Kosten journalistischer Beiträge

Nachrichtenportale mit Bezahlzugängen, Content von Marken und gesponserte Podcasts – selbst Spenden und Crowdfunding-Optionen  – halten die Nachrichtenbranche am Leben, während Werbeeinnahmen und die Verkaufszahlen einiger Printmedien stagnieren.

Dennoch müssen Arbeitgeber in der Medienbranche ihr Personal und Freelancer für ihre Arbeit fair bezahlen. Gerade in Zeiten von Fake News und Information Overload ist es wichtig, dass Journalisten die Zeit sowie Ressourcen haben, um eine gründliche Recherche zu betreiben, Fakten überprüfen zu können und dadurch einen wertvollen und einflussreichen Beitrag schreiben, der den Ansprüchen des Auftraggebers und dessen Leserschaft gerecht wird.

Nachrichtenseiten stehen oftmals vor der Problematik, sich auf Einnahmequellen guter journalistischer Beiträge stützen zu müssen. Deshalb ist es für Marketing- und Kommunikationsverantwortliche wichtig zu wissen, welche Kosten dort auf Sie zukommen und wie Sie Ihre Stories am besten pitchen, um in den Medien zu erscheinen.

Hinter der Kulisse einer Nachrichtenseite

Die Kosten eines guten Beitrags hängen nicht nur vom gewünschten Format ab, sondern auch von Fristen, Budgets und der Publikation, für die ein Journalist schreibt.
Ein Redakteur, der für eine örtliche Tageszeitung schreibt, muss meist fünf bis zehn kurze Berichte verfassen, während beispielsweise eine Korrespondent eines großen Nachrichtensenders eine Woche Zeit hat, um an einem Aufmacher zu arbeiten.

Um Ihren Pitch an die gewünschten Journalisten bestmöglich vorzubereiten, sollten Sie sich über die redaktionellen Prozesse und die Budgetierung innerhalb der Organisationen informieren. Dies kann einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren sein, der Ihnen einen Weg in die Medien ebnet.

Die meisten Journalisten stehen unter immensem Zeitdruck. Finden Sie daher heraus, wie sich die jeweilige Tagesroutine Ihrer Kontakte gestaltet und wie sie die Pitches bevorzugt erhalten möchten. Ein Journalist, der für eine große Publikation in einem bestimmten Ressort schreibt, wird vermutlich eher die Gelegenheit nutzen können, sich auf einen Kaffee zum Thema auszutauschen, als ein Reporter eines kleinen Radiosenders oder einer Webseite zu Nischenthemen. Letzterer würde es sicherlich bevorzugen, eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Infos und Zitaten zu erhalten, die er nur noch an sein Medium anpassen muss, um den zeitlichen Aufwand möglichst gering zu halten.

Behalten Sie zudem im Hinterkopf, dass die meisten Nachrichtenseiten – genau wie Unternehmen – unterschiedliche Formate bereitstellen müssen, angefangen von Leitartikeln bis hin zu kurzen Teasern und Social-Media-Content.

Die drei wichtigsten Beitragsformen, Preisspannen und was sie ausmachen

Reportagen

 

Reportagen sind detaillierte, manchmal investigative Beiträge, die oftmals ein neues Licht auf bekannte Themen oder Debatten werfen. Gespickt mit Fakten und Zahlen werden Sie häufig auch von Zitaten entsprechender Experten bereichert, nicht selten liegen Videointerviews oder Tonaufnahmen vor, die den geschilderten Eindrücken mehr Tiefe verschaffen. Selbstverständlich sind Reportagen auch gänzlich in Video- oder Tonformat  möglich. Gerade öffentlich-rechtliche Anstalten sowie anspruchsvolle Publikationen legen dabei besonderen Wert darauf, mehrere Perspektiven einzufangen, um eine möglichst umfassende und informative Berichterstattung zu gewährleisten. Journalisten, die an Reportagen arbeiten, sind meist daran interessiert, reichweitenstarke Debatten anzustoßen, die auch von konkurrierenden oder verwandten Medien aufgegriffen werden.

Formate dieser Art sind meist sehr umfangreich – ein Textbeitrag kann beispielsweise 800 oder mehr Wörter umfassen. Video- oder Radioreportagen dauern oftmals drei Minuten oder länger an. Immer wichtiger werden auch ergänzende Social-Media-Inhalte, wie etwa Fotos mit einer kurzen Beschreibung, Infografiken oder Illustrationen sowie teilbare Videos mit Untertiteln.
Um eine gute Reportage zu schreiben, müssen Journalisten besonders gute Recherchearbeit leisten sowie ein Talent dafür haben, die richtigen Fragen zu stellen. Reportagen werden häufig von einem Team entwickelt, bei denen professionelle Kameramänner oder Moderatoren die Geschichten begleiten. Dies schlägt sich auch auf die Preisgestaltung aus. Multimediale Berichterstattung, bei der neben Textbeiträgen auch kurze Audio- oder Videosequenzen dazugehören, werden immer geläufiger und sind oftmals eine kostengünstigere Alternative: denn hierbei stammt die Leistung meist aus einer Hand.

Die Preisspannen von Reportagen variieren je nach Publikationsmedium und hängen von den internen Budgets, den lokalen Steuersätzen sowie dem Aufwand des Themas ab. Wir haben dennoch eine grobe Einschätzung der potenziellen Kosten aufgestellt, die sich auf durchschnittliche Vergütungen beziehen, die sowohl in Europa als auch in den USA an Journalisten ausgezahlt werden.

PREISSPANNEN FÜR REPORTAGEN (basierend auf Vergütungen, die an freie Journalisten/Content Creators gezahlt werden)
Forscher – Arbeitsaufwand von 2 Tagen – 85 € – 1.300 €

Journalist (Text) – 1 Tag Arbeit / Preisspanne für einen Artikel – 170 € – 1.300 €

Kameramann – 1-2 Tage Arbeit / Preisspanne pro Video – 430 € – 2.600 €

Radiojournalist – 1-2 Tage Arbeit / Preisspanne Radiobeitrag – 170 € – 1.700 €

Produzent für Multimedia-Beiträge bzw. Projektmanager – 2-4 Tage Arbeit – 340 € – 3.400 €

GESAMT: 340 € bis 10.200 €

Bericht

Ein klassischer Bericht ist eine Form zur Darstellung eines Sachverhalts oder von Veranstaltungen. Meist umfasst dieser auch Fotos, Interviews oder einen kurzen Videobeitrag, der vom Journalisten erstellt wurde.
Der Umfang beläuft sich auf etwa 500 bis 800 Wörtern, begleitendes Material wird oftmals auch von externen Quellen bezogen, wie etwa Nachrichtenagenturen oder Datenbanken. Video- und Audiodateien bleiben hierbei in den meisten Fällen unter 3 Minuten. Social-Media-Beiträge werden meist aus dem Begleitmaterial generiert: Fotos und kurze Clips mit einer kurzen Beschreibung oder Untertiteln.
Journalisten, die regelmäßig Berichte verfassen, sind heutzutage oftmals wahre Multitalente und liefern Ihnen trotz straffer Zeitpläne ein Gesamtpaket. Nichtsdestotrotz leisten sich manche größeren Medienanstalten ganze Teams, die gemeinsam an Berichten arbeiten.

PREISSPANNEN FÜR BERICHTE (basierend auf Vergütungen, die an freie Journalisten/Content Creators gezahlt werden)
Journalist (Text) – 1 Tag Arbeit / Preisspanne für einen Artikel – 85 €  – 850 €Kameramann – 1 Tag Arbeit / Preisspanne pro Video – 260 € – 1.300 €

Radiojournalist –  1 Tag Arbeit / Preisspanne Radiobericht –  130 € – 850 €

Produzent für Multimedia-Beiträge bzw. Projektmanager  – 1 Tag Arbeit – 170 € – 850 €

GESAMT: 85 € bis 3.800 €

Stehsatz

Was Sie nicht unterschätzen sollten, ist der sogenannte “Stehsatz”. Dieser bezeichnet kein journalistisches Format per se, sondern vorbereitete Beiträge, die bei Bedarf herangezogen werden, um noch vorhandenen Weißraum in Publikationen zu befüllen, Klickzahlen auf Webseiten zu erhöhen oder Diversität in der Berichterstattung des Mediums zu ermöglichen. Meist handelt es sich dabei um knappe, faktenlastige Berichte oder andere, tendenziell kurze (Online-)Formate, wie etwa Checklisten, Tipps oder Rezepte. Ergänzendes Material, wie etwa Interviews, Fotos oder Videos stammen oft von einer Pressemitteilung oder von anderen Quellen.

Texte dieser Kategorie haben in der Regel nicht mehr als 500 Wörter. Bei Radio- oder Fernsehbeiträgen handelt es sich um etwa 15-Sekünder in einer kurzen Sondermeldung oder im Rahmen einer Themenstunde. Social-Media-Beiträge dafür werden zudem sehr einfach gehalten, meist wird ein einfacher Link zum Artikel inklusive einer kurzen Beschreibung veröffentlicht.

PREISSPANNEN FÜR STEHSÄTZE ((basierend auf Vergütungen, die an freie Journalisten/Content Creators gezahlt werden)
Journalist (Text) – 43 € – 260 €

GESAMT: 43 € – 260 €

Wie Sie durch Wissensvorsprung in den Medien erscheinen

Nun kennen Sie drei Formate und deren Kostenstrukturen sowie den dazugehörigen Arbeitsaufwand. Mithilfe dieses Hintergrundwissens können Sie drei Erkenntnisse für zukünftige Pitches mitnehmen, um in den Medien zu erscheinen:

Zunächst sollten Sie vor der Kontaktaufnahme immer bedenken, wie viel Zeit und Ressourcen seitens des gewünschten Mediums benötigt werden, um Ihre Idee umzusetzen. Wie können Sie dem Journalisten dabei helfen, einen geringeren Arbeitsaufwand zu haben? Gibt es etwas, das Sie vorbereiten können?

Weiterhin sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, dass Redaktionen viele verschiedene Formate anbieten müssen, von der Reportage bis hin zu kurzen Berichten. Das bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, wie Sie Journalisten Ihre Idee schmackhaft machen können. Für eine Titelgeschichte benötigt es das richtige Timing, ein spannendes Thema und oftmals auch eine gute Beziehung zum Journalisten. Nichtsdestotrotz sollten Sie auch an die anderen Formate denken: Kurze, an das Medium und die Zielgruppe angepasste Beiträge können eine wahre Erleichterung für einen Journalisten sein, der noch dringend eine gute Story zum “Auffüllen” der Seiten braucht. Auch kleine Artikel können eine große Wirkung haben und unter Umständen in einer nachfolgenden Ausgabe mit einem höheren Stellenwert aufgegriffen werden, wenn sich die Leserschaft sichtlich für das Thema interessiert.

Und zum Abschluss: Die aktuelle Lage in den Medienhäusern bietet Unternehmen und für deren Kommunikatoren viele Chancen, publiziert zu werden. Gerade durch die knapp bemessene Zeit sind Journalisten dankbar, wenn Sie gut recherchierte und aufbereitete Vorschläge erhalten, die sie nutzen können. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es beim ersten Mal nicht gleich klappt. Oftmals liegt es nicht am Thema, sondern am falschen Timing. Ein Bonus: Indem Sie es immer wieder versuchen, pflegen und bauen Sie den Kontakt zu Ihren Journalisten aus und lernen dadurch, wie diese arbeiten und zu welchen Themen Sie Unterstützung leisten können.

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