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Prof. Dr. P. Nitschke (v. l.), Organisator der Ringvorlesung, mit Prof. Dr. F. Rau und M. Otten, die die Reihe unter dem Thema „Digitale Desinformation und Rechtsextremismus: Herausforderungen für Demokratie und Pluralismus" fortgesetzt haben.
Prof. Dr. P. Nitschke (v. l.), Organisator der Ringvorlesung, mit Prof. Dr. F. Rau und M. Otten, die die Reihe unter dem Thema „Digitale Desinformation und Rechtsextremismus: Herausforderungen für Demokratie und Pluralismus" fortgesetzt haben.

Pressemitteilung -

„Digitale Desinformationen und Rechtsextremismus“ | Ringvorlesung an der Universität Vechta

Inszenierungen, Manipulationen, absichtliche Falschinformationen und irreführende Inhalte: Die digitale Welt bietet der sogenannten Neuen Rechten vielfältige Möglichkeiten, ihre Botschaften zu verbreiten und neue Zielgruppen zu erschließen. Im Rahmen der Ringvorlesung „Die pluralistische Gesellschaft und ihre Feinde – gefährdete Diskurse im Innern“ an der Universität Vechta haben Prof. Dr. Franco Rau und Michael Otten über die Herausforderungen für Demokratie und Pluralismus durch digitale Desinformationen und Rechtsextremismus gesprochen. Beim nächsten Termin der Vortragsreihe spricht Prof. Dr. Karl-Heinz Breier am Dienstag, 4. Juni, zum Thema „Vom Lob der Pluralität – Hannah Arendts Blick auf das Politische“. Prof. Dr. Martin K.W. Schweer referiert am Dienstag, 11. Juni, über „Vertrauen – Zentrale Ressource eines demokratischen Miteinanders“. Die Veranstaltungen finden jeweils um 18 Uhr im Musiksaal der Universität Vechta statt.

Moderne Inszenierungsstrategien der Neuen Rechten

Alte Vorstellungen von Rechtsextremismus – unter anderem Springerstiefel, Reichsflaggen, Skinheads oder Rechtsrock-Konzerte – hätten mit der Realität nicht mehr viel zu tun. „Inhaltlich überschneidet sich das Gedankengut, aber die Neue Rechte inszeniert sich heutzutage bewusst modern und nahbar, um nicht mehr mit den traditionellen rechtsextremen Stereotypen assoziiert zu werden und sich als Teil des gesellschaftlichen Mainstreams zu positionieren“, so Otten, der an der Universität im Bereich Sachunterricht lehrt. Gemeinsam mit Rau und Dr. Dr. Thomas Must hat er in dem 2023 abgeschlossenen Projekt „Zukunftsdiskurse zur Dekonstruktion von Desinformationen“ (ZuDD) Formen, Produktion und Wahrnehmung rechtsextremistischer Informationsvermittlung in digitalen Räumen erforscht.

Am Beispiel der Identitären Bewegung erläuterte Otten, wie Gruppierungen antimuslimischen Rassismus und Ethnopluralismus propagieren: „Die Identitäre Bewegung konstruiert gezielt Feindbilder, das Eigene werde durch das Andere und Fremde verdrängt. Ein politischer oder gesellschaftlicher Dialog wird völlig ausgeklammert“. Dabei wolle die Neue Rechte in die Mitte der Gesellschaft vordringen und politische Legitimation erlangen: „Sie versuchen, öffentliche Diskurse in Medien, Schulen, Kultureinrichtungen und soziale Netzwerke für die Verbreitung rechtsextremer Ideologien zu nutzen“.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel

Um den Herausforderungen von Desinformation und Rechtsextremismus effektiv zu begegnen, sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit nötig, verdeutlichte Rau, Juniorprofessur für Mediendidaktik: „Mit einer Gegenstrategie lässt sich wenig ausrichten, aber es gibt bereits eine Vielzahl an Angeboten, mit denen Wissenschaftler*innen, Pädagog*innen und politische Akteure gemeinsam die Demokratie und den Pluralismus in unserer Gesellschaft schützen und fördern können“. Die Strategie: unter anderem bestehende Bildungsangebote sichtbarer machen, weiteres Material entwickeln, Falschinformationen entlarven und die digitale Infrastruktur kritisch hinterfragen. Im Medienkompetenzzentrum Vechta (siehe Kasten) bietet der Wissenschaftler unter anderem Workshops zum Thema an: „Mit unseren Workshops unterstützen wir Lehrkräfte zum Beispiel mit fächerübergreifenden Impulsen, die die Recherche- und Informationskompetenz von Schülerinnen und Schülern fördern, sodass diese Fake News oder Desinformationen leichter entlarven können“.

Demokratische Parteien müssten außerdem ihre digitale Medienarbeit ausbauen, um schneller reagieren und sich positionieren zu können. Um demokratische Gegenrede zu betreiben, könne man auch Content Creator und andere Prominente mobilisieren. „Wenn man weiß, dass politische Diskurse anstehen, darf man diese nicht den Rechtsextremen überlassen“, so Rau.

Medienkompetenzzentrum Vechta
Das MKV ist ein Kooperationsprojekt zwischen Universität und Landkreis Vechta. Hier finden Wissenschaft und Praxis zusammen, um das Lehren und Lernen in der Digitalität zu analysieren, neue Konzepte für Medienbildung zu entwerfen und Bildungseinrichtungen mit technischem und didaktischem Knowhow zu unterstützen. Der Landkreis Vechta und die Universität Vechta bieten hier seit Mitte 2021 eine hochwertige digitale Ausstattung in Verbindung mit wissenschaftlicher Expertise zum Thema moderne Bildung an. In seinen Räumlichkeiten vereint es das kommunale Medienzentrum für die Bereitstellung von (Online-)Medien für den Unterrichtseinsatz und für den Verleih von medientechnischen Geräten, ein Team für die Wartung und den Support von technischen Infrastrukturen an Schulen, eine Stiftungsprofessur für Medienforschung, Schwerpunkt Digitalisierung der Bildung, eine Professur für Mediendidaktik, eine Stelle für die medienpädagogische Beratung von Schulen aus dem Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung und einen Mediengestalter für Bild und Ton.Prof. Dr. Franco Rau (r.) und Michael Otten bei ihrem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Die pluralistische Gesellschaft und ihre Feinde – gefährdete Diskurse im Innern“.

Prof. Dr. Franco Rau (r.) und Michael Otten bei ihrem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Die pluralistische Gesellschaft und ihre Feinde – gefährdete Diskurse im Innern“.

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