die automatisierte Auswertung von Bildern oder beispielsweise die Thermografie gehören zur Inspektionsstrategie und zu den bereits implementierten Inspektionsarten.

Nur durch die Kombination der verschiedenen Inspektionsarten können Befunde so rechtzeitig erkannt werden, dass sie im Rahmen der Wartung und Instandsetzung im laufenden Tagesgeschäft abgearbeitet werden können.

Durch die Umsetzung dieser Strategie werden Störungen auf ein Minimum reduziert und somit die sichere Energieversorgung gewährleistet.

Ein Ausblick auf die Inspektion der Zukunft

Grundsätzlich lassen sich mit Drohnen Hochspannungsleitungen pragmatischer und umweltfreundlicher befliegen, weil sie weniger Lärm machen und keinen Sprit verbrauchen. Die Drohne kommt näher an die Leitungen heran und ist unbemannt. Aktuell fehlt uns jedoch noch ein klarer rechtlicher Rahmen für den Einsatz von Drohnendistanzflügen. Bis dahin bleibt es noch beim klassischen Hubschraubereinsatz mit Technikern an Bord.

Wie die Befliegung in der Praxis vonstatten geht, erklärt Experte Jan Niklas Kumbein in diesem Video:


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