Pressemitteilung —
Gehle: „Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle“
ÄKWL-Vorstand fordert Konsequenzen aus dem Rekordsommer 2026 – Gesundheitsversorgung muss klimaresilient werden
Nach einem der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen fordert der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), den Hitzeschutz noch vor dem nächsten Sommer verbindlich zu verbessern. Der Deutsche Wetterdienst registrierte in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen 20 heiße Tage mit mindestens 30 Grad und fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad – beides neue Landesrekorde. Die höchste Temperatur lag bei 40,2 Grad. ÄKWL-Präsident Dr. Hans-Albert Gehle: „Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle. Wir müssen jetzt mit den notwendigen Maßnahmen vor die nächste Hitze-Lage kommen.“
Die Klimaveränderungen seien dauerhaft. Auch andere Extremwetterereignisse müssten künftig stärker in die Planung einer krisenfesten Gesundheitsversorgung einbezogen werden. Aber Versorgungssicherheit bedeute, Strukturen so aufzustellen, dass sie auch bei länger andauernder Hitze und anderen Extremwetterlagen belastbar bleiben. „Klimaanpassung wird damit zunehmend zu einer Voraussetzung für eine verlässliche medizinische Versorgung“, so Gehle, um wie in diesem Sommer überhitzte Behandlungs- und Patientenzimmer zu vermeiden, die Patientinnen und Patienten ebenso wie Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte belasteten.
Die ÄKWL begrüßt, dass Nordrhein-Westfalen seine bisherigen Fördermaßnahmen ergänzt und für Klimatisierungsmaßnahmen in Plankrankenhäusern von 2027 bis 2029 zusätzlich 200 Millionen Euro bereitstellen will. Gefördert werden sollen unter anderem Kühlung und Verschattung besonders belasteter Bereiche wie Intensivstationen, Kreißsäle, Notaufnahmen, Operationssäle und Stationen. Die Programme sollen dabei schnell umsetzbar und unbürokratisch ausgestaltet werden. Bereits seit 2023 ist zudem vorgesehen, ein Drittel der Krankenhaus-Einzelförderung für Klimaanpassungsmaßnahmen einzusetzen; eine entsprechende Regelung besteht auch für den Krankenhaustransformationsfonds. Bis 2035 sollen so rund 1,52 Milliarden Euro für Klimaanpassungsmaßnahmen in nordrheinwestfälischen Krankenhäusern zur Verfügung stehen. Investitionen in klimaresiliente Kliniken sind für Kammerpräsident Gehle durch die Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes folgerichtig wichtige Investitionen in den Klimaschutz.
Fördermöglichkeiten für eine klimaresiliente Gesundheitsversorgung müssten auch den ambulanten Bereich einbeziehen. Arztpraxen und Medizinische Versorgungszentren bräuchten ebenfalls Rahmenbedingungen, die Investitionen etwa in Verschattung, Lüftung, Kühlung oder energetische Sanierung ermöglichen. „Es kann nicht im Sinne einer resilienten Gesundheitsversorgung sein, wenn eine Praxis ihre Behandlungsmöglichkeiten einschränken oder im Extremfall schließen muss, weil die räumlichen Bedingungen bei großer Hitze einen sicheren Betrieb nicht mehr zulassen“, so Gehle.
Auch der Bevölkerungsschutz muss aus Kammer-Sicht jetzt vorbereitet werden. Kommunen benötigten flächendeckende Hitzeaktionspläne, leicht erreichbare kühle Räume, verlässliche Warn- und Informationsketten und mehr öffentliche Trinkwasserbrunnen. Besonders gefährdete, alleinlebende Menschen müssten bei Hitzewarnungen gezielt erreicht werden. Das vom Land geplante Modell kommunaler Hitze-Gesundheitsmanagerinnen und -manager, die solche Menschen gezielt identifizieren und über lokale Netzwerke Hilfsangebote aufbauen sollen, könne hier ein wichtiger Einstieg in die richtige Richtung sein.
Gehle abschließend: „Wir müssen die Gesundheitsversorgung insgesamt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen. Klimaanpassung entscheidet zunehmend darüber, ob medizinische Versorgung auch während längerer Hitzeperioden oder anderer Extremwetter sicher erbracht werden kann. Eine krisenfeste Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge – und sie muss auch bei Extremwetter funktionieren.“
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