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Neue Dauerausstellung: Teileröffnung im GRASSI Museum für Völkerkunde
Die Ausstellung des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig war fast ein Jahr geschlossen. Mit der Öffnung der ersten Ausstellungsräume seit dem 4. März 2022 gibt das Museum nun Einblick in seine fortlaufende Umgestaltung. Im Rahmen des Zukunftsprogrammes REINVENTING GRASSI.SKD wandelt sich das Haus Schritt für Schritt zu einem Netzwerkmuseum, welches seine Inhalte transparent kommunizieren möchte und dabei verschiedenste Partner und Künstler einbezieht. Diese „Neuerfindung“ ist ein Versuch, das ethnologische Museum in die Zukunft zu führen. Sie wird von künstlerischen Arbeiten, kritischer Aufarbeitung musealer Geschichte sowie von einer neuen Roboterflotte begleitet.
Die Neugestaltung der Ausstellungsräume geht weit über eine ästhetische Renovierung hinaus. Sie beinhaltet auch eine Reinszenierung des architektonischen und museal-historischen Erbes. Dazu gehört die Restaurierung und nachhaltige Wiederverwendung der „Museumsschränke“ der Dresdner Firma August Kühnscherf & Söhne, die Ende des 19. Jahrhunderts international führend in der Museumseinrichtung waren. Ein großer Teil der Kühn-Scherf-Vitrinen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten gebliebene Vitrinen werden fortan restauriert und dienen zukünftig als historischer Spiegel der musealen Geschichte.
Des Weiteren wurde ein dreiteiliger Backstage-Bereich geschaffen. Hier werden die verschiedenen Arbeitsbereiche des Hauses für das Publikum transparent und erfahrbar. So wird im „Care Room“ die Objektlogistik des Museums in einem gläsernen Restaurierungs- und Forschungsbereich vorgestellt.
Drei künstlerische Projekte konfrontieren das Museum mit seiner Geschichte und fragen nach der Restitution von Objekten. So widmet sich das Kollektiv PARA der in Leipzig fast vergessenen Geschichte des Kolonialgeographen Hans Meyer (1858-1929), der 1889 die Spitze des Kilimandscharo nach Deutschland brachte. Des Weiteren werden seine Person sowie die von ihm erworbenen sogenannten Benin-Bronzen näher beleuchtet. Diese sind jedoch vorerst nicht mehr in der Ausstellung zu sehen.
Im Rahmen einer Förderung des Bundes stellt das Museum virtuellen Besuchern zudem ELIPS, eine Flotte von acht Telepräsenzrobotern, zur Verfügung. Interessierte können dabei einen der Roboter von zuhause aus steuern und sich mit ihm durch die Ausstellung bewegen.
Wer einen Teil der bisherigen Dauerausstellung betrachten möchte, hat noch bis Ende 2022 dazu Gelegenheit. Dieser Teil ist nach Ländern und Regionen gegliedert und präsentiert auf anschauliche Weise das Leben und die Kultur der jeweiligen Völker. Die neuen Ausstellungen sind nicht mehr regional unterteilt, sondern nehmen verschiedene Verflechtungen über Kontinente hinweg in den Blick.
Weitere Informationen: www.grassimuseum.de
Redaktion: Julia Franke