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Sr. Felista Tangi kämpft für gewaltfreie Schulen in Tansania
Sr. Felista Tangi kämpft für gewaltfreie Schulen in Tansania

Pressemitteilung -

Vechtaer Absolventin Dr. Felista Tangi erhält hochdotierten Menschenrechtspreis

Die frühere Vechtaer Promotionsstipendiatin Dr. Schwester Felista Tangi erhält den hochdotierten Shalompreis 2021 des Arbeitskreises Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt für den Aufbau der inklusiven gewaltfreien Schule in Nyashishi, Tansania und ihre Arbeit gegen Körperstrafen und Misshandlung von Schülerinnen und Schülern.

Schwester Felista Tangi gehört zum Orden der Teresina Sisters. 2018 schloss sie ihre durch ein Stipendium des Landes Niedersachsens geförderte Promotion erfolgreich an der Universität Vechta. Darin untersuchte sie, wie sich angewandte Gewalt in der Schule auf die Motivation und die Leistung von Schüler*innen auswirkt. Prof.in Dr.in Margit Stein, Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta erinnert sich an die ersten Gespräche mit Felista Tangi. „2012 trat sie an mich heran mit dem Wunsch, sich in ihrer Promotion mit den Auswirkungen der Gewalt zu befassen, denen Kinder und Jugendliche in der Schule ausgesetzt sind. Immer wieder schilderte sie in unserem ersten Gespräch sichtlich bewegt, dass jedes Jahr in Tansania Kinder infolge von Gewalt durch Lehrkräfte umkommen und sie ihren Beitrag leisten möchte, um Schulen in Tansania kindgerechter zu gestalten.“ Im Rahmen ihrer umfassenden empirischen Studie stellte die Promovendin unter anderem fest, dass die Gewalt in den Schulen noch stärker als etwa die Armut der Eltern oder die weiten Schulwege Kinder dazu bringt, von der Schule fern zu bleiben und diese vorzeitig abzubrechen. In Schulen, in denen besonders stark misshandelt wird, brachen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler signifikant stärker ein. Dennoch wird das Problem von den Behörden und Eltern oftmals verharmlost und Körperstrafen als notwendiges Mittel der Leistungssteigerung und Disziplinierung angesehe.

Basierend auf ihren Erkenntnissen aus dem Schulalltag in Tansania und den erschreckend hohen Zahlen an Schüler*innen, die körperlichem, sexuellem und psychischem Missbrauch und Körperstrafen durch Lehrkräfte und Mitschüler*innen ausgesetzt sind, gründete Dr. Felista Tangi zusammen mit Mitschwestern eine gewaltfreie und inklusiv arbeitende Schule in Nyashishi, in der Provinz Mwanza in Tansania. „Felistas Wunsch, die Gewalt zu beenden, erschöpfte sich nicht in ihrer wissenschaftlichen Untersuchung des Gewaltausmaßes, sondern bewegte sie, ihre Forschung mit der Gründung einer kindzentrierten Schule auch zur Anwendung zu bringen“, so ihre Promotionsbetreuerin Margit Stein.

Die Schule mit angeschlossenem Internat ist vor allem für Schülerinnen und Schüler aus primär ländlichen Gegenden, verwaiste Kinder und aus finanzschwachen Familien konzipiert, die besonders häufig von Schulabbrüchen und Gewalt betroffen sind. Insgesamt 20% der Schulplätze sind Kindern mit Inklusionsbedarf vorbehalten. Besonders fördert die Schule Kinder mit Albinismus, die in der ländlichen Provinz Mwanza oftmals als verhext angesehen warden und von massiver Gewalt bis hin zu Morden bedroht sind.

Zudem ist Dr. Felista Tangi seit ihrer Rückkehr nach Tansania als gefragte Expertin mit Workshops in Schulen im ganzen Land unterwegs, um Lehrkräfte darin zu unterstützen, gewaltfrei, kindgerecht und inklusiv nach modernen Konzepten des „Classroom Managements“ gegen Gewalt, Mobbing und Diskriminierung zu arbeiten. Felista Tangi stützt sich dabei auf Material, das im Rahmen eines Projekts gegen Schulgewalt in Ostafrika von Prof. Dr. Margit Stein und Prof. Dr. Daniela Steenkamp an der Universität Vechta entwickelt wurde und kostenfrei in Englisch und Swahili auf einer Homepage zugänglich ist (http://www.against-violence-at-schools-in-tanzania.com).

Für ihr Engagement wird Felista Tangi nun am 25.9.2021 der Shalompreis des Arbeitskreises Shalom an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt verliehen. Die Universität Vechta gratuliert Sr. Felista Tangi zu dieser besonderen Auszeichnung.

Der Arbeitskreis Shalom wurde 1981 gegründet. Die Geschichte des Arbeitskreises ist eine in Deutschland einmalige Erfolgsgeschichte des Engagements und der Kontinuität eines rein ehrenamtlich getragenen Menschenrechtskreises. Ziel des Arbeitskreises Shalom ist es, einen Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte und des weltweiten Friedens zu leisten. Jedes Jahr rückt dabei thematisch ein Land oder eine Region in den Mittelpunkt des Interesses. Höhepunkt des Jahres ist jeweils die Vergabe des Shalompreises, mit dem jährlich Einzelpersonen oder Gruppen ausgezeichnet werden, die sich in vorbildlicher Weise und oft unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen.

Der Preis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise Deutschlands. Das Preisgeld betrug 2020 32.000 Euro und wird ausschließlich aus Spenden verschiedener Träger, Organisationen und Privatpersonen zusammengetragen. Es fließt direkt in ein oder mehrere Projekte, die die Preisträger*innen vorschlagen und über die sie weiterhin berichten.

Im Jahr 2021 steht Tansania im Mittelpunkt. Neben Sr. Dr. Felista Tangi wird auch ein weiteres Projekt in Tansania ausgezeichnet.

Die Veranstaltungen finden dieses Jahr pandemiebedingt in hybrider Form in Präsenz im Alten Stadttheater Eichstätt sowie digital per Videoübertragung am 25.9.2021 um 19:30 Uhr statt.

Weitere Informationen zum Preis finden sich unter: https://ak-shalom.com

Kontakt:

Ulrike Schurr-Schöpfel für den AK Shalom:
Telefon 0 1 76 / 39 37 58 86
E-Mail: shalom-ak@ku-eichstaett.de

oder

Prof. Dr. Margit Stein, Promotionsbetreuerin von Sr. Felista Tangi und Projektleiterin des Tansania-Projekts an der Universität Vechta
E-Mail: margit.stein@uni-vechta.de

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