Pressemitteilung —
Schule im Umbruch: Neues D-A-CH-Netzwerk erforscht den Wandel der Berufskultur von Lehrkräften
Wie verändern gesellschaftliche Krisen, Digitalisierung und neue Teamstrukturen das Selbstverständnis von Lehrerinnen und Lehrern? Dieser Frage geht ein neues, DFG-gefördertes Forschungsnetzwerk nach. Zum Auftakt trafen sich 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Zürich.
Die Schule steht gegenwärtig vor weitreichenden Entwicklungserwartungen. Sie resultieren aus gesellschaftlichen Krisenszenarien und tiefgreifenden Wandlungsprozessen, auf die die schulische Bildungsarbeit Antworten finden muss. Zugleich verändern die Digitalisierung und die stetig wachsende Zusammenarbeit mit unterschiedlich qualifiziertem Personal in multiprofessionellen Teams den Schulalltag grundlegend. Doch wie wirken sich diese Transformationsprozesse auf die „Berufskultur“ – also die von Lehrpersonen gemeinsam geteilten Ideen, Werte, Normen, Deutungsmuster und Verhaltensweisen – aus?
Um diese Entwicklung wissenschaftlich fundiert zu analysieren, ist zum 1. Oktober 2026 das interdisziplinäre und trinational ausgerichtete Netzwerk „Wandel der Berufskulturen von Lehrpersonen in den deutschsprachigen Ländern (D-A-CH)“ gestartet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Dreijahresprojekt mit rund 60.000 Euro. Beantragt wurde das Vorhaben von Professorin Dr. Raphaela Porsch (Universität Vechta), die es gemeinsam mit Professor Dr. Tobias Leonhard (PH Zürich) und Professor Dr. Till-Sebastian Idel (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) koordiniert.
„Wir wollen nicht nur erklären, welche Faktoren den Lehrerberuf heute verändern, sondern auch empirische Zugänge schaffen, um diesen Wandel greifbar zu machen“, erklärt Porsch. Dabei geht es den 16 beteiligten Forscherinnen und Forschern aus der Erziehungswissenschaft und verschiedenen Fachdidaktiken auch um Differenzierungen: Berufskulturen müssen innerhalb der Berufsgruppe keineswegs homogen sein. So wird unter anderem untersucht, inwiefern sich die Berufskultur von Primarstufenlehrkräften von der an Gymnasien unterscheidet.
Beim ersten von insgesamt sechs Arbeitstreffen kamen die Netzwerkteilnehmenden vom 11. bis 13. Oktober 2026 an der Pädagogischen Hochschule Zürich zusammen. Im Fokus standen die theoretische Schärfung des Begriffs der Berufskultur sowie Ansätze zur Erfassung des Wandels.
Wichtige Impulse lieferten zwei Gastvorträge: Professor Dr. Fabian Dietrich (Universität Bayreuth) entfaltete zentrale Kategorien zur Bestimmung von Berufskulturen und zeigte den Mehrwert dieser Perspektive für die Forschung auf. Der Bildungshistoriker Professor Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (PH Zürich) illustrierte anschließend am Beispiel von Lehrmitteln und Historischen Jahresberichten aus Lehrerseminaren, wie ein über die Gegenwart hinausgehender geschichtlicher Blickwinkel den Wandel von Ausbildungs- und Berufskulturen offenlegen kann.
Das D-A-CH-Netzwerk setzt während der Laufzeit auf einen intensiven Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Neben Fachkongressen, kontinuierlicher Wissenschaftskommunikation (u. a. über Social Media und die Projekthomepage) sowie der Herausgabe eines wissenschaftlichen Sammelbands sind interaktive Workshops geplant. Diese richten sich gezielt an Lehrkräfte aus der Schulpraxis sowie an Forschende in unterschiedlichen Karrierephasen.
Weitere Informationen und Ansprechpersonen:
www.uni-vechta.de/erziehungswissenschaften/forschung-projekte/wandel-der-berufskulturen