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Pressemitteilung

Zwischen künstlicher Intelligenz und Taylor Swift: Wie moderner Englischunterricht gesellschaftliche Teilhabe sichert | Antrittsvorlesung von Professorin Dr. Larena Schäfer

Der Englischunterricht der Zukunft wird nicht durch künstliche Intelligenz (KI) überflüssig – er wird anders. Zu diesem Schluss kommt Junior-Professorin Dr. Larena Schäfer, die seit dem Wintersemester 2024 die Professur für die Didaktik der englischen Sprache und Literatur an der Universität Vechta innehat. In ihrer nun gehaltenen Antrittsvorlesung „Teilhabe in einer digitalen und vielfältigen Welt“ skizzierte die Wissenschaftlerin, wie sich der Fremdsprachenunterricht angesichts generativer KI, veränderter Lebenswelten von Jugendlichen und neuen Schulkonzepten wandeln muss, um echte gesellschaftliche Teilhabe zu sichern.

Dass die Professur nach einer 15-jährigen Phase von Vakanzen und Übergangslösungen nun in diesem Maße besetzt werden konnte, stellte Professor Dr. Nobert Lennarzt in seiner Laudatio mit Erleichterung und Humor dar. Er verglich die lange Suche in Anspielung an Samuel Becketts absurdem Theaterstück mit einem kollegialen „Warten auf Godot“. Das Warten habe jedoch ein überaus glückliches Ende genommen: Mit der Neuberufenen ziehe eine wissenschaftlich exzellente, teamorientierte und meinungsstarke Kollegin nach Vechta, die das anglistische Trio – bestehend aus Literaturwissenschaft (Lennartz), Sprachwissenschaft (Professor Dr. Christoph Schubert) und nun der Fachdidaktik – perfekt komplettiert.

Lennartz hob neben Schäfers beeindruckendem wissenschaftlichen Werdegang, der sie über Bremen und Frankfurt nach Vechta führte, auch ihre zeitgemäßen Impulse hervor. So engagiert sie sich bereits aktiv in universitären Gremien für die Entwicklung neuer, KI-gerechter Prüfungsformen und bereichert das Fach als bekennender „Swiftie“ (Fan der Pop-Ikone Taylor Swift) um popkulturelle und nahbare Perspektiven. Auch Vizepräsidentin Professorin Dr. Martina Döhrmann und der Dekan der Fakultät II, Professor Dr. Karl Martin Born, betonten in ihren Grußworten das hervorragende „Matching“: Schäfer passe sowohl mit ihren Schwerpunkten Inklusion und Digitalisierung als auch mit ihrer anpackenden, aufgeschlossenen Persönlichkeit perfekt zum Profil der Universität Vechta.

In ihrer anschließenden Vorlesung stellte Schäfer eine fundamentale Frage: Wozu braucht es in Zeiten von KI-Übersetzern und dem allgegenwärtigen Konsum englischsprachiger Serien überhaupt noch klassischen Englischunterricht? Zwar bescheinigen aktuelle Bildungsstudien wie der IQB-Bildungstrend den Jugendlichen seit Jahren steigende Kompetenzen im Fach Englisch – oft begünstigt durch außerschulische, digitale Kontakte mit der Sprache. Doch diese Zahlen täuschen laut Schäfer über bestehende Ungleichheiten hinweg.

„Gute Werte im Lese- und Hörverstehen zeigen nicht, wer überhaupt einen Zugang zu digitalen Lerngelegenheiten hat, wer KI-generierte Informationen kritisch bewerten kann und wer im Unterricht tatsächlich zu Wort kommt“, betonte Schäfer. Der Digital Divide drohe sich weiter zu verschärfen: Während privilegierte Jugendliche von den neuen Technologien profitieren, drohen andere abgehängt zu werden. Englischunterricht müsse daher im Sinne der Inklusion umgestaltet werden, um alle Lernenden zu befähigen, aktiv, kritisch und selbstbestimmt an einer global vernetzten, digitalisierten Gesellschaft teilzuhaben.

Um diesen Anspruch konkret zu machen, stellte Schäfer drei aktuelle Forschungsprojekte ihres Arbeitsbereichs vor. Multimodales Gestalten unter KI-Bedingungen: Schülerinnen und Schüler nutzen heute ganz selbstverständlich Bilder, Videos und Musik in sozialen Medien. Generative KI automatisiert diese Prozesse zunehmend. Schäfers Forschung zeigt: Um eine kritische Medienkompetenz („AI Literacy“) aufzubauen, dürfen KI-Vorschläge nicht blind übernommen werden. Schülerinnen müssen durch den gezielten Vergleich von menschlichen und KI-generierten Produkten lernen, Stereotype zu entlarven und ihre eigene gestalterische Urheberschaft zu begründen. KI-basierte Leistungsbewertung in der Praxis: Gemeinsam mit ihrem Team untersuchte Schäfer, wie zuverlässig ChatGPT Texte aus 6. Klassen bewertet, um eventuell Lehrkräfte bei der Korrektur von Arbeiten zu unterstützen. Das Ergebnis: Die KI simuliert Objektivität lediglich. Trotz identischer Vorgaben lieferten verschiedene Accounts stark abweichende Benotungen. Zudem scheiterte die KI an einfachen formalen Kriterien, wie der Wortzählung, und ignorierte wichtige Kontextdaten wie den inklusiven Förderbedarf von Kindern. „Lehrkräfte und ihre pädagogische Sensibilität bleiben unersetzlich“, bilanzierte Schäfer. Reine KI-Bewertungen bergen die Gefahr, bestehende Ungleichheiten in heterogenen Klassen noch zu verschärfen. Englischunterricht neu denken am Beispiel des „Steinfelder Wegs“: In Kooperation mit der Don-Bosco-Schule in Steinfeld erforscht Schäfer ein alternatives Schulkonzept, das auf selbstreguliertes Lernen im Fach Englisch in flexiblen Lernzonen, wie dem „Marktplatz“ oder der „persönlichen Arbeitszeit“, setzt. Da offene Lernformen die klassische, gelenkte englische Kommunikation im Klassenverband verändern können, untersucht das Projekt, wie durch gezielte didaktische Anpassungen die mündliche Sprachpraxis und die Eigeninitiative der Jugendlichen effektiv gefördert werden können.

„Englischunterricht wird in einer durch Diversität und Digitalität geprägten Welt nicht weniger wichtig“, schloss Schäfer ihren Vortrag. „Er wird anders wichtig: als ein geschützter Raum, in dem informelle Sprachkontakte in kritische, kreative und nachhaltige gesellschaftliche Teilhabechancen überführt werden.“

Professorin Dr. Martina Döhrmann

Professor Dr. Karl Martin Born

Professor Dr. Norbert Lennartz

Professor Dr. Christoph Schubert, Professorin Dr. Larena Schäfer und Professor Dr. Norbert Lennartz

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